Fair unterwegs, was heisst das?

Fair unterwegs sein heisst: Menschen mit Respekt begegnen und Lebensräume achten.

Wo immer die Reise hinführt, denken wir daran, dass unser Erholungsraum für die Einheimischen Lebensraum ist. Vor allem in ärmeren Regionen kann dies zu Konflikten führen. Deshalb engagieren wir uns für eine faire Reisekultur, die Reisende zu einer neuen Lebensqualität inspiriert, dabei knappe Ressourcen schont und der Bevölkerung in den Urlaubsregionen neue Perspektiven eröffnet.

Wir bieten

  • Tipps und Entscheidungshilfen für Reiseplanung, Buchung und unterwegs 
  • Fakten und Hintergrundinformationen über Ereignisse, Trends und Entwicklungen in den Reiseländern sowie aktuelle Debatten im Tourismus - auch gebündelt im Newsletter
  • Veranstaltungen, Film- und Lesetipps zur Vorfreude, Einstimmung und Auszeit im Alltag

Was Sie bei uns nicht finden

Auf fairunterwegs.org verkaufen und organisieren wir keine Reisen und verzichten auch auf Reisewerbung. Das überlassen wir den Profis in den Reisebüros. Diese können ihre Beratung entscheidend aufwerten mit den Informationen auf fairunterwegs.org. Als besonderen Service hilft fairunterwegs.org Reisebüros, auf einfache Art ihre gesetzliche Informationspflicht zu erfüllen.

Über uns

Fair unterwegs mit

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Fair unterwegs mit Charlotte Huber, Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Transa

Charlotte Huber ist begeisterte Reiterin und Bergsteigerin und kennt sich in Island aus. Bei Transa tüftelt sie an weiteren Möglichkeiten, die firmeninterne Nachhaltigkeit zu stärken, Transparenz zu fördern über die Zulieferketten und die Lebensspanne der Produkte zu verlängern. Für eine gute Auszeit empfiehlt sie ein...

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Fair unterwegs mit fünf Faustregeln im Handgepäck

Einfache Orientierungshilfen führen oft zu besseren Entscheiden als komplizierte Überlegungen. Packen Sie sich deshalb die fünf fairunterwegs-Faustregeln ins Handgepäck als Kompass, der Ihnen auf Ihren Reisen zeigt, in welche Richtung es fairer geht.  

Zeit nehmen

mehr

Für meine Ferien nehme ich mir Zeit. Ich stimme mich mit Reiseführern und Literatur aus dem Gastland ein und ergänze meine Wissenslücken zur Situation im Urlaubsziel und dazu, in welcher Beziehung es zu meinem Heimatland steht. Ich bleibe auch nach der Reise in Verbindung ­ mit meinen GastgeberInnen, mit Menschen aus dem Gastland hier bei uns, mit der Unterstützung von Solidaritätsprojekten. Mit dem Kauf fair und nachhaltig produzierter und gehandelter Produkte trage ich auch zu Hause täglich zu mehr globaler sozialer Gerechtigkeit bei.

Fairer Austausch

mehr

Der faire Austausch mit meinen GastgeberInnen ist mir wichtig. Ich weiss es als grosses Privileg zu schätzen, willkommen geheissen zu werden. Es ist für mich selbstverständlich, die Selbstbestimmtheit und Würde meiner GastgeberInnen zu respektieren und die Rechte der gastgebenden Bevölkerung auf Mitsprache und Teilhabe am Tourismus zu unterstützen.  

Nutzen für Einheimische

mehr

Meine Urlaubsreise soll der Bevölkerung am Zielort den grösstmöglichen Nutzen bringen. Ich ziehe deshalb einheimische Unterkünfte und Dienstleistungen den internationalen Hotelketten vor. Ich geniesse statt uniformem Fastfood die kulinarischen Spezialitäten der Region. Als Reiseandenken bringe ich statt importiertem Schnickschnack von irgendwoher lieber Erzeugnisse aus dem lokalen Handwerk nach Hause. 

Faire Preise

mehr

Ich achte darauf, faire Preise zu zahlen. Nur sie sichern langfristig die Existenz der AnbieterInnen und ermöglichen guten Service wie auch Investitionen in Umwelt, Bildung und Gemeindeentwicklung. Damit ich mich in den Ferien richtig wohl fühle, möchte ich sicher sein, dass alle, die zu meinem Ferienerlebnis beitragen, unter anständigen Bedingungen arbeiten. Auch in der Pflege von kulturellen Traditionen oder von Naturlandschaften steckt viel Arbeit, die ich fair entgelten will.   

Respekt vor der Umwelt

mehr

Ich respektiere den Lebensraum meiner GastgeberInnen. Meine Komfort-Ansprüche sollen nicht zum Verschleiss von knappen Ressourcen wie Land und Wasser führen. Ich bemühe mich, die Umwelt am Urlaubsort nicht unnötig zu belasten und umweltfreundliche Verkehrsmittel zu wählen. Fernreisen mit dem Flugzeug sind für mich Höhepunkte; ich gönne sie mir selten und koste sie dafür länger aus.  

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In 7 Schritten fair unterwegs – im Urlaub und im Alltag

7 Schritte

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Schritt 1: Welchen Urlaub will ich?

Die Versuchung ist gross, aus purem Zeitmangel einfach das nächstbeste Angebot zu schnappen: aus dem Katalog, von Freunden, aus dem Internet... Aber der ökologische Fussabdruck ist am kleinsten, wenn ich nur das buche, was ich wirklich will und brauche. 

Deshalb: kurz zurücklehnen, Bestand aufnehmen: Was könnte mir in diesen Ferien so richtig guttun? Reise ich allein oder mit andern? Will ich wieder mal voll aktiv werden: eher in der Natur oder in einer Stadt? Oder doch lieber Entspannung: Wellness oder die schlichte Kunst des süssen Nichsttuns? Bin ich hungrig nach neuen Eindrücken und suche den Tapetenwechsel? Oder möchte ich mir eine einfach Auszeit gönnen, auch ohne mich allzusehr auf Fremdes einstellen zu müssen. 

Schritt 2: Wie kann ich Vorfreude geniessen?

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich nicht nur planen, sondern mich auch einstimmen auf das, was ich vorhabe. Mit guten Reiseführern oder im Internet profitiere ich von den Erfahrungen anderer, in der Zeitung springen mir Meldungen zu meinem Urlaubsort ins Auge. Vielleicht lese ich einen Roman oder Krimi der mit meinem Reiseland zu tun hat, oder finde grad einen passenden Kinofilm. Ich tausche mich mit meinen FreundInnen aus und lasse mir Tipps geben. 

Schritt 3: Wie komme ich dorthin?

Ich könnte natürlich fliegen. Das wäre am schnellsten, ist aber ungesund und nicht nachhaltig: Fliegen schadet dem Klima, und die Klimaerwärmung zerstört genau die Landschaften und Lebensräume, die ich so attraktiv finde. Plane ich eine Fernreise über 1'000 Kilometer, komme ich vielleicht nicht um einen Flug herum. Aber ansonsten suche ich mir eine Anfahrt mit Zug, Bus und Schiff/Fähre. Und geniesse die Reise als Aufbruch in den Urlaub.

Vor Ort bevorzuge ich Verkehrsmittel mit der kleinsten Umweltwirkung, die auch von Einheimischen genutzt von lokalen Unternehmen angeboten werden.   

Vor der Reise / Mobilität und Klimakompensation

Schritt 4: Wo übernachte ich?

Wo ich übernachte, hängt nicht nur von meinem Budget ab, sondern auch von meinen Bedürfnissen. Die Unterkunft auf einer Velotour sollte mir eine Dusche und eine Velowerkstatt bieten. Beim Wellness-Urlaub ist das Massageangebot entscheidend. Will ich nicht Golf spielen, dann brauche ich sicher kein Hotel mit Golfplatz. Liegt mein Hotel direkt am Strand, brauche ich keinen Pool.Vielleicht finde ich eine gute Pension von Einheimischen, die obendrein noch lokale Spezialitäten bietet. Aber auch, wenn ich mich im All-Inclusive-Resort erholen will, erkundige ich mich über Unterschiede bezüglich Anstellungsbedingungen, Wassersparen oder Abfallbewirtschaftung und entscheide mich für das Angebot mit der besten Sozial- und Umweltwirkung.

Beim Buchen profitiere ich gerne von der Beratung im Reisebüro. Dort kläre ich Fragen zu Anreise und Unterkünften. Ich erwarte auch Informationen zur Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtswirkung verschiedener Reisevarianten.

Auf fairunterwegs.org helfen wir bei der Entscheidung:

die fünf fairunterwegs-Kriterien zur Auswahl von Angeboten

der Labelführer

die Empfehlungen

Schritt 5: Was gehört sonst noch zu meiner Reisevorbereitung?

Wäre schon blöd, würde ich erst vor Ort merken, dass mir das Trinkgeld für den Kofferträger fehlt oder ich gegen eine Hepatitis-Ansteckung nicht geschützt bin. Am besten arbeite ich mich durch die fairunterwegs-Rubriken zur Reisevorbereitung, dann kann ich sicher sein, dass nichts Wichtiges vergessen geht. Ausserdem lerne ich ein paar Worte der Landessprache, damit ich gleich mit Einheimischen kommunizieren und dazu lernen kann. 

Vor der Reise / Reisevorbereitung

Schritt 6: Wie kann ich auch vor Ort fair unterwegs sein?

Die fünf Faustregeln habe ich ja schon mit eingepackt. Bei den Fragen & Antworten finde ich die richtigen Tipps, um mich offen, aber nicht naiv auf Land und Leute einzulassen, Fettnäpfchen zu umgehen, das richtige Souvenir auszuwählen und meinen ökologischen Fussabdruck so klein wie möglich zu halten. 

Fair unterwegs / Fragen & Antworten

Schritt 7: Zurück zu Hause - was nun?

Ich komme erfüllt von Erlebnissen nach Hause und schon will mich der Alltag wieder in den Griff nehmen. Aber halt: Ich nehme mir die Zeit, um meinen GastgeberInnen zu danken, meinen neuen Bekanntschaften mitzuteilen, dass ich gut angekommen bin und ihnen die versprochenen Fotos zu schicken. Ich hänge meinen Erinnerungen nach und lasse die Ferienstimmung nachklingen.

Je nach Region und Umständen kommen neben schönen Momenten möglicherweise auch schockierende Ungerechtigkeiten oder Notsituationen hoch und ich habe das Bedürfnis, Betroffene zu unterstützen. Auf fairunterwegs.org finde ich bei den Länderinfos Schweizer Organisationen, die sich in meinem Urlaubsort engagieren. Vielleicht habe ich aber auch vor Ort eine Organisation kennen gelernt, die ich in Zukunft unterstützen werde. Ich lese einen Roman aus dem Urlaubsland und halte mich mit Zeitungen und Internet weiter über die Entwicklungen im Land auf dem Laufenden. Ich entführe hin und wieder meine Sinne dorthin zurück, indem ich Musik höre, ein Konzert besuche oder ein feines Menu des Landes koche, und verlängere so mein Feriengefühl.

Damit ich nicht nach kurzer Zeit wieder ferienreif bin, plane ich Oasen im Alltag: Meine kleine tägliche Auszeit, mein Abend pro Woche, meine vier oder fünf verlängerten Wochenenden im Jahr, an denen ich genau das mache, was mir gut tut, und einen Kontrapunkt zu dem setze, was sonst meinen Alltag ausmacht. Inspiration hole ich mir dafür auf

Auszeit im Alltag

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Leisten Sie Ihren Beitrag für den Erhalt der Landschaft, des sozialen Zusammenhalts und einer gesunden regionalen Wirtschaft im Reiseland. Bei der Vorbereitung, beim Buchen und unterwegs. Hier finden Sie konkrete Tipps dazu. 

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Fragen & Antworten

Sie suchen nach Tipps, was Sie tun können, um auf Reisen und im Alltag möglichst fair und nachhaltig unterwegs zu sein? Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen und Anregungen, wie man persönlich aktiv werden kann.   

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Was heisst fair reisen?

Fair reisen klingt gut. Immer mehr Anbieter und Veranstalter schreiben sich den Begriff auf die Fahne, ohne transparent zu erklären, was genau sich dahinter verbirgt. Mal sind lediglich ein paar ethische Grundsätze für Reisende gemeint, mal dreht es sich um Freiwilligeneinsätze irgendwo abseits der üblichen Reiserouten, mal nennt sich ein ganzes Hotel "fair", nur weil es seine Waren aus fairem Handel bezieht, obwohl die dortigen Arbeitsbedingungen womöglich alles andere als fair sind. Doch Faire Reisen sind nicht etwas Beliebiges: Sie sind strengen Kriterien zu Löhnen und Arbeitsbedingungen, zur Unternehmensführung und der Verteilung der Gewinne, zu den Handelsbeziehungen sowie zu Menschenrechten und dem Schutz von Kultur und Umwelt unterworfen.

Fair Trade Tourism (FTT) - der südafrikanische Pionier

2003 entwickelte die südafrikanische Organisation Fair Trade Tourism (FTT) ein System zur Überprüfung und Auszeichnung von Unterkünften und Freizeitaktivitäten, die folgenden sechs Grundwerten entsprechen.

  1. Fairer Anteil

  2. Faire Mitsprache

  3. Respekt

  4. Verlässlichkeit

  5. Transparenz

  6. Nachhaltigkeit

Heute tragen über sechzig Betriebe in Südafrika sowie erste Anbieter in Madagaskar und Mosambik das FTT-Siegel. Jährlich berichten sie dem unabhängigen Zertifizierungsrat über ihre Fortschritte, alle drei Jahre wird nochmals genau vor Ort geprüft, ob der Betrieb das Gütesiegel weiterhin tragen darf.  

