Einsatz für Menschenrechte
Freiwillige berichteten aus Palästina/Israel
Freiwillige aus vielen Ländern leisten im Rahmen des Begleitprogrammes der ökumenischen Kirchen EAPPI einen Einsatz als MenschenrechtsbeobachterInnen in Palästina/Israel. In der Schweiz werden sie von Peace Watch Switzerland ausgebildet und begleitet. Aktuell berichtet Lea Stahel aus Ostjerusalem.
In Konfliktgebieten leidet die Bevölkerung häufig unter Willkür, gewaltsamen Übergriffen und Repressionen. Das geschieht umso eher, je mehr die Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten sind. Peace Watch Switzerland, der Verein für internationale Menschenrechtsbeobachtungen, schickt Frauen und Männer gut vorbereitet in Konfliktgebiete verschiedener Länder. Sie haben die Aufgabe, mit den Einheimischen zu leben und durch ihre schlichte, nicht eingreifende Anwesenheit willkürliche Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zu reduzieren. Sie sollen auch die Isolation der betroffenen Menschen durchbrechen helfen, zuhören und Anteil nehmen, Mut für gewaltfreie Aktionen schaffen, Übergriffe schriftlich dokumentieren und nach dem Einsatz die Erlebnisse zu Hause weitertragen.
Ruf aus Palästina/Israel nach internationaler Solidarität
In den besetzten Gebieten Palästinas ist die Kontrolle der israelischen Armee ebenso drückend, beängstigend und lähmend wie der andauernde Konflikt mit den SiedlerInnen. Lokale Kirchen sowie palästinensische und israelische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) baten vor Jahren den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK/WCC) um internationale Präsenz. Internationale BeobacherInnen sollten die Arbeit von humanitären und Menschenrechtsorganisationen unterstützen und gewaltfreie Aktionen begleiten. Der ÖRK, eine Gemeinschaft von mittlerweile 348 Kirchen in über 120 Ländern auf allen Kontinenten und aus praktisch allen christlichen Traditionen, folgte dem Ruf: Im Rahmen seiner ökumenischen Kampagne zur Beendigung der Besetzung Palästinas und für einen gerechten Frieden im Nahen Osten lancierte er 2001 das "Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel" (EAPPI). Frauen und Männer aus vielen Ländern reisen seither auf Einladung der lokalen Kirchen und Gemeinden in gemischten Teams in die besetzten Gebiete Palästinas. Damit auch Freiwillige aus der Schweiz am EAPPI-Programm teilnehmen konnten, haben sich unter dem Patronat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes verschiedene, seit Jahren im Konfliktgebiet engagierte Werke organisiert: mission 21, cfd Christlicher Friedensdienst, HEKS Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz und horYzon, die internationale Zusammenarbeit des Cevi Schweiz. Für die operationelle Durchführung in der Schweiz ist Peace Watch Switzerland verantwortlich.
Blog der Schweizer BeobachterInnen in Palästina/Israel
Die BeobachterInnen aus der Schweiz teilen jeweils während mindestens drei Monaten den Alltag der Zivilbevölkerung: Sie gehen mit auf die Felder, leben mit PalästinenserInnen und BeduinInnen, begleiten Kinder zur Schule, markieren Präsenz an den Strassenblockaden (Checkpoints, Sperren, Erdhügel usw.), besuchen Familien, die für ihre Wohnung eine Abrissverfügung erhalten haben, dokumentieren Übergriffe, gehen mit an Gerichtsverhandlungen und vernetzen sich vor Ort mit den für den Frieden tätigen Organisationen. Während und nach ihrem Einsatz sensibilisieren sie in der Schweiz die Öffentlichkeit und berichten weitab von der üblichen Medienberichterstattung selbst Erlebtes.
Für fairunterwegs.org berichteten im Blog von November 2008 bis Mai 2009 Karin Luedi aus Hebron, Urs Rybi aus Bethlehem, Kerstin Gollembiewski aus Jayyous, Frida Roser aus Yanoun, Milena Aviram aus Tulkarem, Peter Schüle aus Yanoun, Heidi Schüle aus Tulkarem, Cindy Zahnd aus Jayous, Joelle Saugy aus Hebron und Jael Bartholet aus Jayyous von ihren Erfahrungen.
