Blog Chiapas/Mexiko
Einsatz für Menschenrechte
Chiapas Blog
Was sich unter den Pasamontañas versteckt... - 17 Juni 2010
Lange Zeit hat er sich still gehalten, nun beginnt der Kleine zu quengeln. Er hat Hunger. Ohne ihren Schritt zu verlangsamen zieht Marta am Stofftuch, das sie sich umgebunden hat, hievt ihren Sohn vom Rücken nach vorn und gibt ihm die Brust. Der Kleine beruhigt sich rasch – während seine Mutter schnellen Schrittes weiter den steilen Weg hinuntergeht und in ihren profillosen Plastiksandalen ohne zu zögern einen Fuss vor den anderen setzt.
Wir geben uns alle Mühe Martas Tempo mitzuhalten, rutschen immer wieder aus auf den feuchten Blättern und dem lehmigen Waldboden, suchen teils mit beiden Händen halt und finden ihn trotzdem nicht, stolpern den abschüssigen Pfad hinunter, trotz bester Wanderausrüstung. Von Zeit zu Zeit dreht sich Marta um und wartet nett lächelnd, bis wir wieder zu ihr aufgeschlossen haben.
Was mich während meines zweimonatigen Aufenthalts hier in Chiapas am meisten beeindruckt, sind eben diese überra
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Frieren, jassen, nachdenken - 15 Juni 2010
El Huitepec ist eine der höchsten Erhebungen rund um San Cristóbal. Von der Terrasse des Hostal Junax aus, wo ich mit vielen andern Freiwilligen wohne, erkennt man den Berg mit seinem halben Dutzend Antennen klar und deutlich. Der Gipfel liegt nochmals 700 Meter höher als die alte Kolonialstadt selber, die sich bereits auf 2210 Meter über Meer befindet.
Auf dem Huitepec halten die Zapatistas ein Waldgebiet besetzt, mit dem Ziel, es vor Abholzung und Verbauung zu schützen. Die Hänge des dichten Nebelwalds reichen von der Bergkuppe bis knapp zu den ersten Siedlungen der Stadt hinunter. Täglich schreitet eine Gruppe von Compañeros, die hier für eine Woche Wache schieben, mit einem Einheimischen das Gebiet des Naturreservats ab. Kontrolliert wird etwa, ob nicht illegal Holz geschlagen wurde oder ob die Wasserleitungen für die umliegenden Felder noch intakt sind. Seit mehreren Jahren begleiten internationale BeobachterInnen die Zapatistas auf den
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Gegrillte Grillen und andere Köstlichkeiten - 14 Juni 2010
- Im Dorf gibt es zwar einen Fussballplatz, einen Fussball haben die Kinder aber nicht. So wird es in nächster Zeit auch bleiben. Denn auch der "Ball", den Alex (nach der Anfertigung mehrerer Prototypen) aus Plastiktüten, Bananenblättern und Schnur gebastelt hat, überlebt keine zehn Minuten.
- Die Zeit vertreiben sich die Kinder auf nicht weniger originelle Weise. Mit Grillen fangen, zum Beispiel. Als Jagdgerät dient eine halbe Petflasche, die kopfüber an einem langen Ast befestigt ist. Damit pirschen sich die Kinder so nahe wie möglich an die Bäume, auf denen die Insekten sitzen. Einmal erwischt, schwirren die Zykaden wild in der durchsichtigen Flasche umher – doch den Weg in die Freiheit findet kaum eine mehr. Stolz präsentieren uns die Jäger ihre Beute, halten die zwei Finger dicken Tiere an beiden Flügeln fest, reichen sie umher, nehmen sie noch lebend zwischen die Zähne. Schliesslich landen sie zuerst im Feuer und dann erneut
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So richtig abgelegen - 09 Juni 2010
Viel zu tun gibt es hier nicht und das Schwierigste für mich ist, die Zeit zu füllen bzw. mit ganz viel Zeit umgehen zu müssen. Ich verbringe die Tage mit Lesen, Denken, Schreiben, Dösen. Manchmal übernehme ich mit den KollegInnen einen kleinen Spaziergang über die Felder rundherum, aber wegen der heissen Temperaturen und hohen Luftfeuchtigkeit kommt mir ein einstündiger Marsch wie eine anspruchsvolle Wanderung vor, jede Bewegung kostet einen mehr Kraft als sonst. Als er noch schön klar war, gingen wir uns mehrmals am Tag im Fluss erfrischen. Ich genoss es, um 8 Uhr morgens, wenn es noch nicht so warm war und die anderen noch schliefen, baden zu gehen. Seit zwei Tagen regnet es aber praktisch ununterbrochen (die Regenzeit hat angefangen), mit der Folge, dass der Fluss ganz braun geworden und das Wasser gestiegen ist, weshalb uns das Baden nun leider verwehrt bleibt – eine Aktivität weniger!