Fair Trade Holiday - die Weiterentwicklung des bewährten Systems

Einzelne faire Angebote in Südafrika sind ein guter Anfang, aber für eine Faire Reise braucht es mehr. Im Austausch mit zahlreichen Partnern entwickelte Fair Trade Tourism sein Zertifizierungssystem weiter und konnte 2010 die ersten Reisearrangements nach Südafrika in der Schweiz auf den Markt bringen. Fair-Trade-Reisen werden mit dem Siegel "Fair Trade Holidays" ausgezeichnet. Zurzeit ist FTT dabei, die Verfahren und Abläufe für die Zertifizierung von Fair-Trade-Reisen zu vereinfachen. Der neuste Stand der Entwicklungen ist auf der Website von FTT abrufbar (siehe unter Quellen und weitere Informationen).

Jetzt braucht es mehr Angebote und mehr Buchungen

Zurzeit sind Fair-Trade-Reisen in der Schweiz, in Holland, Deutschland und England erhältlich. Als nächstes will FTT das Angebot an zertifizierten Betrieben auf insgesamt acht Destinationen im südlichen Afrika ausweiten: Botswana, Lesotho, Madagaskar, Mosambik, Namibia, Südafrika, Swasiland und Tansania. Als erste neue Destination hat Madagaskar eine FTT-Zertifizierung lanciert. So sollen Reisende möglichst bald unter einer Vielfalt von Fair Trade-Angeboten und -Reisen durch das südliche Afrika wählen können.

Fair reisen: Was bringt das?

Durch den Fairen Handel im Tourismus erhalten auch Menschen eine Chance, die sonst aussen vor bleiben. Wie zum Beispiel Betty Hlungwani: Als ihr Vater starb, war sie erst 14. Sie musste die Schule abbrechen und als Hilfsverkäuferin arbeiten. Die Besitzer der Shiluwari Lakeside Lodge im Nordosten Südafrikas stellten Betty an und förderten sie über Jahre. Heute ist sie die Managerin des FTT-zertifizierten Betriebes. Den guten Ruf unter den TouristikerInnen der Provinz Limpopo hat sie mit ihrer Ausdauer und harter Arbeit erworben, die Gelegenheit dazu erhielt sie im Fair-Trade-Betrieb. Fair-Trade-Reisen sind etwas für Menschen, die die Weichen im Tourismusgeschäft anders stellen möchten. Sie gönnen sich eine beeindruckende Erfahrung und geben gleichzeitig etwas zurück an die Menschen und das Land, das sie besuchen. Es ist ein Engagement aus Respekt gegenüber den Menschen und den Gegenden, die ihr Ferienerlebnis ermöglicht haben.

Was ist Fairer Handel?

Mit dem Begriff Fairer Handel oder neudeutsch Fair Trade bezeichnet man eine besondere Wirtschaftsform innerhalb des gegebenen Wirtschaftsrahmens, welche die Förderung von benachteiligten ProduzentInnen aus Entwicklungs- und Schwellenländern zum Ziel hat. Hierbei haben Solidarität und Gleichberechtigung zwischen den HandelspartnerInnen oberste Priorität. Seit den 1960er-Jahren hat der Faire Handel stetig an Bekanntheit und Institutionalisierung gewonnen und bietet somit eine Alternative zum konventionellen, auf niedrigen Produktionskosten und Löhnen basierenden Handel. Während sich diese Art des Handelns in den ersten Jahrzehnten auf einige wenige Produkte aus der Landwirtschaft konzentrierte, kommen seit den 1990er-Jahren immer mehr Produkte hinzu. Zudem haben fair gehandelte und entsprechend gekennzeichnete Produkte Eingang in grosse Detailhandelsketten gefunden.

Was sind die Prinzipien des Fairen Handels?

Der Faire Handel beruht auf festen Standards, deren strenge Einhaltung von einer unabhängigen Kommission geprüft wird. Entspricht ein Produkt allen Vorgaben, wird es mit einem "Fair Trade Label" (Siegel) ausgezeichnet. Dieses garantiert den KonsumentInnen, dass Produkte unter fairen Bedingungen hergestellt und gehandelt werden.

Fair-Trade-Siegel stehen für folgende Standards:

  • Langfristige Handelsbeziehungen: Eine gewachsene Vertrauensbasis zwischen den HandelspartnerInnen ist die Basis für eine stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und langfristige Investitionen sowie deren Amortisierung. Zwischenhandel wird möglichst vermieden. Gleichzeitig muss für alle AkteurInnen nachvollziehbar sein, wer wofür wieviel erhält.
  • Arbeitsbedingungen: Mindeststandard sind die verbindlichen Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO). Zwangsarbeit und Kinderarbeit sind verboten, ebenso wie Diskriminierung aufgrund von Rasse, Gesellschaftsklasse, Herkunft, Religion, Alter, Behinderung, Geschlecht, Familienstand, sexueller Ausrichtung, Gewerkschaftsaktivität oder sonstiger  politischer Tätigkeit. Arbeitszeit, Freizeit und Ferien sind geregelt.

  • Preise: Die Preise sind so gestaltet, dass die ProduzentInnen von ihrer Arbeit leben können. Darüber hinaus ermöglicht ihnen eine Fair-Trade-Prämie Investitionen in ihre nachhaltige Entwicklung wie Ausbildungsmassnahmen oder Infrastrukturprojekte.

  • Umwelt: Durch einen schonenden Umgang mit Ressourcen und die Verbesserung der Abfallentsorgung werden schädliche Auswirkungen auf die Umwelt laufend vermindert.

  • Monitoring: Beobachtungs- und Evaluierungsprozesse messen Fortschritte und fördern laufende Verbesserungen.

  • Sensibilisierung: Die Kundschaft wird laufend über die Handelsstrukturen und die Chancen des Fairen Handels informiert.

Was bringt der faire Handel? 

Rund zwei Milliarden Menschen auf der Welt müssen, oft trotz härtester Arbeit, mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Der konventionelle Handel garantiert ihnen weder ein existenzsicherndes Auskommen noch Entwicklungsmöglichkeiten. Dagegen beruht der Faire Handel auf einer Partnerschaft zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen. Letztere kaufen Produkte aus Fairem Handel – von Kaffee und Bananen über Schokolade, Kleider, Kunsthandwerk und Teppichen bis hin zu fairen Reisen –, weil sie Wert darauf legen, dass die ProduzentInnen für ihren Aufwand und ihre Arbeit fair entlöhnt werden. Bewusste KonsumentInnen nutzen ihre Kaufkraft, um die Armut weltweit zu vermindern.

Was sind die Perspektiven des Fairen Handels?

Der Faire Handel erlebte in den letzten Jahren ein beachtliches Wachstum. In der Schweiz gaben KonsumentInnen 2012 insgesamt rund 380 Millionen Franken für Produkte aus Fairem Handel aus, weltweit waren es über 5.8 Milliarden Franken. Davon profitierten über 1.3 Millionen Kleinbauern und Arbeiterinnen in 70 Ländern. Über 30'000 Produkte werden heute in 125 Ländern gehandelt. 300 verschiedene Rohstoffe können bereits heute mit einem Fair-Trade-Siegel versehen werden. Sechs von zehn KundInnen erkennen beispielsweise das Max-Havelaar-Fairtrade-Label, 90 Prozent davon trauen ihm. Damit ist "Max Havelaar Fairtrade" das weltweit bekannteste ethische Gütesiegel. Zwar macht der Faire Handel immer noch nur einen winzigen Teil des Welthandels aus, doch er wächst stetig und umfasst immer weitere Güter und Dienstleistungen.

Welche Tourismuslabels zur Nachhaltigkeit sind empfehlenswert?

Immer mehr Reisende wollen nachhaltig unterwegs sein, also die Natur schonen und sich gegenüber Einheimischen und Tourismusangestellten fair verhalten. Aber die Ausschreibungen sagen meist wenig aus über die Nachhaltigkeit eines Angebots. Und bei mittlerweile über hundert Gütesiegel im Tourismusbereich weltweit ist es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Deshalb empfehlen wir den "Wegweiser durch den Labeldschungel" als Orientierungshilfe.

Der Labeldschungel

Gütesiegel, neudeutsch Labels genannt, in Form grüner Blätter, leuchtender Sonnen, blauer Fahnen oder fröhlicher Schildkröten stehen für alles Mögliche: von guter Servicequalität über sparsamen Wasserverbrauch oder Familienfreundlichkeit bis zu umfassenden Sozial- und Umweltmanagementsystemen. Ausgezeichnet werden Unterkünfte, Reiseanbieter, Strände, Naturschutzgebiete oder gleich ganze Regionen. Einige dieser Labels kommen nur in einen Land oder einem Kontinent zur Anwendung, andere weltweit. Erklärungen über die Leistung, für die das Label steht, die angewandten Kriterien oder über die Organisation dahinter fehlen meist.

Woran erkenne ich ein gutes Label?

Gütesiegel sollen Massnahmen zugunsten von Mensch und Natur auszeichnen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Als Faustregel gilt: Je umfassender ein Label ökologische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Anliegen der gastgebenden Bevölkerung berücksichtigt, desto mehr trägt es zur nachhaltigen Entwicklung bei. Besonders in Entwicklungsländern sind jene Labels zu beachten, die faire Arbeitsbedingungen, die Einhaltung der Menschenrechte sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaft und den Erhalt des kulturellen Erbes sicherstellen. Im Umweltbereich werden vor allem Massnahmen zur Energie- und Wassereinsparung, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und zur Erhaltung der Natur ausgezeichnet. Wirklich glaubwürdig ist ein Label dann, wenn die Zertifizierungskriterien offengelegt werden und eine unabhängige Stelle deren Einhaltung überprüft.

Wie sind gute Labels zu finden? Wegweiser

Vier tourismuskritische Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten mit ihrem gemeinsam herausgegebenen "Wegweiser durch den Labeldschungel" eine willkommene Orientierungshilfe. Darin werden zwanzig Gütesiegel vorgestellt, die dazu beitragen, die ökologischen Belastungen des Tourismus zu verringern und den Nutzen für Land und Leute zu erhöhen. 

Dieser Wegweiser macht es so einfach wie noch nie, ein gutes Angebot zu finden. 
1. Laden Sie den Wegweiser durch den Labeldschungel herunter.
2. Fragen Sie im Reisebüro nach Angeboten, die mit einem der Gütesiegel ausgezeichnet sind, oder suchen Sie selber im Internet danach. 

Nutzen für die gastgebende Bevölkerung

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Wann und wo ist Trinkgeld angebracht?

Trinkgeld ist eine seltsame Geschichte und bedarf grosser Sorgfalt. An manchen Orten ist es Pflicht und wird sogar von offizieller Seite als Bestandteil des Lohnes gerechnet; den einen gilt es als nette Geste der Anerkennung, anderen als Affront. Für viele Angestellte im Gastgewerbe ist es zwar eine willkommene Aufbesserung ihres spärlichen Einkommens, gleichzeitig zementiert das Trinkgeldgeben die ungerechten Arbeitsbedingungen weiter. Zudem bekommen meist nicht alle was davon ab. Es gilt also genau hinzuschauen und sich stets gut zu erkundigen, was wo üblich ist und wer davon profitiert.

Erkundigen Sie sich nach den üblichen Summen

Während die Höhe des Lohnes von Angestellten im US-amerikanischen Gastgewerbe massiv vom Trinkgeld abhängt, ist an vielen anderen Orten der Welt der kleine Obolus eher eine freiwillige Angelegenheit und in gewissen Regionen gar unüblich. In Japan und China zum Beispiel kann ein Trinkgeld als Beleidigung aufgefasst werden.

Um die vor Ort üblichen Summen für Trinkgelder herauszubekommen, konsultieren Sie am besten einen guten Reiseführer, die Reiseleitung, die Hotelrezeption oder direkt das Personal selbst. Auch unabhängige Websites wie tippingaroundtheworld.com bieten eine gewisse Orientierung. Wichtig ist, Trinkgeld mit Respekt und auf Augenhöhe zu geben. Trinkgeld ist nicht dazu da, den eigenen Wohlstand zu präsentieren oder das Gegenüber väterlich zu belohnen. Trinkgeld ist das Dankeschön für diejenigen, die Ihnen mit ihrer Arbeit persönlich einen Dienst erwiesen haben – vom Taxifahrer über die Kofferträgerin, den Bartender bis hin zum Spa Personal und den Reinigungskräften. Dies gilt übrigens auch für Dienste, die man Ihnen im Alltag zuhause bietet. Zum Anstand beim Trinkgeldgeben gehört im Übrigen auch, keine grossen Scheine von mittellosem Personal wechseln zu lassen.

Ausdruck ungerechter Arbeitsbedingungen

Studien haben zudem gezeigt, dass die Höhe der Gabe weniger von der Qualität des Services als von der Freundlichkeit und Attraktivität des Personals sowie der Geberlaune des Kunden abhängt. Hiervon gilt es sich freizumachen. Denn jeder Arbeitende, der Ihnen das Ferienerlebnis versüsst, hat dafür eine angemessene Entlohnung verdient, unabhängig von Sympathien oder Äusserlichkeiten. Auch und gerade unsichtbares Personal wie Putzequipen und Tellerwäscher haben eine Aufbesserung ihres geringen Einkommens nötig. Hierfür sollten jedoch nicht die Reisenden zuständig sein, sondern die jeweiligen ArbeitgeberInnen. Das System des Trinkgeldgebens verleitet die Tourismusunternehmen nämlich dazu, auf die Extras der TouristInnen zu setzen, statt ihre ArbeiterInnen fair zu entlöhnen. Deshalb als Reisende kein Trinkgeld zu geben, ändert allerdings nicht automatisch die ungerechten Arbeitsbedingungen, unter denen viele Angestellte im Gastgewerbe leiden. Im Gegenteil, es verschärft ihre Lage noch zusätzlich. Bedenken Sie: schlechter Service ist selten Ausdruck schlechter Arbeitsmoral, sondern meist ein Zeichen untragbarer Arbeitsbedingungen.

