fairunterwegs.org - die andere Reiseseite
für Ferien mit Zukunft

News zum weltweiten Tourismusgeschehen
Tipps & Informationen
zum verantwortungsvollen Reisen
Länderinformationen
zur Einstimmung auf Ihr
Reiseziel
Häufige Fragen - FAQ's
Schlechte Sozial- und Ökobilanz für Kreuzfahrten
Warum ist das schwimmende Traumhotel ein Albtraum?
Kein Tourismuszweig wächst seit Jahren so konstant wie die Kreuzfahrtbranche. 14,3 Millionen Passagiere werden 2011 voraussichtlich eine Kreuzfahrt unternehmen – 1970 waren es nur gerade eine halbe Million. 2011 erwartet die Branche allein in Europa eine Zunahme um 20 Prozent. Dabei sinkt das Durchschnittsalter der Reisenden. Lag es im letzten Jahrzehnt noch bei 60 Jahren, liegt es heute bei 46 Jahren, und immer öfter unternehmen ganze Familien eine Kreuzfahrt.
Die Kreuzfahrtschiffe der grossen Reedereien wie z.B. die Oasis of the Sea sind heute schwimmende Hotels oder gar Kleinstädte, die über 6'000 Passagiere beherbergen können. Die Schiffe sind bestens ausgerüstet mit Wellness-, Schwimm- und Sportbereichen, zahlreichen Restaurants und Unterhaltungsstätten wie Kino, Theater, Ball- und Kasinosälen, Eislauf- und Golfplätzen, Fahrstühlen, Klimaanlagen sowie der dazu notwendigen Energieversorgung.
Ein Albtraum für die Natur
Der Kreuzfahrttourismus ist für die Umwelt unter verschiedenen Aspekten problematisch. So ist der CO2-Fussabdruck (Treibhausgasemissionen) eines typischen Kreuzfahrtschiffes pro Passagierkilometer mehr als drei Mal so gross wie der eines Fluges mit einer Boeing 747. Hinzu kommen die Abgase der Müllverbrennungsanlagen, die Abwässer mit 32 Liter Schmutzwasser und 350 Liter Grauwasser pro Person und Tag sowie 2,5 bis 3 Kilogramm feste Abfallstoffe, Klärschlamm und mit Öl vermischtes Wasser (so genanntes Bilgenwasser, jeweils 28‘000 Liter pro Schiff und Tag). Als "Kleinstädte" verursachen Kreuzfahrtschiffe riesige Mengen an Schadstoffen, und ein grosser Teil davon wird im Ozean entsorgt oder in die Luft geblasen, mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und die Gesundheit unserer Ozeane. Ein weiteres Problem ist das Ballastwasser zur Stabilisierung der Schiffe in den Tanks, in dem Organismen von einem Ökosystem in ein völlig anderes transportiert werden und dieses gefährden.
Ausbeutung auf See
Rund 70 Prozent aller Beschäftigten auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten im schlecht bezahlten Hotel- und Restaurantbereich. Die Verträge sind auf vier bis sechs Monate befristet. Die Angestellten wissen, dass sie eine 7-Tage-Woche mit kurzen Ruhezeiten erwartet. Doch wie aufreibend das ist, ahnen bei Vertragsbeginn die wenigsten. Die Arbeit beginnt um 6 Uhr 30 und wenn Abendveranstaltungen auf dem Programm stehen, kann der Einsatz gut bis zwei oder drei Uhr dauern. Am nächsten Tag geht es gleich weiter. Überstunden werden regelmässig nicht bezahlt. Die Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Kulturkreisen sind in engsten Kabinen ohne Privatsphäre untergebracht. Das monatliche Grundgehalt beläuft sich meist auf wenige hundert US-Dollar. Trinkgelder machen bis zu drei Viertel des Lohnes aus, doch die gibt es nur in gewissen Bereichen des Restaurants und die besten Plätze werden von mafiösen Gangs kontrolliert. Sobald die Beschäftigten den Mannschaftsbereich verlassen, sind sie im Dienst, müssen stetig lächeln und sich um das Wohl der Passagiere kümmern, die sie mit Fragen und Wünschen überhäufen. Chronischer Schlafmangel und Depressionen werden im Alkohol ertränkt, der von manchen Reedereien denn auch bewusst grosszügig abgegeben wird.
Fragen Sie nach!
Es braucht politische Regulierungen der Internationalen Maritime Organisation IMO, um die Schadstoffemissionen zu begrenzen und die nötigen Anreize zu schaffen, damit die Reedereien die technischen Möglichkeiten nutzen und ihre Ökobilanz verbessern. Als Reisende können Sie den Druck erhöhen, indem Sie nachfragen. Wird das Kreuzschiff mit hochwertigem Kraftstoff betrieben und sind Russpartikelfilter installiert? Wie werden Abfall und Abwasser entsorgt? Wie sind die Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden und wie sind sie untergebracht?
Diese Informationen als PDF downloaden
Weitere Tipps und Hintergrundberichte finden Sie hier:
Aktuell/Brennpunkt Tourismus:
- Der fairunterwegs-Koffer weiss nun definitiv, dass er nichts an Bord eines Kreuzfahrtschiffs verloren hat - 12.04.2012
- Das Traumschiff hat ausgeträumt - 10.04.2012
- Enttäuschendes Traumschiff - 16.03.2011
Newsletter 29 - April 2010:
- Vom Traumschiff zum schwimmenden Freizeitpark Kreuzfahrtbranche im Aufwind - 13.04.2010
- Kreuzzug gegen die Umwelt - 08.04.2010
- Der fairunterwegs-Koffer ärgert sich über die schwimmenden Traumfabriken - 15.04.2010
- Die Schattenseiten des Kreuzfahrtbooms - 09.04.2010
Themen:
Häufige Fragen/FAQ's:
Russfrei fürs KlimaHintergrundpapier: Kreuzschifffahrt und (Russ-)Emissionen
Clean Shipping CoalitionInternationale Umweltorganisation mit Fokus auf die Schifffahrt