Momentan bin ich allein mit lediglich einem weiteren Beobachter hier.
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Der Schein trügt - 08 Juni 2010
Das Erste, was mich beeindruckte, als ich aus dem Wagen stieg, waren der fast ohrenbetäubende Lärm der Zikaden, die extreme Feuchtigkeit und der verlassene Eindruck, den der Ort auf einen machte, wie wenn seit Jahren niemand zu ihm geschaut hätte.
Nach dem Aufstand 1994 besetzten die Zapatistas den Ort, nachdem der ehemalige Besitzer, ein "Ranchero", die Flucht ergriffen hatte. Seit zirka drei Jahren beaufsichtigen sie nun den Ort durchgehend – wegen des von der Regierung geplanten Tourismusprojekts in der Region. Diese Bewachung erfolgt mittels eines Rotationssystems, nach dem jede Woche eine neue Gruppe aus der Region die vorige ablöst, im Häuschen neben dem Hauptgebäude übernachtet und Tag und Nacht das Areal überwacht. Denn die sogenannten Priistas (AnhängerInnen des Partido Revolucionario Institucional PRI) belästigen die Zapatistas auf verschiedene Art und Weise, um zu erreichen, dass sie das Land schliesslich "freiwilli
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Warten, warten, warten... - 04 Juni 2010
Nachdem das in den Abkommen von San Andrés von 1996 vorgesehene Autonomiegesetz Ende März 2000 von allen im Parlament vertretenen Parteien abgelehnt worden war, brach die EZLN den Dialog mit den politischen Akteuren (Regierung, ParlamentarierInnen, Parteien) ab und zog sich für zwei Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Sie widmete sich dem Aufbau der Autonomie und unterteilte das Gebiet, in dem die Zapatistas leben, in 39 autonome Gemeinden in fünf Regionen. Hier wird seither die indigene Autonomie, die bis heute juristisch nicht anerkannt worden ist, praktiziert und dementsprechend jegliche finanzielle Hilfe seitens der Regierung abgelehnt. Jede dieser fünf Regionen besitz ein Verwaltungszentrum, das sogenannte Caracol, wo das regionale Entscheidungsgremium (genannt "Junta de buen gobierno", als Gegenpendant zur als schlecht empfundenen offiziellen Regierung) seinen Sitz hat. Die "Junta" besteht aus VertreterInnen der die jeweilige Region bilden
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Vor dem ersten Einsatz in San Cristóbal de las Casas - 03 Juni 2010
Mein erster Sonntag in San Cristóbal fing eigentlich gut an. Ich fühlte mich nicht speziell fit, entschied mich aber trotzdem für einen Spaziergang im Zentrum des Städtchens. Kurz nachdem ich mich auf eine der zahlreichen grünen Bänklein auf dem Zócalo gesetzt hatte, bemerkte ich einen Umzug von Kindern, die - ähnlich wie bei uns an der Fasnacht - als bunte Engel, Prinzessinnen und undefinierbare Tiere verkleidet waren. Die Familie neben mir erklärte mir, dass heute der Tag der Jungfrau von Fatima sei - deshalb der Umzug durch die Stadt, die vielen Leute rundherum und die umsonst verteilte Mahlzeit vor der Kathedrale. Ich blieb nicht lange sitzen, denn die Kopf- und Gliederschmerzen wurden stärker, und ich ging in mein Hostal zurück. Dort verbracht ich den ganzen Nachmittag, Abend und die Nacht im Bett mit Schlafen. Die lange Reise, die Höhe (San Cristóbal liegt auf über 2000 müM) und die plötzliche Entspannung waren wohl Schuld an meinem Zustand. Ich hoffte einfach
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