Setzen Sie sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Angestellten im Gastgewerbe ein

Statt sich also zu ärgern, werden Sie besser aktiv und setzen sich für die Durchsetzung gerechter Arbeitsbedingungen und fairer Löhne ein. Schliesslich gilt es zu bedenken, dass auch nach internationalen Standards „fair“ entlöhnte Angestellte meist nicht mehr als den jeweiligen Mindestlohn bekommen und dieser oft kein „Living Wage“ ist, also kaum zum Überleben reicht. Daher liegen Sie meist auch bei zertifizierten Unternehmen mit einem Extra für das Servicepersonal richtig. 

Was kann ich als Souvenir mit nach Hause nehmen?

In den Ferien macht das Einkaufen doppelt Spass: Die Produkte sind exotisch, die Preise oft günstig. Der Kauf von Souvenirs kann den lokalen Markt sowie das lokale Handwerk unterstützen und Einheimischen zu einem Einkommen verhelfen. Doch dabei gilt es, internationale Abkommen zu Artenschutz, Biodiversität, Schutz vor Kulturgüterraub und Markenschutz zu beachten. Wer darauf Rücksicht nimmt und sicher durch den Zoll kommen will, kauft mit Bedacht.

Kulturgüterschutz

Lassen Sie die Voodoo-Holzmaske, den Totemanhänger oder die alte Götterholzstatue besser liegen. Ethnologische Gegenstände fallen unter die Kategorie Kulturgüter, dies gilt ebenso für über hundert Jahre alte Antiquitäten, Briefmarken oder allgemein für Waren mit Wert für Archäologie, Geschichte, Wissenschaft, Literatur, Kunst oder Wissenschaft. Wer einen solchen Gegenstand erwirbt, muss darauf achten, dass es sich nicht um Hehlerware oder illegal ausgegrabene Objekte handelt. Seriöse Händler stellen eine Bestätigung aus, dass der erworbene Gegenstand ausgeführt werden darf. Verlangen Sie deshalb immer eine Bescheinigung der Herkunft des Objektes. So können Sie einigermassen sicher sein, es rechtmässig erworben zu haben und erfahren so auch mehr über den Gegenstand selbst. Nützliche Indikatoren für einen legalen Kauf sind der Zustand des Objekts, der Verkaufsort und ein vernünftiger Preis. Im Zweifelsfall sollte das Objekt bei der Zollkontrolle angemeldet werden, um unangenehme Konsequenzen zu vermeiden.

Artenschutz

Die Ausfuhr von 3'500 Tier- und 25'000 Pflanzenarten ist gemäss dem internationalen Artenschutzabkommen (CITES) verboten oder bewilligungspflichtig. Das Abkommen schützt gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten und verhindert auch die Einfuhr von Trägern gefährlicher Schadorganismen. Wer mit solchen Produkten handelt oder sie illegal durch den Zoll bringt, macht sich strafbar und riskiert eine Busse von bis zu 100'000 Franken. Tabu sind nicht nur die lebenden Tiere oder Wildpflanzen wie Orchideen und Kakteen, sondern beispielsweise auch Schildkrötenpanzer, Elfenbein, Walknochen und Wildkatzenfelle oder Tropenholz wie Palisander. Traditionelle Medizin enthält häufig Bestandteile bedrohter Wildtiere oder Pflanzen und gehört daher ebenfalls nicht ins Reisegepäck. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall genau nach den Inhaltsstoffen. Für viele Souvenirs braucht es eine von der CITES-Behörde ausgestellte Ein- und Ausfuhrbewilligung. Es lohnt sich, eine allfällige Bewilligungspflicht schon beim Kauf abzuklären. Im Zweifelsfall melden Sie die Ware beim Zoll angemeldet. Denn wer sie von sich aus deklariert, hat keine Strafe zu befürchten. Schlimmstenfalls wird das Mitbringsel einbehalten.

Seuchenschutz

Durch die Einfuhr von Fleisch können Krankheiten und Seuchen eingeschleppt werden. Nur aus EU-Ländern und Norwegen dürfen Waren tierischer Herkunft zum privaten Gebrauch ohne Kontrolle durch den Grenztierarzt eingeführt werden, während die Einfuhr von Waren tierischer Herkunft aus andern Ländern grundsätzlich verboten ist.

Markenschutz

Gefälschte Produkte schaden der Wirtschaft und gefährden Arbeitsplätze. Weltweit werden vor allem Lederwaren, Zigaretten, Spielzeug, Schuhe und Textilien gefälscht. Bei CDs und DVDs spricht man von Raubkopien. Oft stehen mafiöse Organisationen hinter dem Verkauf solcher Fälschungen. Zudem werden viele Billigprodukte unter haarsträubenden Bedingungen hergestellt, fernab von Sozial- oder Umweltstandards. Wer mit Fälschungen handelt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sowie eine Geldstrafe. Aber auch der Erwerb gefälschter Produkte für den Privatgebrauch ist verboten. Seit 2008 werden sie am Zoll eingezogen. Reisende erkennen Fälschungen zum Beispiel am auffällig niedrigen Preis für ein normalerweise teures Markenprodukt. Weitere Hinweise sind der Verkaufsort – häufig werden Fälschungen von Strassenhändlern angeboten – sowie das Fehlen von Originalverpackung, Gebrauchsanweisung und Garantieschein. Vorsicht ist auch beim Kauf übers Internet geboten.

Wie geht man im Alltag und auf Reisen mit Bettelnden um?

Wir alle haben eine persönliche Strategie entwickelt, wie wir zuhause auf der Strasse mit BettlerInnen umgehen. Dabei gibt es wenige klare Regeln zu beachten: 

  1. Wegschauen ist keine Lösung und deshalb falsch.

  2. Nicht vorschnell urteilen: Wir wissen nicht, warum der Mensch uns gegenüber um Geld oder Sachspenden bittet oder auf der Strasse gelandet ist. 

  3. Dem Gegenüber mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.

  4. Lieber direkt nachfragen und Interesse zeigen, als achtlos vorbeigehen.

  5. Wem das Spenden kleiner Geldbeträge an Individuen auf der Strasse gerade nicht angenehm ist, spendet ein Lächeln oder ein paar nette Worte.

  6. Unterstützen Sie lokale Nichtregierungsorganisationen, die sich für Bedürftige einsetzen.  

Auf Reisen

Dasselbe gilt auch im Ausland. Gerade in Ländern mit schwachen oder inexistenten Sozialsystemen sind noch mehr Menschen auf direkte Hilfe von anderen angewiesen. Betteln ist deshalb für viele die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Oft verhindert auf Reisen die Sprach- und Kulturbarriere, dass wir unser Gegenüber direkt verbal ansprechen können. Und da wir unser Reiseland meist weniger gut kennen als unser Zuhause, können wir hier noch seltener beurteilen, wie und warum jemand zum Betteln gezwungen ist. Gleichzeitig befinden wir uns als verhältnismässig wohlhabende, gebildete und in der Mehrheit der Fälle weisse Reisende den Bettelnden gegenüber in einer mehrfach privilegierten Lage: Wir haben es uns freiwillig ausgesucht hier zu sein und wir können jederzeit wieder gehen.

Wenn wir uns also die Frage stellen, was und wem wir etwas geben wollen, kann es ratsam sein, sich an den Einheimischen zu orientieren. Beispielsweise gehört in vielen Religionen das Almosengeben zu einer festen Institution. BettlerInnen finden sich daher häufig in der Nähe religiöser Einrichtungen, wo sie von der einheimischen Bevölkerung toleriert, gern gesehen und mit Spenden bedacht werden.

Immer ein bisschen Kleingeld in der Tasche zu haben, kann also nicht schaden. Weniger ratsam ist, das ganze Portemonnaie zu zücken. Dies kann Begehrlichkeiten wecken und im Einzelfall auch als unangemessen oder unangenehm empfunden werden. 

Kinder

Besonders schwierig ist der Umgang mit bettelnden Kindern. Unter dem Motto „let parents earn and children learn“ raten viele internationale Organisationen davon ab, bettelnden Kindern Geld zu geben oder ihnen kleine Dinge wie Taschentücher oder Kaugummi abzukaufen. Kindern und Eltern würde so vermittelt, es sei lohnender, die Kinder zum Betteln auf die Strasse zu schicken, anstatt ihnen eine Schulbildung zukommen zu lassen – ein Teufelskreis aus fehlender Bildung und Armut entstünde.

Obwohl diese Argumentation nicht falsch ist, greift sie jedoch etwas zu kurz: Schliesslich führt der Verlust eines Bettelverdienstes nicht automatisch zum Schulbesuch. Mancherorts können sich die Eltern schlicht das Schulgeld, die erforderliche Uniform oder die Materialkosten nicht leisten, anderenorts verbietet der Staat bestimmten Bevölkerungsgruppen (wie beispielsweise illegalen Einwanderern) den Schulbesuch. Bettelnde Kinder landen also nicht automatisch in der Schule, sobald sie kein Geld mehr von Reisenden erhalten.

Aktiv werden

Damit kein Kind zum Betteln gezwungen ist, bedarf es grösserer Anstrengungen, die auf lokaler und internationaler Ebene ernsthaften politischen Willen zur Armutsbekämpfung und zum Schutz der Menschenrechte voraussetzen, den Sie als Reisende schon bei der Buchung mit beeinflussen können: Achten Sie darauf, dass Ihr Reiseveranstalter und sämtliche Anbieter vor Ort die Rechte von Kindern schützen und ihre Angestellten fair entlöhnen, so dass diese sich den Schulbesuch ihrer Kinder leisten und entsprechend dafür einsetzen können. 

Kein Kind sucht es sich aus, seinen Unterhalt bettelnd auf der Strasse zu erwirtschaften. Bettelnde Kinder sind in multiplen Abhängigkeiten gefangen und können meist nicht selbst entscheiden. Ein Kind, welches auf diese Weise für seinen Lebensunterhalt arbeitet, verdient deshalb in erster Linie Respekt und aufrichtiges Interesse. Erkundigen Sie sich vor der Reise nach lokalen Organisationen, die sich für Bedürftige und speziell Kinder einsetzen. Möglicherweise hilft eine gezielte Spende an eine entsprechende Organisation mehr als ein paar verteilte Münzen.

Vor Ort erworbene Sachspenden können zudem eine Alternative zu Geld darstellen. Aber Achtung: direkt an Kinder verteilt, werden diese womöglich gegen Geld weiterverkauft. Besser überlässt man solcherlei Material Organisationen oder Einrichtungen, die sich mit den Gegebenheiten im Land besser auskennen.

Wie sorge ich dafür, dass die Einheimischen von meinem Besuch profitieren?

In der Regel gilt: Je mehr einheimische Angebote Sie berücksichtigen, desto grösser ist die Chance, dass Ihre Ferienausgaben auch wirklich am Tourismusort bleiben und der breiten Bevölkerung zugute kommen. Bevorzugen Sie Unterkünfte und Restaurants, die in einheimischer Hand sind, nutzen Sie lokale Transporte, geniessen Sie kulinarische Spezialitäten und frische Produkte aus der Region, bringen Sie Reiseandenken aus dem heimischen Handwerk nach Hause.

Im Durchschnitt verbleibt – so hat die Weltbank errechnet – weniger als die Hälfte der Einnahmen aus dem Tourismus im Gastland. Gerade internationale Ferienanlagen der gehobenen Klasse kaufen Baumaterial und Einrichtung oft im Ausland, bewirten ihre Gäste mit importierten Speisen und Getränken, beschäftigen ausländische Kader und Subunternehmer, die ihre Löhne nach Hause tragen und ihre Gewinne an anderen Orten reinvestieren. Immer beliebter sind heute sogenannte "all inclusive"-Angebote, bei denen Verpflegung, Drinks, sportliche Aktivitäten und oft auch Ausflüge im Preis inbegriffen sind. Die lokalen Kneipen, Strandbars, einheimische Surfbrett-Vermieter oder Taxifahrer haben das Nachsehen. Ihnen fehlen die Kunden. Gleichzeitig beschert der Tourismus den Einheimischen höhere Lebenshaltungskosten und die Verknappung kostbarer Ressourcen wie Wasser.

Fortschrittliche HotelmanagerInnen haben das Problem erkannt und bemühen sich um eine Einbindung der lokalen Wirtschaft und eine nachhaltigere Bewirtschaftung ihrer Anlagen: mit gezielten Wassersparmassnahmen, mit Abwasser- und Abfallmanagement, dem Bezug von Produkten aus der Region sowie mit der Beschäftigung von einheimischem Personal zu fairen Bedingungen. So können auch sogenannte "Massentourismus-Angebote" durchaus dazu beitragen, dass die gastgebende Bevölkerung vom Tourismus profitiert. Achten Sie beim Buchen auf entsprechende Massnahmen in der Ferienanlage Ihrer Wahl!
 

Begegnung

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An welche Regeln halte ich mich beim Fotografieren?

Das Zeitalter der Postkarten scheint vorbei: Heute posten UrlauberInnen gemäss einer aktuellen Umfrage in England durchschnittlich 45 Urlaubsfotos bei Facebook & Co. Die Bilder erinnern an schöne Momente, dienen aber auch als Beweis und Statussymbol für die gemachte Reise. Nebst unverfänglichen Sujets von Sonnenauf- und untergängen, Sehenswürdigkeiten und gebräunten Beinen am Stand knipsen UrlauberInnen auch gerne Land und Leute, Mitreisende, exotische Tiere und Pflanzen. Davon können aber die Rechte oder Interessen der Fotografierten betroffen sein.
Erkundigen Sie sich an Ihrem Reiseort nach dem religiös oder sozial angebrachten Umgang mit Fotografie und fragen Sie auch lokale ReisebegleiterInnen. Seien Sie selbstkritisch in Bezug auf eigenen Voyeurismus, Gedankenlosigkeit oder Egoismus ("so ein tolles Motiv!").

Menschen verdienen Respekt

Fragen Sie Sich beim Ablichten von anderen Menschen: "Wie würde ich mich fühlen, wäre ich in der Situation des Gegenübers?" Bitten Sie eine Person um Erlaubnis, sie zu fotografieren. So befreien Sie das "Motiv" aus seiner passiven Rolle und räumen ihm Mitspracherecht ein. Ein echter Dialog entsteht und Sie zollen dem Recht des potenziellen Fotomotivs auf Privatsphäre und auf das eigene Bild Respekt. Heimlich um Häuserecken herum und in Privaträume hinein zu fotografieren, ist unfair und zu unterlassen.

