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Urs Schnell (Regie) und Res Gehriger (Recherche), Schweiz 2011

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Pakistan

Hamid Afridi: Wenn das Gleichgewicht kippt, gibt es ein Problem

Zur Person: Hamid Afridi, Ökotourismus Aktivist, war Berater für kulturelles Erbe und Tourismusangelegenheiten im Planungs Ministerium der Provinzregierung der Nordwest Grenzprovinz von Pakistan. Er hat unterschiedliche Kulturtourismus Initiativen wie das Seidenstraßenfestival und den Kulturerbe Pfad in Peshawar organisiert.

Abgesehen von Aspekten des Umweltschutzes sollte Ökotourismus, wie ich ihn sehe, zur lokalen Wirtschaft, zur Kultur und zur Wirtschaft im Grossen beitragen. Wenn das Gleichgewicht kippt, gibt es ein Problem. Zum Beispiel: Wenn Sie als Tourist es sich leisten können, Holz zu kaufen, und jemand, der dort wohnt, dieses Holz nicht kaufen kann, weil die Person, die das Holz verkauft, es schon für einen höheren Preis verkauft hat weil diese Person weiss, dass ein Tourist es um diesen höheren Preis kaufen wird, dann macht Tourismus das Leben für die Einheimischen schwer, mehr als dass er zu ihrem Nutzen beiträgt. Daher muss das ökonomische Gleichgewicht aufrechterhalten werden.

Die Entwicklung des Tourismus muss nicht immer positiv sein. Hier bei uns ist folgendes passiert: Die Einheimischen waren arm. Sie haben nicht bemerkt, dass dieses Gebiet und ihr Land teures und wertvolles Land ist, weil es gebirgiges Land ist. Sie hätten es nicht ausverkaufen sollen. Aber die Menschen verkauften es an Leute aus anderen Teilen des Landes; an Menschen, die Geld hatten und die Hotels bauten. Jene zogen die lokale Bevölkerung oft nicht einmal für Jobs in diesen Hotels in Erwägung.

So haben sie einen Verlust erlitten und oft haben sie keine Mittel mehr, weil sie das Land verkauft haben; sie haben keine Jobs und sie haben am Ende nichts mehr. Auf diese Weise hat der Tourismus eine Menge wirtschaftlicher Disparitäten geschaffen. Wenn für die Bedürfnisse der Einheimischen nicht Sorge getragen wird, gibt es viele Probleme.

Nicht nur die Regierung muss diese Dinge in Betracht ziehen, auch der private Sektor. In Naran zum Beispiel gibt es 114 Hotels in nur einer Stadt. Ausserdem wurden die Hotels nicht mit umweltschonenden Materialen gebaut. Man hätte lokale Materialien eher als Beton und Zement benutzen sollen man kann die Hotels mit diesem Zeug weder warm noch kalt halten.

Ein weiteres Gebiet ist die Erhaltung der Natur bzw. Biodiversität. Die natürlichen Ressourcen sind die Hauptattraktion für Touristen. Die Bevölkerung wächst und es gibt nicht genug fruchtbares Land. Das Niederlassungsgesetz wurde nicht in allen Gebieten in Pakistan angewandt, weil die Gebiete einen unterschiedlichen Status haben. Da gibt es die Gebiete der ursprünglichen Bevölkerung, weiters die von der Provinz administrierten Gebiete und die Provinzen sowie bestimmte Gebiete unter Bundesverwaltung. Bis in die späten siebziger Jahre hatten wir auch unabhängige Staaten innerhalb des Landes. Das bringt jetzt ein Problem der Verantwortlichkeiten.

Meine Freunde in Chitral sagen: "Wir hatten mehr Bäume, viel mehr Ibex  und früher sahen wir viele Schneeleoparden in der Gegend. Was sehen wir jetzt, nachdem die Regierung die Verantwortung für den Schutz der Umwelt übernommen hat?" Es gibt hier einen grossen Streit, ob das geholfen hat, die Ressourcen der Gegend zu bewahren, oder ob es die Ressourcen verschlissen hat.

Eigentum ist ein echtes Problem. Es gibt Gebiete, die Gemeinschaftsland sind man kann einfach hingehen und es nutzen oder zerstören (z.B. durch Töten der wilden Tiere). Aber es gibt auch Beispiele von Dörfern, die einen ganzen Berg erhalten. Das Beste ist, wenn die Gemeinschaft involviert ist nicht die Regierung. Die Regierung kann nicht überall sein, sie kann nicht alles kontrollieren.

Das Problem des öffentlichen Sektors bei der Verwaltung von Tourismusangelegenheiten ist vielleicht, dass es im Tourismus Ministerium an Willen, Geldmitteln und den richtigen Leuten in der Belegschaft fehlt. Es gibt zu oft Versetzungen und einen Mangel an Koordination. Unglücklicherweise werden Tourismus, Kultur und Archäologie, die Portfolios des Ministeriums für Tourismus, als nicht sehr attraktiv angesehen. Oft, wenn Bürokraten versetzt werden, haben sie das Gefühl, für etwas bestraft zu werden. Dieses Ministerium sollte anfangen, nachhaltiger zu arbeiten und mehr Leute anzustellen, die ein Herz für diese Dinge haben, die die sanftere Seite dieser Themen verstehen.

Hamid Afridi, in: Dagmar Lassmann, Birgit Mbwisi-Henökl (Hrsg.): Stimmen aus dem Süden, edition pro mente, Linz, 2003, ISBN 3-901409-51-3. Mit freundlicher Genehmigung von edition pro mente.
Im gleichen Verlag ist auch das Methodenbuch zu Stimmen aus dem Süden erschienen: Birgit Mbwisi-Henökl: Stimmen aus dem Süden - Impulse und Methoden für Jugend- und Erwachsenenbildung, edition pro mente, Linz, 2003.

 

Letzte Aktualisierung: 22.05.2012