Freiwillige berichten aus Chiapas/Südmexico
In Chiapas/Südmexiko ist die Menschenrechtslage katastrophal, die Repression von Polizei, Armee und Paramilitärs gegen soziale Bewegungen und indigene Gemeinden, die sich für ihre Rechte einsetzen, gross. Freiwillige aus verschiedenen Ländern leisten während einiger Monate einen Einsatz als MenschenrechtsbeobachterInnen in Chiapas. In der Schweiz werden sie von Peace Watch Switzerland (PWS) ausgebildet und begleitet. Für fairunterwegs.org berichten sie im Blog von April bis Juni 2010 von ihren Erfahrungen.
Mexiko – das Land weckt in den meisten Leuten die Reiselust: Weisse Sandstrände, beeindruckende Pyramidenanlagen und Abenteuertrips im Regenwald locken TouristInnen in das Land im Süden Nordamerikas. Dass in Mexiko aber die Menschenrechte tagtäglich mit Füssen getreten werden – nicht nur von sich gegenseitig bekämpfenden Drogenkartellen, sondern auch vom Staat – wissen viele Leute nicht.
Offiziell ist Mexiko ein so genanntes Schwellenland. Im Süden des Landes ist aber der Grossteil der Bevölkerung nach wie vor arm und lebt von der Subsistenzwirtschaft. Im Zuge der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die mit der Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA 1994 in Mexiko voll in Fahrt gekommen ist, entsteht ein zunehmender Druck auf die natürlichen Ressourcen und damit die Lebensgrundlagen vor allem indigener Gemeinschaften. Megaprojekte wie Staudämme, Berbauminen zur Gewinnung von Edelmetallen, Schnellstrassen und Tourismusresorts machen den Kleinbäuerinnen und -bauern ihr Land streitig, verschmutzen das Wasser, das sie zum Leben brauchen oder eignen sich die Biodiversität ihrer Lebensräume an. Sowohl der mexikanische Staat als auch die privaten, oft transnationalen Unternehmen gehen dabei unzimperlich vor: Wo die betroffene Bevölkerung nicht kooperiert, erfährt sie die Repression von paramilitärischen Gruppierungen, der Polizei oder der Armee am eigenen Leib: Sie wird angegriffen, bedroht, immer wieder kommt es zu Vertreibungen oder gar zu Morden, die in der Regel ungestraft bleiben.
Der Tourismus in der Region ist einer der Sektoren mit nicht zu unterschätzendem Konfliktpotential. Ein Beispiel ist die geplante Schnellstrasse zwischen den beiden touristisch interessanten Orten San Cristóbal de las Casas und Palenque. Obwohl sie durch Land führen soll, das von Indígenas gemeinschaftlich genutzt wird, wurde die betroffene Bevölkerung weder informiert noch nach ihrer Meinung gefragt. Die Strasse wird keine Ausfahrten zu den Dörfern haben und auch wegen den Strassengebühren von der ländlichen Bevölkerung nicht benutzt werden können. Seit sich die GegnerInnen der Strasse organisieren und gegen das Projekt protestieren, werden sie regelmässig von den Paramilitärs angegriffen. Ein anderes Beispiel ist das Biosphärenreservat Montes Azules: Dort haben Polizei und Armee im Januar dieses Jahres zwei Dörfer gewaltsam geräumt und dabei die Häuser und die Ernte verbrannt. Weitere Zwangsräumungen in Naturschutzgebieten sind von der mexikanischen Regierung geplant – nicht zuletzt, um Platz für sogenannte "Ökotourismusprojekte" zu schaffen.
Blog der Schweizer BeobachterInnen in Chiapas
PWS arbeitet in Chiapas mit dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas (Frayba) in San Cristóbal de las Casas zusammen. Dieses koordiniert die Einsätze der internationalen MenschenrechtsbeobachterInnen vor Ort und schickt die Freiwilligen in die Friedenscamps, wo sie während jeweils zwei Wochen mit der Dorfbevölkerung leben und ihnen durch ihre Präsenz einen gewissen Schutz gewähren. Nach zwei Wochen kehren sie nach San Cristóbal zurück und werden dann in ein anderes Friedenscamp geschickt.
In den kommenden Wochen berichten PWS-Freiwillige auf fairunterwegs aus ihren Einsätzen als MenschenrechtsbeobachterInnen in Chiapas.
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Lesen Sie die Blogeinträge von Carol Mauerhofer, Sebastian Schafer und Lydia L.