Begegnen Sie auch Mitreisenden aus dem eigenen kulturellen Kontext respektvoll. Niemand möchte gern ungefragt verewigt werden, auch nicht beim Entspannen im Urlaub. Dies gilt selbstverständlich auch für ReiseveranstalterInnen oder HotelbesitzerInnen: KundInnen dürfen nicht ohne ihr Einverständnis als Werbemotive missbraucht werden, auch nicht im rechtlichen Graubereich der Social Media. Das Recht auf das eigene Bild ist in vielen Ländern auch gesetzlich geschützt.

Viele Menschen haben keinerlei Vorstellung davon, welche Wege ein Foto nehmen kann, für das sie ihr Einverständnis gegeben haben. Auch können Sie selbst als FotografIn nicht immer sicherstellen, dass ein Bild – steht es erst einmal online im Internet – nicht an einem unpassenden Ort wieder auftaucht. Tabuisierte Orte wie religiöse Stätten und Riten, Frauenrückzugsräume oder auch politische Proteste sind gern fotografierte Motive, bergen aber für die Abgebildeten je nach Kontext grosse Gefahr. Denn auch staatliche Institutionen und soziale wie religiöse Netzwerke nutzen das Internet und die Social Media, unter anderem um Kontrolle und Macht auszuüben. Vorsicht ist ausserdem beim Fotografieren von Militäranlagen oder -personal geboten, dies ist in vielen Ländern verboten und kann unsanft verfolgt werden.

Manche Menschen in Touristenzentren verdienen ihren Lebensunterhalt als Fotomotiv, gelegentlich werden auch Tiere als solche angeboten. Erkundigen Sie sich nach den lokal üblichen Preisen. Tierquälerei (Affen an der Leine, Schlangenbeschwörungen oder Tanzbärshows) sollten Sie nicht unterstützen, indem sie ihr durch weitere Fotos zusätzlich Aufmerksamkeit verschaffen. Enthalten Sie sich aber eines vorschnellen Urteils; wir wissen meist wenig über die Lebensumstände der betroffenen Menschen und deren Motive.

Kinder brauchen besonderen Schutz

Der Kinderschutz, der in unserem Kulturraum gilt, sollten Sie auch den Kindern auf ihren Reisen gewähren: Fotografieren sie keine Kinder ohne ihre Erlaubnis und die der Eltern. Achten Sie beim Abbilden von Kindern darauf, Fotos auf gleicher Augenhöhe entstehen zu lassen, indem Sie sich beim Fotografieren auf die Grösse des Kindes einstellen. Kinderschutzorganisationen wie ECPAT warnen davor, auf Facebook & Co Kinderfotos zu posten, ganz besonders, wenn diese freizügig sind. Bilder, die einmal im Internet sind, können missbraucht werden und lassen sich nicht wieder zurückholen.
Kinder sollten darüber hinaus niemals mit Geld oder Geschenken fürs Fotografieren entlohnt werden, da dies im Extremfall zum Abbruch der Schule und zu einer wenig versprechenden Karriere als touristisches Fotomotiv führen kann.

Schonender Umgang mit Tieren, Pflanzen und Lebensräumen

Tiere und Naturszenerien sollten Sie nur dann fotografieren, wenn Sie dabei nichts zerstören, Tiere und Pflanze keiner Gefahr aussetzen oder ihnen Stress verursachen: Sie sollten beispielsweise nicht scheinbar häufig vorkommende und daher uninteressante Pflanzen achtlos zertrampeln, um eine seltene Blume aufzunehmen. Tiere in freier Wildbahn aufzuscheuchen, um ein gutes Foto zu bekommen, ist ebenfalls tabu, so wie auch das Heranpirschen an Nester oder sonstige Rückzugsorte. Überlassen Sie das Fotografieren solch heikler Motive erfahrenen SpezialistInnen, die sich mit den Tieren und ihren Bedürfnissen gut auskennen. Besonders wichtig für den Schutz bedrohter Tierarten ist zudem, dass Sie keinerlei Fotos mit Ortsangaben (oftmals versteckt in den technischen Daten von Digitalkameras) im Internet veröffentlichen. Zahlreiche Naturschutzparks bitten sogar darum, vor dem Betreten des Geländes die sogenannten Ortungsdienste in Telefon und Kamera abzustellen, damit keine Informationen zum Aufenthaltsort seltener Tiere an Wilderer geraten. 

Was ist vom sogenannten Armentourismus zu halten?

Ob Favelas in Rio, Townships in Südafrika oder Obdachlosenunterkünfte in der Schweiz – touristische Rundgänge durch die Lebensräume der Armen erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Nicht allen ist wohl dabei. Manche Reisende fühlen sich als Gaffer, manche Slumbewohner ausgenutzt und blossgestellt. Die Veranstalter machen geltend, sie möchten die Vorurteile der BesucherInnen gegenüber armen Menschen überwinden helfen. Unter welchen Umständen sind solche Besuche vertretbar oder sogar hilfreich, was gilt es zu vermeiden?

Unser Tipp: genau hinschauen!

Nicht zu empfehlen sind Rundfahrten oder -gänge, auf denen die dort wohnenden Menschen wie touristische Attraktionen besichtigt werden. Die Reisenden tauchen kurz in eine für sie "exotische" Lebensrealität ein und knipsen "authentische" Fotos, wollen aber nichts von den Betroffenen selber hören. Wer so reist, nimmt die Menschen weder wahr noch ernst. Arme sind nicht einfach ein Volk mit einer anderen Kultur. Ihre Armut hat eine Geschichte, hat politische, menschenrechtliche und andere Ursachen.

Es gibt jedoch Angebote, die Brücken schlagen zwischen den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, und den meist gesellschaftlich gut etablierten Reisenden. So erzählen obdachlose Tourguides bei "sozialen Stadtrundgängen" in Basel und Zürich, warum sie ihre Unterkunft verloren haben, wie sie ihr Leben bestreiten und wonach sie streben. Als Tourguides erhalten sie einen Lohn. Die Verdienstmöglichkeit, die Tagesstruktur und das Interesse an ihrer Lebenssituation schaffen Selbstvertrauen. Die TeilnehmerInnen solcher Rundgänge hören beeindruckende Geschichten und erfahren, wie klein der Schritt vom "normalen Leben" in die Armut sein kann. In Dharavi (Indien), das durch den Film "Slumdog Millionaire" berühmt geworden ist, hat der Veranstalter eine Organisation gegründet, die 80 Prozent des Gewinns aus ihren Rundgängen für die Verbesserung der Lebenssituation der SlumbewohnerInnen verwendet.

Folgende Merkmale zeichnen seriöse Touren aus:

  • Die Menschen, deren Lebensraum besichtigt wird, gestalten den Rundgang mit und profitieren davon als Tourguide, Auskunftsperson oder als Anbieter eines Snacks und/oder sie werden am Gewinn beteiligt.

  • Der Rundgang ist mit den Betroffenen im Besichtigungsgebiet genau abgesprochen. Das ist auch aus Sicherheitsgründen wichtig.

  • Die OrganisatorInnen und insbesondere die Tourguides kennen den Ort sehr gut, sind mit ihm verbunden und haben viele Kontakte. Eventuell kommen sie selber aus bescheidenen Verhältnissen und wissen, was gewisse Verhaltensweisen der Reisenden auslösen können. Mit ihren Kenntnissen über die Hintergründe der Armut vermögen sie Vorurteile auszuräumen. Die Tourguides sind ausgebildet und können mit unpassendem Verhalten oder Reaktionen von TeilnehmerInnen der Rundgänge umgehen.

  • Für die Tour gibt es klare Regeln, die mit den Kontaktpersonen oder den Autoritäten vor Ort abgesprochen sind. So kann z.B. Fotografieren, das Betreten von Gebäuden ohne Erlaubnis, Gaben an Bettler oder Trinkgeld nicht erlaubt sein. Die Gruppengrösse ist möglicherweise beschränkt und die BesucherInnen müssen sich an die Route halten. Eventuell dürfen sie nicht alle Personen befragen. Anklagende oder blossstellende Fragen sind selbstverständlich untersagt.

  • Es wird transparent ausgewiesen, was die Tour kostet und wer wie viel von den Einnahmen bekommt. Die Anstellungsbedingungen für die Tourguides und die Bezahlung von Auskunftspersonen und Dienstleistern vor Ort sind fair und klar geregelt. Einige Veranstalter gründen eigene Organisationen, die mit dem Gewinn Projekte realisieren, um die Lebenssituation der Armutsbetroffenen zu verbessern.

     

Wie gestalte ich Begegnungen im Gastland für alle Seiten angenehm?

Wie vermeide ich Fettnäpfchen?

Zuhause wissen wir, welche Begrüssung sich gehört, welche Kleidung angebracht ist und welche Gesprächsthemen oder Gesten tabu sind. Das gibt uns Sicherheit und das Wissen dazuzugehören. Stossen wir auf andere Verhaltensweisen, reagieren wir verunsichert und gestresst. Damit Sie Begegnungen auch während der Ferien im Ausland geniessen und Fettnäpfchen vermeiden können, sollten Sie die nachfolgenden Regeln beachten.

Informieren Sie sich über die Kultur, in die Sie sich hineinbegeben.

Die gröbsten Fettnäpfchen lassen sich vermeiden, wenn Sie sich vor jeder Reise über die wichtigsten "dos and don’ts" informieren: also was man tun, beziehungsweise unterlassen sollte. Wie müssen Sie sich kleiden? Wo dürfen Sie fotografieren, wo nicht? Welches sind die wichtigsten Umgangsformen und Sitten beim Essen? Wo gehört Feilschen zum guten Ton? Wie steht’s mit Trinkgeld? Welche paar Sätze oder Worte in der lokalen Sprache sind hilfreich? Lesen Sie einen qualitativ guten Reiseführer, der Ihnen nicht nur die Sitten und Gebräuche eines Landes erklärt, sondern auch deren Hintergründe: Warum dürfen in Asien die Fusssohlen nicht auf Menschen oder Statuen von Gottheiten zeigen? Wer darf wem wann die Hand geben und wo unterlässt man dies besser? Warum ist in Spanien Vorsicht angebracht, wenn Sie sich über die Franco-Zeiten unterhalten wollen?

Machen Sie sich Ihren eigenen kulturellen Hintergrund bewusst.

Gewisse Werte wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, religiöse Freiheit, Bewegungs- und Meinungsfreiheit und Menschenrechte sind vielen von uns wichtig. Es ist daher ratsam, sich schon vor der Reise zu überlegen, an welchen Werten wir im Gastland festhalten können und wollen und welche wir während der Ferien zurückstellen, damit wir offen sind für neue Erfahrungen und anderen nicht unsere Weltsicht aufdrängen. Das schützt vor dem Fettnäpfchen der Selbstgerechtigkeit.

Nicht selten werden aber eigene ethische und kulturelle Werte in den Ferien vergessen. Ferien sind eine Ausnahmesituation, eine Pause vom Alltag. Sie können zu einem Verhalten verleiten, das Sie sich in Ihrer Heimat nicht erlauben würden. Setzen Sie sich schon vorher Grenzen (bei sexuellen Abenteuern, Alkohol, Einkaufstouren). So vermeiden Sie, über die Stränge zu hauen und dies später zu bereuen. Bedenken Sie, dass Sie zwar aus Ihrem Alltag austreten, später aber mit gutem Gewissen wieder zurückkehren möchten. Beachten Sie auch, dass die Lokalbevölkerung keine Ferien hat und Sie in Ihrem Alltag wohl auch nicht übermässig durch Touristen gestört werden möchten.

Schlüpfen Sie in die Haut der anderen

Sie gehören zu den fünf bis acht Prozent der Privilegierten dieser Welt, die sich Auslandferien leisten und sich von neuen Eindrücken inspirieren lassen können. Zwischen Ihnen und den Reiseleitern, Taxifahrern, Zimmerfrauen und Souvenirverkäuferinnen, die sich eine solche Reise nicht leisten können, besteht daher ein Machtgefälle. Noch extremer ist der Unterschied zu denjenigen, die für den Bau touristischer Infrastrukturen von ihrem Land vertrieben wurden. Blenden Sie die Armut in Ihrem Reiseland nicht einfach aus, sondern lassen Sie sich beeindrucken. Vielleicht finden Sie im Land selbst oder nach Ihrer Rückkehr einen Weg, auf eine sinnvolle Weise zu helfen.
Reduzieren Sie aber das Land auch nicht auf seine Armut und Schönheit – versuchen Sie etwas von den (Über-)Lebensstrategien der Lokalbevölkerung mitzubekommen. So vermeiden Sie die Fettnäpfchen Hochmut und Gleichgültigkeit.

Seien Sie offen, aber nicht naiv: Informieren Sie sich!

Wir leben in einem relativ sicheren Land und sind es gewohnt, uns frei bewegen zu können. Daher fällt es uns nicht immer leicht, die Sicherheitsrisiken in einem Reisegebiet richtig einzuschätzen. Hilfreich sind weder blinde Offenheit noch Hysterie. Informieren Sie sich vor der Reise über die politische Situation in Ihrem Feriengebiet und lesen Sie die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), des deutschen Auswärtigen Amts oder des österreichischen Aussenministeriums. Fragen Sie vor Ort, wo Sie eventuell vorsichtig sein müssen und mischen Sie sich lieber nicht in Konfliktsituationen ein.   

Worauf muss ich beim Besuch von Heiligtümern achten?

In anderen Ländern nimmt die Religion oft eine wichtigere Rolle im Alltag ein als bei uns. Umso wichtiger ist es, sich als TouristIn beim Besuch von religiösen Einrichtungen angemessen zu verhalten und die Traditionen der einheimischen Bevölkerung zu achten.

