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16. Februar 2010

Die gerechten Abenteurer

Südafrika rüstet sich für die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land. Als Orientierungshilfe für die Touristen wurde das weltweit erste Label für fairen Tourismus ins Leben gerufen. Mit Erfolg.

Von Baumwipfel zu Baumwipfel schweben, 30, 40 Meter über dem Boden, einem Vogel gleich – wer in Südafrika Lust auf etwas Aussergewöhnliches hat, ist bei Stormsriver Adventures am richtigen Ort. Es war das erste Unternehmen, das eine Tour an Stahlseilen zwischen den Baumkronen des Tsitsikamma-Nationalparks anbot. Doch was das Unternehmen wirklich speziell macht, ist sein Engagement: Eine Tafel informiert die Besucherinnen und Besucher, wohin das Geld für jede einzelne Tour fliesst: 1 Franken trägt dazu bei, dass die 200 Schulkinder der lokalen Schule einmal im Tag eine rechte Mahlzeit kriegen, 4 Franken fliessen in die Erhaltung des Urwalds, 50 Rappen in die Förderung des lokalen Handwerks, 50 Rappen in die Aids-Prävention.
Neben Baumtouren bietet Stormsriver Adventures auch geführte Wanderungen, Holzfällertripps im Traktoranhänger und Übernachtungen. Das Unternehmen gilt als Vorreiter in Sachen fairem Tourismus. Und es macht damit auch Werbung. Zu Recht. Das Unternehmen wurde von FTTSA zertifiziert, weltweit das erste Label für fairen Tourismus. Verlangt werden vor allem gerechte Gehälter und Anstellungsbedingungen, sozial und ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung, Respekt für die Menschenrechte und für die Umwelt. Konkret bedeutet dies für alle Angestellten: Mindestens 1815 Rand (244 Franken) Grundlohn plus Bonus. „Für uns ist das Personal nicht einfach eine Streichwurst, die wir bis zum letzten Rest auspressen wollen“, sagt Geschäftsführerin Anneline Wyatt.

Als einer der Angestellten zunehmend in Alkoholproblemen versank, suchte Wyatt zusammen mit dem Betroffenen nach einer Lösung. Nach dem Aufenthalt in einer Rehabilitätsklinik kehrte er zurück zur Arbeit und ist seither ein Vorbild für die anderen: Probleme werden nicht verdrängt sondern intern besprochen und pragmatisch angegangen.

Die Mehrheit der Touristen, die im Tsitsikamma-Nationalpark zwischen den Bäumwipfeln umhersegeln, interessiert sich kaum für das Engagement des Anbieters. Sie will einfach Spass zu einem möglichst günstigen Preis. Doch Stormsriver Adventures und die anderen FTTSA-zertifizierten Anbietern sind überzeugt, dass die Zahl der umsichtigen Touristen in Zukunft steigen wird.
In Südafrika sind bislang 60 Unternehmen mit dem Label für Fairen Tourismus zertifiziert, Tendenz weiter steigend. Beim Fairen Tourismus wollen alle mitmachen, vom Luxushotel in Kapstadt bis zur Backpacker-Unterkunft in Soweto, vom Bootsverleiher für Walbeobachtungen am indischen Ozean bis zu den Dörfern, die Reisende auf mehrtägige Wanderungen durch die Drachenberge führen. Doch nicht alle erfüllen die Kriterien und werden angewiesen, zuerst ihre Unzulänglichkeiten zu verbessern.

Mit seiner kulturellen und natürlichen Vielfalt ist Südafrika touristisch ein sehr interessantes Land. Noch immer schwer lastet aber das Erbe des Apartheidsystems. Die Ungleichheiten zwischen Arm und Reich, zwischen Schwarz und Weiss sind weiterhin riesig. Land und Reichtum sind völlig ungerecht verteilt. Armut, Gewalt und Hunger gehört für viele Menschen in Südafrika zum Alltag. Da ist die Gefahr von Ausbeutung besonders gross. Umso wichtiger ist das Label für Fairen Tourismus. Es trägt dazu bei, dass nicht nur ein paar wenige vom Tourismus profitieren.

Weitere Informationen auf www.fairtourismsa.org.za: Hotels und Reiseunternehmen in Südafrika mit Fairem Tourismus Label.

AutorIn: Patricio Frei, Fastenopfer, Luzern

Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Fairer Handel, Geschichte, Good practice – verschiedene Ansätze, Jung & Fair, Nachhaltige Projekte, Praxisbeispiele, Standards & Labels


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Letzte Aktualisierung: 17.05.2012