Bedenken Sie, dass Sie sich an einem heiligen Ort befinden. Tragen Sie sittsame Kleidung und verhalten Sie sich dem Ort und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung entsprechend. Dies beinhaltet neben dem Bedecken von Schultern und Knien auch: Hut ab in der Kirche, Hut auf in Synagoge und Sikh-Tempel, Schuhe aus in Moschee und vielen Tempeln, respektvolle Ruhe überall. Frauen sollten nicht in nur Moscheen, sondern auch in den Ostkirchen ein Kopftuch tragen. Laute Diskussionen und Gelächter sowie mit dem Finger auf Dinge zu zeigen, kann als unangebracht empfunden werden. Erkundigen Sie sich, ob fotografieren erlaubt ist. Betende und oft auch Frauen sollten nicht ungefragt abgelichtet werden. Mancherorts sind die Eingänge zum Beispiel von Moscheen oder orthodoxen Synagogen für Frauen und Männer getrennt, in einigen Ländern und an bestimmten Heiligtümern gibt es geschlechtsspezifische und religiöse Zutrittsbeschränkungen. Während religiöser Riten ist besondere Rücksicht geboten. Ist der Zutritt für TouristInnen zur Gebetszeit nicht erlaubt, gilt dies zu respektieren.

Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach den jeweiligen Regeln vor Ort. Niemand erwartet, dass Sie als Besucher alle Regeln perfekt beherrschen, aber achten Sie darauf, dass Sie nicht stören.

Es kann sein, dass eine oder sogar mehrere Spenden, die verschiedene Bedeutungen haben, als Pflicht angesehen werden. Auch kann es üblich sein, Bettlern rund um das Heiligtum etwas Geld zu geben. Auch hier sollten Sie sich vor Ort informieren, was als angemessen gilt. 

Die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen erfordert Toleranz und Rücksicht. Bedenken Sie, dass religiöse Gebäude kein Konsumgut, sondern heilige Stätten sind. Wenn Sie sich über die genauen Vorschriften im bereisten Land und deren Begründungen informieren, fördert dies das Verständnis für die andere Kultur. Ein guter Reiseführer gibt einen Einblick in die andere Kultur und die jeweiligen Praktiken.

Menschenrechte

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Was gehen uns als Reisende die Menschenrechte an?

Eine der grössten Errungenschaften der Neuzeit sind die Menschenrechte. Sie sind dazu da, die Würde des Menschen gegen Willkür von Staat und Unternehmen zu schützen, sie gelten für jede Person von Geburt an unabhängig von ihrer Herkunft.

Zu den Menschenrechten gehört etwa das Recht, sich innerhalb seines Landes frei zu bewegen, sich niederzulassen und aus einem anderen Land zurückzukehren. Auch der Schutz vor Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Alter, Gesundheitszustand und weiterem ist Teil der Menschenrechte.

Doch auch faire und gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen sowie der Schutz von Mutterschaft und Familie sind hierin verbrieft, ebenso wie das Recht auf Wasser, auf eine gesunde Umwelt und auf eine selbstbestimmte Entwicklung.  

Zum Beispiel:

Wenn in Südafrika ein Hotel seinen Angestellten ein Stück Land für den Anbau ihres Gemüses zur Verfügung stellt, sie weiterbildet, um ihnen eine Karriere zu ermöglichen und für sie und ihre Familien einen Gesundheitsdienst und eine Schule zur Verfügung stellt, engagiert es sich damit für die Menschenrechte.

Wenn aber auf Bali die Hotels und Golfplätze so viel Wasser verbrauchen, dass den Reisbauern für die Bewässerung nichts übrigbleibt, verletzt die Tourismusbranche Menschenrechte. Ebenso wenn in gewissen Destinationen in Mexiko der Kindersextourismus angeheizt wird. Desgleichen werden Menschenrechte missachtet, wenn in Hotels, Wäschereien, Agenturen für Porter und Guides sowie anderen touristischen Unternehmen die Angestellten unwürdig behandelt und mies entlöhnt werden.

Auch die Menschenrechte der UrlauberInnen werden im Tourismus manchmal verletzt: Fälle von sexuellen Übergriffen auf reisende Frauen und Kinder häufen sich, immer wieder gibt es Berichte von Menschen mit Behinderung, denen der Transport verweigert wird.  

Was tun?

Hauptverantwortlich für die Gewährung und Einhaltung der Menschenrechte sind die Regierungen. Unternehmen und jede einzelne Person müssen die Menschenrechte jedoch ebenso respektieren und Verantwortung übernehmen, wenn durch ihre Handlungen Menschenrechte verletzt wurden. Wenn Reiseveranstalter Destinationen in Ländern mit Menschenrechtsverletzungen anbieten, müssen sie besonders Sorge tragen, dass sie sich nicht zu Komplizen machen und selber Menschenrechte verletzen, weil die betreffende Regierung die Bürger des Landes zu wenig schützt. Diese Sorgfaltspflicht wurde 2011 vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen definiert.

Tragen Sie als Reisende dazu bei, die Menschenrechte der Einheimischen im Gastland zu schützen: 

  • Interessieren Sie sich dafür, wie es um die Menschenrechte in der Reisedestination und im Tourismus steht.
  • Wählen Sie Reiseveranstalter und Hotels, welche sich für Menschenrechte engagieren und wagen Sie es auch kritische Fragen zu stellen: Wer hat auf dem Land gewohnt, auf dem jetzt das Hotel steht? Haben die Fischer noch Zugang zum Meer? Wie verhindert das Hotel, dass Kinder auf den Zimmern missbraucht werden?
  • Schützen Sie selbst die Menschenrechte auf Reisen, indem Sie die Würde der Lokalbevölkerung der Angestellten im Hotel und unterwegs achten, niemanden ausbeuten oder durch unangemessenes Gaffen oder Fotografieren beschämen. Verzichten Sie auf Waisenhaus- und Schulbesuche.
  • Melden Sie Menschenrechtsverletzungen, die Sie im Zusammenhang mit dem Hotel oder sonstigen touristischen Einrichtungen wahrnehmen. Mischen Sie sich aber sonst nicht in die Belange des Landes ein.

Wie kann ich helfen, wenn ich Zeuge von Kindersextourismus werde?

Rund zwei Millionen Kinder sind jährlich weltweit von kommerzieller sexueller Ausbeutung betroffen. Sex mit Minderjährigen ist nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt ein Verbrechen. Mädchen und Buben erleiden dadurch schwerwiegende gesundheitliche, psychische und soziale Schäden, an denen sie ihr Leben lang leiden. Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen durch Prostitution, Pornografie und Kinderhandel heisst, die Menschenwürde von Kindern mit Füssen zu treten.

Trotz Gesetzen, die sich dem Schutz der Kinder verpflichten, bleiben viele sexuelle Übergriffe an Minderjährigen in Feriendestinationen ungeahndet. Die Anonymität im fernen Land, mangelnde soziale Kontrolle und der kurze Aufenthalt am Ort des Verbrechens schützen die Täter und gefährden gleichzeitig die Kinder.

Hinschauen statt wegsehen

Kindersextourismus ist nicht unsichtbar. Oft findet er in aller Öffentlichkeit, in Hotels, Bars oder am Strand statt, aber niemand kümmert sich darum. Wenn Sie Zeugin oder Zeuge eines solchen Übergriffs werden, sammeln Sie all ihre Zivilcourage zusammen und schauen Sie hin und nicht weg. Sie können dazu beitragen, dass die Kinder und ihre sexuelle Integrität in Zukunft besser geschützt werden.

Melden Sie Verdachtsmomente Ihrer Reiseleitung, dem Hotelmanagement, der Touristenpolizei, der Schweizer Vertretung vor Ort oder einer lokalen Kinderschutzorganisation. Auch eine entsprechende Meldestelle in Ihrem Heimatland geht einer solchen Meldung nach. Vielleicht haben Sie beobachtet, dass ein Tourist abends mit einem einheimischen Kind im Zimmer verschwunden ist oder in einer Bar nur mit lokalen Minderjährigen verkehrt.

Wenn es Hinweise dafür gibt, dass es sich beim mutmasslichen Täter um eine in der Schweiz, in Deutschland oder in Österreich wohnhafte Person handelt, sind Ihre Beobachtungen auch für die Behörden dieser Länder sehr wichtig. Die zuständigen Behörden werden dann die erforderlichen Massnahmen einleiten. Die drei Länder Deutschland, Österreich und Schweiz schlossen sich im Jahr 2010 für eine länderübergreifende, koordinierte und visuell abgestimmte Kampagne im deutschsprachigen Raum zusammen. In dieser Kampagne engagieren sich Politik, Reisebranche und Zivilgesellschaft gemeinsam. Kooperationspartner sind neben den jeweiligen Familien-, Justiz und Wirtschaftsministerien aus den drei Ländern Nichtregierungsorganisationen sowie die Tourismusunternehmen, vertreten durch die nationalen Reiseverbände sowie grössere Branchenvertreter. Ein wesentliches Element der Kampagne ist der Filmspot "Witness / Zeugen" oder in Deutschland/Österreich "Kleine Seelen", an dessen Ende die Adresse eingeblendet wird, wo Reisende Verdachtsfälle melden können. 

Informieren Sie sich, bevor Sie Ihre Reise buchen und fragen Sie beim Anbieter nach, ob und inwiefern er sich für den Schutz von Kindern im Tourismus stark macht. Damit zeigen Sie, dass Ihnen ein derartiges Engagement wichtig ist und Sie verantwortungsvoll reisen wollen. Als Kundin oder Kunde bestimmen Sie über Angebot und Nachfrage.

Voluntourismus, Projektreisen

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Was beim Besuch von Entwicklungs- und Umweltschutzprojekten beachten?

Projektbesuche werden immer beliebter. Reisende besuchen dabei persönlich die Partner gemeinnütziger Projekte oder die Produzenten für Fair-Trade-Labels. Sie erhalten Einblick in eine Rosenfarm oder eine Bananen-Kooperative, deren Produkte sie vom heimischen Label für Fairen Handel aus dem Detailhandel kennen. Im Regenwald, bei der Beobachtung von Walen oder im Schildkrötenzuchtgebiet lässt sich hautnah miterleben, wie Umweltfachleute bedrohte Tiere und Pflanzen schützen. Wer mit eigenen Augen sieht, wie Kinder in Waisenhäusern betreut oder Schulen gebaut werden, kann die Arbeit karitativer Einrichtungen besser nachvollziehen. Entwicklungs- und Umweltorganisationen bieten solche Besuche an, weil sie den Reisenden neue Einsichten vermitteln und zur Sensibilisierung für die Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit und des Umweltschutzes beitragen können.

Was bedeuten die Projektbesuche für die GastgeberInnen?

Die Mitarbeitenden vieler Entwicklungsprojekte freuen sich über die Besuche und das Interesse aus dem Ausland. Andere dagegen fühlen sich in ihrer Alltagsarbeit gestört und haben keine Zeit, die Gäste zu betreuen. Manchmal werden sie im Vorfeld ungenügend über den kommenden Besuch informiert oder die Erwartungen der Reiseveranstalter und Geldgeber bezüglich Leistung und Abgeltung sind zu wenig transparent. Auch die Motive der Besucherinnen und Besucher sind nicht immer klar. Zuweilen geht es ihnen auch um Kontrolle: Sie wollen wissen, was mit ihren Spendengeldern geschieht. So verständlich das Bedürfnis ist, so wenig ist es sinnvoll: Diese Kontrolle sollte man besser anerkannten und qualifizierten Überprüfungsstellen überlassen.

Projektbesuche als Wegbereiter für Tourismus

Gewisse Vorzeige-Entwicklungsprojekte verzeichnen einen solchen Andrang von BesucherInnen, dass sie sich extra mit Unterkünften und anderen Infrastrukturausbauten einrichten müssen. Einerseits bieten die Besuche also eine Chance für neue Einnahmequellen durch den Tourismus. Andererseits besteht das Risiko, dass lediglich mehr Belastung für die GastgeberInnen entsteht und falsche Hoffnungen geschürt werden. Denn wo bisher weder die nötige Infrastruktur existiert, noch das Personal entsprechend ausgebildet ist, fällt es Projektmitarbeitenden schwer, Gäste adäquat zu betreuen und weitere Einnahmequellen wie den Verkauf von Souvenirs zu erschliessen. Und für den Aufbau von Infrastruktur und Ausbildung braucht es Zeit und Geld.

Nachhaltigkeitsregeln nicht vergessen

Die Reise selbst wird auch nicht einfach dadurch sozialverträglich – und schon gar nicht umweltgerecht –, dass Entwicklungs- oder Umweltprojekte besucht werden. Der Besuch darf nicht zum Feigenblatt für ungehemmte Reiselust werden. Um den Besuch zu einem bereichernden Erlebnis für Sie und Ihre GastgeberInnen zu machen, beachten Sie folgende Nachhaltigkeitsregeln:

  • Fragen Sie vorher nach, ob die GastgeberInnen über den Besuch informiert wurden und damit einverstanden sind.
  • Informieren Sie sich, ob und wie die Führungen abgegolten werden. Wird die benötigte Arbeitszeit angerechnet? Werden die Kosten für Verpflegung und Unterbringung der Gäste bezahlt?
  • Klären Sie die Motive und Erwartungen der Reiseveranstalter – und Ihre eigenen. Soll der Besuch informieren, Kontakte schaffen oder Spenden generieren? Treibt Sie die Neugier, Offenheit, Engagement oder Abenteuerlust? Je bewusster Sie die Reise antreten, desto mehr haben Sie davon.
  • Wie bei allen Reisen ist zu prüfen, nach welchen Umwelt- und Sozialkriterien sie gestaltet sind, ob der Veranstalter den CO2-Ausstoss des Fluges mit einem anerkannten Anbieter wie myclimate oder atmosfair kompensiert und ob er die elementarsten Anforderungen für Corporate Social Responsibility (CSR) einhält.

Welche Voluntourismus-Angebote sind seriös?

Immer mehr Reisende möchten während ihrer Ferien Gutes tun. Wo früher Entwicklungs- oder Hilfsorganisationen, Naturschutzverbände oder Missionswerke selbst gezielt Freiwillige für Einsätze in ihren Projekten warben, konkurrieren sie heute immer öfter mit Reiseveranstaltern und gewerbsmässigen Vermittlungsagenturen um die Hilfswilligen. Entsprechend boomen die Angebote des "Voluntourism" – dem neuen Markt für Freiwilligen-Einsätze. Im Vordergrund steht dabei jedoch häufig das Geschäft und weniger die Arbeit, um die es in den Projekten geht.

Das birgt verschiedene Gefahren: Oft fehlt es an einem gleichberechtigten Austausch mit der gastgebenden Bevölkerung darüber, was wirklich gebraucht wird und wer wie lange für welchen Zweck kommen darf. Gleichzeitig werden die sogenannten Voluntouristen nicht mehr so genau geprüft: Schliesslich sind sie ja die Kunden. Schlimmstenfalls werden so Pädokriminelle in Kinderheime vermittelt oder schlecht vorbereitete und unerfahrene Freiwillige in gefährliche oder gar traumatisierende Situationen gebracht. Viele derart vermittelte Einsätze nutzen daher weder den Freiwilligen noch dem Projekt.

Den solche Freiwilligen-Einsätze sind ja nicht einfach Ferien: Da sollen sich etwa plötzlich unerfahrene Teenager aus dem Norden in komplexen, schwierigen Situationen in Entwicklungsländern bewähren, oft genug ohne entsprechende Vorbereitung. Motivierte Freiwillige stellen sich etwa Arbeit mit Kindern vor, während vor Ort aber Hilfe in der Küche benötigt wird. Umgekehrt hoffen die Partner auf erfahrene Allrounder, die jedes Problem anpacken und lösen, stossen aber auf Schulabgänger, die vielleicht noch nie gearbeitet haben. Beide Seiten unterschätzen zuweilen die für den Einsatz benötigten Kenntnisse und Qualifizierungen. Probleme entstehen zudem, wenn die Freiwilligen den Einheimischen Arbeitsplätze wegschnappen oder zumindest der Eindruck entsteht.

Das muss nicht sein. Natürlich gibt es auch gute Angebote, seriösen Vermittler und Reiseveranstalter. Wer das richtige Angebot finden will, muss kritisch sein und die richtigen Fragen stellen – zunächst an sich selbst:

Was kann und will ich für einen Einsatz leisten?
Wie soll das Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeitseinsatz aussehen?
Wo möchte ich den Einsatz leisten?

Danach geht es an die Prüfung der Angebote und Veranstalter. Eine gute Vorlage bietet dazu die tourismuskritische Nichtregierungsorganisation Tourism Concern aus London mit ihren acht Qualitätsgrundsätzen:

  1. Ziel:  Die gastgebenden Partner oder Einsatz-Gemeinden definieren erreichbare Ziele für den Einsatz.
  2. Marketing: Werbung und Bildmaterial des Anbieters ensprechen anerkannten guten Praktiken
  3. Auswahl: Faires, konsistentes und transparentes Auswahlverfahren
  4. Information vor dem Einsatz: Klare, akkurate Informationen über die aussendende Organisation und deren Partner, Programme und Einsatzorte.
  5. Einsatzvorbereitung: Angemessene Vorbereitung, Ausbildung und Einführung
  6. Unterstützung des/der Freiwilligen: Dem Einsatzort und dem/der Freiwilligen angepasste Unterstützung während des ganzen Einsatzes.
  7. Risk Management: Absicherung des persönlichen Schutzes, der Gesundheit und Sicherheit der Freiwilligen und der Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten.
  8. Monitoring und Evaluation: Laufende Überprüfung des Projektes, der Ergebnisse und der Gemeinnützigkeit.

Grundsätzlich gilt auch hier: Verträgliches Reisen bedeutet auch, die Umwelt zu schonen und in erster Linie das Wohl der gastgebenden Bevölkerung im Auge zu haben. Fragen sie beim Reiseveranstalter nach und holen Sie sich die Tipps dazu auf fairunterwegs.org.

All-Inclusive, Billigreisen

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Lohnt sich die Schnäppchenjagd bei Urlaubsangeboten?

Sie haben ein super attraktives Ferienangebot in letzter Minute an Land gezogen. Nun freuen Sie sich, auch weil Ihr Sitznachbar im Flugzeug für dasselbe Angebot vielleicht erheblich mehr hinblättern musste. Denn wer bis zum letzten Moment wartet, kann saftig profitieren.  

Aufgepasst! Dies git nicht unbedingt: Schnäppchenjäger kommen unter Umständen besser weg, wenn sie zeitig buchen und dabei von den Frühbucher-Rabatten der Reiseveranstalter profitieren. Last-Minute-Angebote können zudem Preisfallen sein, in denen viele Kosten nicht ordentlich ausgewiesen sind, die Sie unterwegs noch zusätzlich berappen müssen. In jedem Fall haben die Natur und die Menschen im Gastland das Nachsehen bei Ihren Billigferien - für sie bleibt nichts übrig.  

Dass in letzter Minute, kurz vor der Abreise, Reiseangebote verbilligt auf den Markt geworfen werden, hat mit der Funktionsweise des Tourismus zu tun: Viele Reiseanbieter planen sehr optimistisch. Was nicht verkauft wird – ein Sitz im Flugzeug oder ein Bett in einem Hotel – schlägt jedoch negativ zu Buche. Also verkaufen die Reiseanbieter ihre Plätze lieber unter Preis, als gar nicht. Oft stehen dabei auch Hoteliers unter Druck von Seiten der Reiseveranstalter, die gerade in Krisenzeiten mit den Anbietern in den Destinationen hart um die Preisnachlässe verhandeln.

Schnäppchen auf Kosten von Umweltschutz und fairen Arbeitsbedingungen

Last-Minute-Angebote mögen kurzfristig Sinn machen und die Schnäppchenjäger freuen. Langfristig unterlaufen sie jedoch die Nachhaltigkeit, schliesslich werden Betten oder auch Flugsitze weit unter ihrem Gestehungspreis verschleudert. Da bleibt den Anbietern am Urlaubsort kein Geld mehr für dringend notwendige Massnahmen zur Erhaltung der Umwelt, wie Energiesparmassnahmen, Abfallbewirtschaftung oder für den Anschluss von Hotels an Kläranlagen, geschweige denn Mittel, um den Angestellten faire Arbeitsbedingungen zu gewähren.

Aber auch die Reiseveranstalter schneiden sich oft ins eigene Fleisch, schmilzt doch letztlich auch ihre Gewinnmarge. Ihnen fehlen später die Gelder, die sie für die zeitgemässe, verantwortliche und faire Ausgestaltung Ihrer Reise aufwenden sollten. Einige Tour-Operators haben deshalb auch Frühbucherrabatte eingeführt, damit sie besser planen können und nicht in letzter Minute mit Anbietern vor Ort die Preise herunterfeilschen müssen.

Sicher ist, dass Billigangebote im Tourismus, insbesondere die Last-Minute-Schnäppchen, nur sehr beschränkte Serviceleistungen beinhalten. Oft genug führen sie zu Enttäuschungen und Reklamationen, wie der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche bestätigt.

Fragen Sie deshalb beim Buchen von Schnäppchen und Billigangeboten immer nach, welche Leistungen Sie effektiv für diesen Preis erhalten. Fragen Sie dann gleich auch, welchen Anteil die GastgeberInnen eigentlich daran verdienen.

Was ist falsch an billigen All-inclusive- und Pauschalangeboten?

Für eine Woche Badeferien in Ägypten knapp 500 Franken inklusive Flug und Vollpension? Inklusive Kaffee, Tee und Kuchen zur Vesper, ausgewählte alkoholische und alkoholfreie Getränke am Abend, Sport und Wellness, Kinderbetreuung und Unterhaltungsprogramm? Gerade Leute, die nicht viel verdienen, sind froh, wenn sie mit einem Pauschalbetrag die Kosten für die Ferien im Griff haben. Und viele sind froh, wenn ihnen die gesamte Urlaubsorganisation vom Reiseanbieter abgenommen wird. Doch die Rechnung geht nicht auf:

  • Für die Reisenden geht die Rechnung nicht auf, wenn der Veranstalter so knapp kalkuliert, dass die Resortbetreiber überall sparen müssen: Dies kann verdreckte Hotelzimmer, ungeniessbares Essen und unerwartete Nebenkosten zur Folge haben. Unterbezahlte Angestellte schalten bei Klagen auf Durchzug. Zudem: Ein All-inclusive-Resort ist eine abgeschottete Welt, so dass die Gäste ihr Reiseland kaum kennenlernen. Für die gebotene Folklore kostümieren sich bezahlte ArtistInnen, bei deren Shows der Spass- und Exotikfaktor wichtiger ist als die kulturelle Echtheit. Das Gastland wird auf ein paar Klischees reduziert, was existierende Vorurteile bei den Gästen eher verstärkt als abbaut.

  • Für die Angestellten, denn sie sollen möglichst wenig kosten: Von guten Löhnen, Festanstellungsverträgen mit Sozialleistungen, Aufstiegsmöglichkeiten und bezahlten Weiterbildungen können sie in der Regel nur träumen. Die Realität besteht allzu oft aus Stundenverträgen, einer Anhäufung unbezahlter Überstunden, null Sicherheit und Löhnen, die zu nichts hinreichen. Dabei sollen sie noch dauerlächeln und gut drauf sein bis spät in die Nacht.

  • Die lokalen Unternehmen werden nicht eingerechnet: In den meisten Destinationen beginnt der Tourismus mit Gasthäusern, Strandbars, Kiosken und Souvenirständen, Strassenhändlern mit Bauchladen. All-inclusive-Resorts ziehen jedoch den Grossteil des Gästeaufkommens ab und trocknen so das Geschäft der Kleinbetriebe aus. Denn weshalb sollen die All-inclusive-Gäste dort noch Geld ausgeben? Sie haben ja schon für alles bezahlt.

  • Die Lokalbevölkerung hat sowieso nichts zu melden: Eigentlich erhofft sie sich Jobs, Einkommen und gute neue Infrastruktur. Doch von den teuren Infrastrukturprojekten wie Flughäfen und Zufahrtsstrassen, Wasserpumpen und Stromleitungen, die mit ihren Steuergeldern erstellt werden, profitiert sie oft wenig. Manchmal leiden die AnwohnerInnen sogar unter häufigeren Wasser- oder Stromausfällen, weil zuviel zum Resort und zu wenig zu den Normalverbrauchern geleitet wird. Für die Jobs rekrutieren die Resorts häufig Leute aus anderen Regionen oder gar anderen Ländern. All-inclusive-Resorts, die sich nicht bewusst für Lokalprodukte entscheiden, importieren Baumaterialien, Einrichtungsgegenstände und Nahrungsmittel von irgendwoher. Ihre Gewinne werden nicht in neue Betriebe im Land investiert, sondern werden in der Regel vom Unternehmen zum überwiegenden Teil ausser Landes gebracht.

  • Auch die Natur hat das Nachsehen: An und für sich dürften All-inclusive-Resorts pro Gast und Übernachtung der Umwelt nicht mehr schaden als jede andere Unterbringung. Doch in der Regel stecken hinter solchen Resorts Investoren mit viel Geld, das sie in üppige Anlagen investieren, die hohe Profite erzielen sollen: Je mehr Pools, Grünflächen, Golfplätze und umbebaggerte und planierte Strände, desto besser verkauft sich das Resort, je tiefer die Unterhaltskosten gedrückt werden, desto mehr Profit und desto schlechter für die Natur. Laute Parties stressen Vögel und Meeresschildkröten. Die Chemikalien für Pools und Golfplätze, das Abwasser und die Abfälle landen häufig in der Natur, statt fachgerecht entsorgt zu werden. Das All-inclusive-Setting lädt verleitet Gäste dazu mehr zu konsumieren, als sie dies im normalen Hotel tun würden. Das kostet den Wirt nicht viel, aber verbraucht noch mehr Ressourcen und generiert Abfallberge.

Und wenn Sie trotzdem all-inclusive reisen wollen?

  • Es gibt All-inclusive-Resorts, die sich für einen besseren Sozial- und Umweltausweis engagieren. Fragen sie kritisch nach und buchen Sie ein Resort, das eine entsprechende Unternehmensverantwortung transparent ausweist.

  • Wählen Sie ein Angebot, das bietet, was Sie brauchen, und nicht mehr.

  • Achten Sie beim Buchen auch auf eine möglichst nachhaltig gestaltete Anreise und kaufen Sie für notwendige Flüge ein CO2-Kompensationsticket.

  • Unternehmen Sie am Urlaubsort selbst Ausflüge und gönnen Sie sich mal ein Mittag- oder Abendessen in einem lokalen Restaurant.

  • Erkundigen Sie sich nach den Regeln für das Trinkgeld und gönnen Sie den Angestellten auch was.

  • Dokumentieren Sie, wenn das Angebot nicht der Ausschreibung entspricht, und reklamieren Sie sofort.

Klima & Umwelt

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Warum keine Plastiksäcke auf Reisen?

Wieso denn das?

Plastikmüll, der die Strände und die Unterwasserwelt verschandelt – das wünscht sich kein Feriengast. Auch die Regierungen verschiedener Länder haben genug von solchen Müllhalden. Bangladesh, China, Ruanda und Sansibar haben den Verkauf oder die Abgabe von Plastiktüten im Einzelhandel bereits verboten, Irland hat sie mit einer Steuer belegt, weitere Länder und Orte – darunter der Kanton Jura in der Schweiz – sind dabei, ähnliche Gesetze zu entwerfen.

Zwar verpacken solche Tüten unsere Einkäufe geschmacksneutral, wasser- und luftdicht, aber nach durchschnittlich nur 10 bis 25 Minuten Nutzungszeit landen sie im Schrank oder gleich im Müll. Oder noch schlimmer: irgendwo in der Natur, wo sie für ihre Zersetzung 400-1000 Jahre benötigen, den Boden mit Schadstoffen anreichern und nicht nur Picknickplätze verunstalten.

In der Schweiz ist die wilde Entsorgung von Abfällen zum Glück die Ausnahme: 51 Prozent der Siedlungsabfälle werden rezykliert, der Rest wird in Kehrichtverbrennungsanlagen zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt. Doch weltweit landet ein Grossteil der vier bis fünf Billiarden Plastiksäcke, die gemäss Worldwatch jährlich produziert werden, in der Umwelt. Dort bleiben sie eine Weile liegen, verstopfen Kanäle und verschandeln Landschaften – bis sie irgendwann in den Ozeanen landen. Schon heute kreisen dort in langsamen Strudeln Millionen Tonnen Zivilisationsmüll, der allmählich zu feinsten Partikeln zermahlen auf den Boden des Ozeans sinkt, wo er alles Leben unter sich begräbt.

Problematisch sind auch Kunststoffbehälter für Getränke und anderes: Zum einen gehen sie häufig den gleichen Weg wie die Plastiktüten und landen ebenfalls in den Ozean-Strudeln. Zum andern geben viele Kunststoffe – besonders unter Wärmeeinfluss – hormonähnliche Stoffe ab. Diese beeinflussen die sexuelle sowie neurologische Entwicklung von Lebewesen und können so ihre Fruchtbarkeit schädigen.

Was Sie tun können:    

•    Ziehen Sie Produkte vor, die nach ihrer Verwendung abgebaut oder wiederverwendet werden können. Batterien (giftige Schwermetalle), Plastikflaschen oder Alu-Dosen sollten vermieden werden.

•    Packen Sie Ihren Einkauf in eine mitgebrachte Einkaufstasche um und lassen Sie die angebotenen Plastiktüten liegen.

•    Achten Sie auch bei der Zusammenstellung von Reiseutensilien und Proviantbehältern auf wiederverwendbare Verpackungen.

•    Nehmen Sie am Strand und überall in der freien Natur Ihren Abfall wieder mit und beseitigen Sie ihn nach Möglichkeit dort, wo eine sachgerechte Entsorgung gewährleistet ist (z.B. in gekennzeichneten Abfalleimern im Hotel).

•    Nehmen Sie Abfall notfalls auch mit nach Hause, wo eine entsprechende Entsorgung gewährleistet ist.

•    Sprechen Sie Ihren Reiseveranstalter bei der Auswahl der Hotels und der Fluglinien auf das Thema Abfall an. Beanstanden Sie im Hotel kleine Portionsverpackungen und Einwegdosen.

•    Nehmen Sie für Getränke dauerhaft wieder verwendbare Leichtmetallflaschen mit. Viele Hotels geben gefiltertes und abgekochtes Wasser kostenlos ab.

•    Kaufen Sie am Urlaubsort nach Möglichkeit frische Ware aus der Region. Importierte Produkte hinterlassen mehr Abfall und ihr Transport belastet die Umwelt zusätzlich.

Was sagen Ökobilanzen von Reisen und Ferienangeboten aus?

Ökobilanzen bewerten die Umweltbelastung eines Produkts, Prozesses oder einer Aktivität und schaffen so Vergleichswerte. Leider wird die Anwendbarkeit und der Vergleich der Daten dadurch erschwert, dass es bisher keine international vereinheitlichte Berechnungs- und Bewertungsmethode gibt.

Transportenergiebilanz und ökologischer Fussabdruck

Sinnvolle Ökobilanzen erlauben klare Aussagen. So kann zum Beispiel der CO2-Ausstoss pro Person und Weg zweier Transportmittel (z.B. Zug oder Flug von Zürich nach Paris) verglichen werden. Diese Ökobilanz nennt sich Transportenergiebilanz und ist eine nützliche Entscheidungshilfe für Reisende, die zwischen mehr oder weniger umweltschädigenden Transportmitteln wählen wollen. Sinnvoll sind auch Ökobilanzen einzelner Unterkünfte. Diese können ihre Umweltwirkung zum Beispiel als ökologischen Fussabdruck darstellen. Damit weisen sie gegenüber den Reisenden aus, wie viel Erdfläche nötig wäre, um die Leistungen des Hotels zu erbringen. Je kleiner der Fussabdruck, desto umweltfreundlicher ist die Unterkunft.

Unsinnige Ökobilanzvergleiche: Badeferien in Yucatan oder Skiferien in St. Moritz?

Ökobilanzen von ganzen Reisen sind jedoch unsinnig. Denn bei der Berechnung werden die Grundregeln zum Erstellen aussagekräftiger Ökobilanzen verletzt. Hierzu gehören eine klare Eingrenzung dessen, was geprüft wird, und der Grundsatz, dass Gleiches mit Gleichem verglichen werden sollte. Beim Vergleich etwa einer Kreuzfahrt mit einer Flugreise in die Karibik werden diese Grenzen überstrapaziert. Im Gegensatz zur Flugreise ist beispielsweise bei der Kreuzfahrt die Unterkunft schon dabei. Eine Kreuzfahrt kann für die Umwelt sehr unterschiedliche Belastungen aufweisen, je nachdem welches Schiffsmodell zum Einsatz kommt, was den Gästen auf dem Schiff geboten wird, was mit Wasser und Abfall geschieht, wie oft das Schiff anlegt usw. Vollends unsinnig werden Ökobilanzvergleiche bei ganzen Ferienpaketen. Da wird die Ökobilanz zu einem Mischwert von Hunderten von Durchschnittswerten, womit jegliche Aussagekraft und Glaubwürdigkeit verloren geht.

Immer genau nachfragen

Während also Transportenergiebilanzen und Fussabdrücke gute Entscheidungshilfen bei der Wahl des Transportmittels und der Unterkunft bieten, muss, wer fair unterwegs sein will, immer noch genauer nachfragen. Was sind die Kosten und was ist der Nutzen für die lokale Bevölkerung? Wo wurden für touristische Infrastruktur natürliche Ressourcen unwiederbringlich zerstört? Sind die Ernährungssicherheit und die Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung gewährleistet? Oder wurden Menschen von ihrem Land vertrieben und zur Abwanderung in Slums gedrängt, um den TouristInnen Ferien zu ermöglichen?

Was stimmt nicht am Traumurlaub Kreuzfahrt?

Kreuzfahrten - Traumschiff oder Alptraum?

Kein Tourismuszweig wächst seit Jahren so konstant wie die Kreuzfahrtbranche. Der internationale Kreuzfahrverband CLIA (Cruie Line International Assiciation) rechnet mit 23 Millionen Passagieren für 2015 – 1970 waren es gerade mal eine halbe Million. Allein 2014 hat die Branche 117 Milliarden US-Dollar Umsatz verzeichnet. Laut Naturschutzbund Deutschland besteht die globale Kreuzfahrtschiffflotte aus etwa 560 Schiffen. Bis 2019 sollen weitere 35 hinzukommen. Besonders grosse Kreuzfahrtdampfer wie z.B. die Oasis of the Sea sind heute schwimmende Hotels oder gar Kleinstädte, die über 6'000 Passagiere beherbergen können. Die Schiffe sind bestens ausgerüstet mit Wellness-, Schwimm- und Sportbereichen, zahlreichen Restaurants und Unterhaltungsstätten wie Kino, Theater, Ball- und Kasinosälen, Eislauf- und Golfplätzen, Fahrstühlen, Klimaanlagen sowie der dazu notwendigen Energieversorgung.

Ein Albtraum für die Natur

Für die Umwelt ist der Kreuzfahrttourismus aus verschiedenen Gründen problematisch. So ist der CO2-Fussabdruck (d.h. die Treibhausgasemissionen) eines typischen Kreuzfahrtschiffes pro Passagierkilometer mehr als drei Mal so gross wie der eines Fluges mit einer Boeing 747. Hinzu kommen die Abgase der Müllverbrennungsanlagen, die Abwässer sowie feste Abfallstoffe, Klärschlamm und mit Öl vermischtes Wasser: Als "Kleinstädte" verursachen Kreuzfahrtschiffe riesige Mengen an Schadstoffen. Ein grosser Teil davon wird im Ozean entsorgt oder in die Luft geblasen, mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und die Gesundheit unserer Ozeane.

Ausbeutung auf See

Rund siebzig Prozent aller Beschäftigten auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten im schlecht bezahlten Hotel- und Restaurantbereich. Die Verträge sind meist auf vier bis sechs Monate befristet. Die Angestellten arbeiten sieben Tage pro Woche mit nur kurzen Ruhezeiten. Wie aufreibend das ist, ahnen die wenigsten bei ihrer Anstellung. Die Arbeit beginnt meist morgens um halb sieben, und je nachdem ob Abendveranstaltungen auf dem Programm stehen, kann der Arbeitstag gut bis zwei oder drei Uhr nachts dauern. Am nächsten Tag geht es von vorn los. Überstunden werden normalerweise nicht abgegolten. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Kulturkreisen teilen sich engste Kabinen ohne Privatsphäre. Das monatliche Grundgehalt beläuft sich meist auf wenige hundert US-Dollar. Trinkgelder machen teilweise bis zu drei Viertel des Lohnes aus, doch diese gibt es sowieso nur in gewissen Bereichen des Restaurants, wo die besten Plätze von mafiösen Gangs kontrolliert werden. Sobald die Beschäftigten den Mannschaftsbereich verlassen, sind sie im Dienst, müssen immer lächeln und sich um das Wohl der Passagiere kümmern, die sie mit Fragen und Wünschen überhäufen. Chronischer Schlafmangel oder Depressionen werden im Alkohol ertränkt, der von manchen Reedereien bewusst grosszügig ausgeschenkt wird.

Fragen Sie nach!

Es braucht dringend politische Regulierungen der Internationalen Maritime Organisation IMO, um die Schadstoffemissionen zu begrenzen und die nötigen Anreize zu schaffen, damit die Reedereien die technischen Möglichkeiten nutzen und ihre Ökobilanz verbessern. Als Reisende können Sie den Druck erhöhen, indem Sie nachfragen. Wird Ihr Kreuzschiff mit hochwertigem Kraftstoff betrieben und sind Russpartikelfilter installiert? Wie werden Abfall und Abwasser entsorgt? Wie sind die Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden und wie sind sie untergebracht?

Wie gehe ich unterwegs sparsam mit Wasser und Strom um?

Besonders in den Ländern des Südens ist Wassermangel ein gravierendes Problem. 1,2 Milliarden Menschen in über 50 Ländern leben ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Der Tourismus verschärft diese Situation. So stehen den Einheimischen in gewissen Ländern durchschnittlich weniger als 20 Liter Wasser pro Person und Tag zur Verfügung, während die Gäste in Luxushotels 600 Liter Wasser und mehr pro Gast und Tag verschwenden. In Tunesien wird kostbares Wasser für Golfplätze, am Roten Meer für künstliche Grünanlagen verwendet, während die Einheimischen kaum ihre Felder und Gärten bewässern können.

Die Aufbereitung von Wasser braucht insbesondere in Ländern des Südens viel Energie. Wasser sparen heisst also gleichzeitig auch Strom sparen. Elektrizität ist in vielen Ferienländern teuer und kann nur mit fossilen Brennstoffen produziert werden, was wiederum zu überhöhtem CO2-Ausstoss führt. Vielerorts ist auch die Energieversorgung nicht rund um die Uhr gewährleistet. Bei überhöhtem Verbrauch kann es vorkommen, dass der einheimischen Bevölkerung der Strom abgestellt wird. Daher ist Strom sparen unterwegs noch wichtiger als zuhause.

Wie kann ich Strom und Wasser sparen?

Sparen fängt schon beim Buchen an. Ein Hotel mit drei Pools und eigenem Golfplatz braucht viel mehr Wasser als eines, das beispielsweise einen Gemeinschaftspool mit anderen Hotels unterhält. Achten Sie bereits beim Buchen darauf, wie das Hotel mit der wertvollen Ressource Wasser umgeht.

Wasser sparen unterwegs ist einfach. Das reicht vom simplen Wasserhahn Zudrehen beim Zähneputzen bis zum Duschen statt Baden in der Wanne. Das spart übrigens auch zuhause Wasser. Sinnvoll ist es zudem, die Handtücher nicht jeden Tag waschen zu lassen, sondern nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Bei Unterhaltsmängeln wie tropfenden Wasserhähnen empfiehlt es sich, dies sofort der Hotelrezeption zu melden. Tropfende Wasserhähne können bis zu 90 Liter Wasser pro Woche verbrauchen. Um Strom zu sparen, braucht es oft nur wenige Handgriffe: Licht löschen beim Verlassen des Hotelzimmers, Klimaanlage ausschalten, auf jeden Fall bei längerer Abwesenheit, nicht gebrauchte Kühlschränke ausstecken. Ladegeräte bei Nichtgebrauch aus der Steckdose nehmen, nicht benötigte Geräte wie Fernseher auf Stand-by ausstecken. 

"Best practice" nennt sich die Verhaltensweise, die dem neusten Stand des Wissens entspricht. Beispiel: Wer seine Grünanlage mit Gebrauchtwasser bewässert, spart Trinkwasser. Bis zu 20 Prozent Treibstoff spart, wer sich beim Autofahren an den "eco-drive"-Fahrstil hält. Das heisst, immer im höchstmöglichsten Gang fahren, spät herunterschalten und ohne Gas anfahren. Richten Sie sich beim Buchen, bei der Mobilität, beim Einkauf und Konsum nach den Erkenntnissen der "best practice". 

Wie klimaschädlich ist das Reisen?

Der Tourismus trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Gemäss der UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) verursacht der Tourismus rund fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Berücksichtigt man noch andere Treibhausgase, wächst der Anteil des Tourismus am menschengemachten Klimawandel gar auf 12,5 Prozent. Der Löwenanteil der tourismusbedingten Emissionen – rund drei Viertel – stammt aus dem Flug- und Autoverkehr. Die Beherbergung steuert rund ein Fünftel bei. Heute sind die fossilen Brennstoffe unser wichtigster Energielieferant zur Herstellung und Entsorgung sowie zum Transport der Güter, die wir täglich konsumieren. Auch der motorisierte Personenverkehr mit Auto, Motorrad, Bus, Schiff oder Flugzeug wäre ohne sie nicht möglich. Durch die Nutzung fossiler Brennstoffe setzen wir riesige CO2-Mengen sowie weitere Abgase frei, die als sogenannte Treibhausgase das Klima aufheizen.

Inzwischen ist der Temperaturanstieg aufgrund des vom Menschen verursachten CO2-Ausstosses alarmierend. In den Alpen schmelzen die Gletscher wie die Eismassen in den Polargebieten, was den Anstieg des Meeresspiegels bewirkt. Erste Inseln sind bereits versunken. Unwetter, Taifune und Hurrikane häufen sich und bringen Überschwemmungen sowie Erdrutsche mit sich. Der Klimawandel fordert jedes Jahr mehr Opfer, insbesondere in den Ländern des Südens. Viele sind gezwungen, als Umweltflüchtlinge ihre Heimat zu verlassen.

Die Industrieländer – darunter die Schweiz – tragen am meisten zum weltweiten CO2-Ausstoss bei. Allein die USA verbrauchen einen Viertel des weltweit geförderten Erdöls. Aufstrebende Schwellenländer, insbesondere die bevölkerungsreichen Nationen China und Indien, benötigen immer mehr Energie. So könnte sich der CO2-Ausstoss in den nächsten 25 Jahren verdoppeln – mit katastrophalen Folgen für das Klima und unsere Welt. Es gilt, sofort und konsequent Energie zu sparen sowie alternative Energiequellen zu fördern.

Klimaerwärmung bedroht Reiseziele

Die Klimaerwärmung bedroht inzwischen direkt beliebte Reisedestinationen wie die Malediven und andere Inselgruppen, die nur knapp über dem allmählich ansteigenden Meeresspiegel liegen. Korallenriffe bleichen aus und ganze Küstenstriche erodieren. Viele Inselstaaten sind stark von den Einkünften aus dem Tourismus abhängig. Wenden sich die Reisenden aufgrund von Umweltschäden einer Insel nicht mehr zu, bleibt die Bevölkerung allein den Schäden ausgeliefert und trägt deren Kosten.

Wohl ist Klimaschutz auch in der Tourismusbranche inzwischen ein Thema. So will der Verband der Spitzenmanager World Travel & Tourism die Treibhausgase bis 2035 gegenüber 2005 halbieren und die UNWTO hat dem Klimaschutz seit 2007 höchste Priorität eingeräumt. Wegen des steten Wachstums der Tourismus- und Flugindustrie nehmen die Emissionen jedoch weiterhin zu. Es braucht dringend verbindliche Reduktionsziele für die gesamte Branche unter Einbezug des Flugverkehrs.

Was können Sie tun?

  • Halten Sie sich an den Grundsatz: Vermeiden ist besser als kompensieren, kompensieren besser als gar nichts.
  • Verzichten Sie wenn immer möglich auf das Flugzeug. Wählen Sie anstelle von Kurzstreckenflügen die Bahn oder den Bus für Strecken unter 800 km.
  • Unternehmen Sie keine längere Flugreise bloss für ein paar Tage. Leisten Sie sich selten, aber bewusst grössere Reisen und nehmen Sie sich Zeit dafür. Dabei gilt die Faustregel: Je weiter weg, desto länger bleiben.
  • Überlegen Sie sich Alternativen zu entfernten Reisezielen. Vielleicht gibt es Landschaften und kulturelle Attraktionen in Ihrer Umgebung, die einen Besuch durchaus Wert sind.
  • Falls sich ein Flug nicht vermeiden lässt, kompensieren Sie den CO2-Ausstoss mit einem seriösen Anbieter wie myclimate.org oder atmosfair.de, die ausschliesslich Klimaschutzprojekte durchführen, welche den höchsten Standard strenger internationaler Normen (Gold Standard) erfüllen.
  • Tragen Sie auch während Ihrem Ferienaufenthalt aktiv dazu bei, das Klima zu schonen: Informieren Sie sich beim Buchen über nachhaltige Reiseformen und Unterkünfte, wählen Sie unterwegs einheimische, regionale Produkte sowie Ausflüge und Freizeitaktivitäten, die das Klima nicht zusätzlich belasten und keinen hohen Landschafts- und Ressourcenverbrauch verursachen (Biken und Wandern statt Rundflüge, Motorquads und Golfen).

Was heisst CO2 kompensieren?

Kompensieren heisst ausgleichen. Wenn Sie beispielsweise fliegen, können Sie mit einem Geldbeitrag dafür sorgen, dass die gleiche Menge an CO2, die bei der Verbrennung des Kerosins auf Ihrem Flug entsteht, an einem anderen Ort eingespart wird. Die Anbieter von Klimakompensationslösungen investieren dazu in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte, die keine Treibhausgase verursachen oder die deren Ausstoss reduzieren. Für Ihren Anteil an CO2, das auf Ihrem Flug freigesetzt wird, bezahlen Sie einer solchen Klimakompensationsstelle den entsprechenden Betrag. Dieser kann je nach Anbieter unterschiedlich ausfallen. Seriöse Anbieter wie myclimate.org oder atmosfair.de weisen eine transparente Kostenabrechnung vor und investieren nur in Klimaprojekte, die den höchsten Standard strenger internationaler Normen (Gold-Standard) erfüllen. Immer mehr fortschrittliche Hotels, aber auch sportliche oder kulturelle Events kompensieren heute ihren CO2-Ausstoss freiwillig. Unterstützen Sie diese Initiativen mit Ihrer Wahl beim Buchen.

Klare politische Spielregeln

Wer heute freiwillig seinen CO2-Ausstoss kompensiert, zeigt Verantwortung gegenüber dem globalen Klima. Doch der weltweit übermässige Ausstoss an CO2 mit seinen gravierenden Folgen fürs Klima kann nicht mit freiwilligen Kompensationszahlungen allein beglichen werden. Es braucht klare politische Lösungen, in erster Linie zur Vermeidung von weiteren Treibhausgasen. Stehen Sie mit uns dafür ein.

Artenvielfalt und Biodiversität

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Gibt es auch eine verträgliche Art, Delfine und Wale zu beobachten?

Viele Menschen träumen davon, mit Delfinen zu schwimmen. Zahlreiche Delfinarien werben entsprechend mit dem direkten Kontakt zu dieser Untergattung der Walfische: "Lassen Sie sich von Delfinen küssen und gleiten Sie auf ihrem Bauch liegend durchs Wasser." Unter dem Deckmantel der Information werden die Meeressäuger auf diese Weise zu Kuscheltieren degradiert. Oder sie werden für therapeutische Zwecke missbraucht, um Menschen mit psychischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen zu heilen (Delfintherapie).

Ein lukratives Geschäft

Ein einziger Delfin kann seinem Besitzer Einnahmen von bis zu einer Million Dollar pro Jahr bescheren. Vor allem die enorme Nachfrage nach direkten Begegnungen mit Delfinen in Schwimm- und Streichelprogrammen hat das Geschäft mit den Gefangenen zu einer Goldgrube gemacht. Nach Angaben von SeaWorld im kalifornischen San Diego, einem der grössten Delfinarienbetreiber, erreichen dressierte Delfine heute auf dem Markt Preise von über 100’000 Dollar. Der Wert eines gefangenen Orcas wird gar auf über fünf Millionen Dollar geschätzt.

Kein Wunder, dass der Handel mit den Meeressäugern blüht: Delfine werden von Zoos, Delfinarien (weltweit sind etwa 200 Delfinarien registriert, rund 60 davon in Europa) und anderen Vergnügungsparks nachgefragt – ein verhängnisvoller Trend. Die Tiere stammen teilweise aus den gefährdeten Beständen im Mittel- und Schwarzen Meer. Auch aus der häufig kritisierten japanischen Treibjagd gelangen Tümmler in die Delfinarien. Geburten in Gefangenschaft sind eher selten, zudem werden unfreie Tiere durchschnittlich nur drei bis vier Jahre alt, während ein frei lebender Delfin bis zu 40 Jahre alt werden kann.

Delfine lächeln, auch wenn sie leiden

In seiner natürlichen Umgebung schwimmt der Meeressäuger täglich bis zu hundert Kilometer und taucht mehrere hundert Meter tief. Schon auf dem offenen Meer kann der Kontakt mit Menschen Stress für die Delfine bedeuten, wie britische Wissenschaftler feststellten. In Anwesenheit von Menschen kümmern sie sich weniger um ihren Nachwuchs, vernachlässigen die Jagd und wirken unruhig. Verschärft wird die Situation durch Versuche, die Tiere zu berühren. Bei aufdringlichen Beobachtungstouren verbrauchen Delfine viel Energie, um vor den Besucherbooten zu fliehen. In Gefangenschaft ist ihnen selbst diese Möglichkeit verwehrt. Die Becken der Delfinarien sind klein und oft überfüllt, die Tiere leiden. Chemisch aufbereitetes Wasser und UV-Strahlung verletzen ihre empfindliche Haut und verursachen Geschwüre. Der Dauerstress führt dazu, dass die Tiere aggressiv werden und früh sterben.

Ein fairer Umgang mit den klugen Säugern

  • Responsible Whale Watching: Mancherorts haben Delfintouren die traditionelle Jagd auf die Tiere verdrängt, etwa vor der Küste Sansibars. Verantwortungsvoll durchgeführte Beobachtungstouren sind zu begrüssen. Sie sind ein alternativer Wirtschaftszweig, bieten die Möglichkeit, die Tiere in freier Wildbahn zu bewundern und helfen, die Delfinjagd zu unterbinden. Fachleute empfehlen jedoch eine bessere Regulierung. So sollen die Schiffe den Delfinen nicht hinterherfahren, sondern auf ihren "Besuch" warten.
  • Verzichten Sie auf das Schwimmen mit Delfinen! So ersparen Sie den Tieren Stress. Ausserdem sollte das Unfallrisiko nicht unterschätzt werden: Delfine sind Raubtiere mit einem scharfen Gebiss. Statt der Delfintherapie empfiehlt sich eine Therapie mit domestizierten Tieren wie Pferden oder Hunden.
  • Auf den Besuch von Delfinarien sollten Sie konsequent verzichten.

Was macht der Tauchtourismus mit den Korallen?

Korallenriffe sind wie kaum ein anderes Ökosystem unmittelbar von Klimaerwärmung und Kohlendioxidausstoss betroffen. In den letzten 30 Jahren ist die Fläche der tropischen Korallenriffe um über ein Drittel zurückgegangen. Ein weiteres Drittel ist heute akut gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bis ins Jahr 2030 droht der Verlust von 60 Prozent der weltweiten Korallenriffe. Bereits eine minimale Erwärmung der durchschnittlichen Wassertemperatur kann das symbiotische Zusammenleben der zahlreichen Lebewesen im Riff empfindlich stören: Korallenstöcke bleichen aus, werden anfällig für Parasiten – etwa artfremde Seesterne oder Algen, die sie auslaugen – und sterben ab.

Eine weitere riffschädigende Auswirkung der Klimaerwärmung geht vom CO2 selber aus. Die Weltmeere nehmen einen Teil des Treibhausgases der Erdatmosphäre auf, täglich schätzungsweise 22 Millionen Tonnen. Mit seinem stetigen Anstieg löst sich immer mehr CO2 im Wasser und wird – wie wir es vom Mineralwasser kennen – zu Kohlensäure. Diese löst wiederum Kalk auf und ist daher pures Gift für kalkhaltige Organismen wie Korallen, Muscheln, Meeresschnecken und manche Plankton- und Algenarten. Neben der Klimaerwärmung setzen Naturereignisse wie Tsunamis und Wirbelstürme – ihrerseits Folgen des Klimawandels – den Riffen zu, ebenso wie die intensive touristische Entwicklung inklusive Tauchtourismus, die Wasserverschmutzung, der Fischfang mit Schleppnetzen und Dynamit sowie Ölkatastrophen.

Was sind die Folgen?                                                                                          

Korallenriffe sichern heute den Lebensunterhalt von mindestens 100 Millionen Menschen. Sie schützen den Küstenraum als Wellenbrecher vor Erosion und Sturmschäden. Flachen die Riffe ab, leiden die Küsten vermehrt unter den Folgen von Naturkatastrophen. Als natürliche Quelle für Nahrungsmittel versorgen sie die lokale Bevölkerung mit Fisch und Meeresfrüchten. Doch gerät das sensible Ökosystem eines Korallenriffs aus dem Gleichgewicht, verringert sich die Artenvielfalt und damit der Fischreichtum. Die Nahrungsgrundlage ganzer Regionen wird gefährdet. Nicht zuletzt schadet diese Entwicklung auch dem Tourismus. Korallenriffe wachsen sehr langsam – manche Arten brauchen 50 Jahre für einen 25 Zentimeter langen Korallenast. Während bereits zwölf Prozent der globalen Landmasse unter Naturschutz stehen, sind bisher weniger als ein Prozent der Ozeane geschützt.

Wie kann ich Korallenriffe schützen?

Bevorzugen Sie beim Buchen Ihrer Ferien Anbieter, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen.

  • Denken Sie daran, dass der Flug zu Ihrer Feriendestination die grösste Umweltbelastung verursacht und kompensieren Sie Ihren CO2-Ausstoss.
  • Falls Sie in den Riffen tauchen wollen, wählen Sie einen Veranstalter, der sich nachweislich für den Schutz der Umwelt und der Tauchgründe einsetzt. Auch eine entsprechende Schulung der TauchtouristInnen sollte nicht fehlen.
  • Beim Tauchen achten Sie darauf, die Korallen mit Ihrer Ausrüstung nicht zu schädigen. Nehmen Sie nichts mit. Berühren und füttern Sie keine Meerestiere.
  • Kaufen Sie keine Souvenirs aus dem Meer wie Korallen, Muscheln oder Schnecken.
  • Achten Sie auch zuhause darauf, nur Fische und Meerestiere zu verzehren, die mit dem Label des Marine Stewardship Councils (MSC) ausgezeichnet sind, das die Bestand erhaltende Fischerei kennzeichnet.
  • Setzten Sie sich für die Errichtung von Meeresschutzgebieten ein.

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