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Palästina Blog

Zeugnis demolierter Existenzen - 07 Februar 2012

07. Februar 2012

„Die Zerstörung eines Hauses ist die Zerstörung einer Familie“. Dies sind die Worte von S. Shawamreh, einem palästinensischen Familienvater. Sein Haus in Jerusalem wurde vor einer Woche von der israelischen Behörde mit Hilfe des Militärs abgerissen. Einer der in der Vergangenheit von Israel oft genannten Gründe für das Abreissen palästinensischer Häuser war die Bestrafung oder Abschreckung palästinensischer Selbstmordattentäter. Shawamreh’s Zitat jedoch lässt in mir jedoch Zweifel aufkommen, ob diese Strategie nicht genau das kreiert, was unterbunden werden will.

Was war passiert? Mitten in der Nacht hatten wir einen Anruf bekommen: „Hauszerstörungen in Anata im Gange!“ Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg, um die Schauplätze bei Tageslicht zu besichtigen und zu dokumentieren. Kurz bevor wir den ersten Ort erreichen, passiert uns in der Gegenrichtung schon ein Fahrzeug des Roten Kreuzes.

Wir betrachten das erst


Ratlos rastlos - 29 Januar 2012

29. Januar 2012

"Ich kann schreien und ich kann nett sein, und nichts hilft!" Mit diesen Worten einer israelischen Friedensaktivistin konnte ich mich am heutigen Morgen am Checkpoint Qalandya besonders gut identifizieren. Es war ein Morgen, den ich emotional noch den ganzen Tag mit mir herumschleppte. Der Checkpoint wurde zeitweise aus unerklärlichen Gründen geschlossen, dies während der "Rush hour": um die 400 verzweifelte Menschen warteten, Unruhen, Aggressionen, Ratlosigkeit und innere Rastlosigkeit waren spürbar, ein Morgen, an dem wieder einmal einfache Zivilisten den Preis für diesen Konflikt austrugen. Ein Morgen, an dem sich so viele PalästinenserInnen mit fragenden, verzweifelten Augen an uns wendeten: "Wieso? Wieso passiert das?" Ich hatte, auch diesen Morgen, keine Antwort. 

Chaos im Checkpoint, nichts geht mehr vorwärts, daher genug Zeit für ein wenig Small talk mit PalästinenserInnen. Beispielsweise mit Shaker


Eine Bushaltestelle für dich, keine Bushaltestelle für mich - 25 Januar 2012

25. Januar 2012

Weihnacht ist vorbei. Die nachfolgende traurige Szene, auch wenn sie am letzten Weihnachtstag, dem 24.Dezember 2011 stattgefunden hat, wird sich nicht das letzte Mal abgespielt haben:

"Teil unserer Reise von Bethlehem nach Jerusalem an Weihnachten beinhaltet das Warten auf einen Minibus an einer grossen Kreuzung. Es regnet in Strömen. Es gibt eine überdachte Bushaltestelle, die jedoch von einem israelischen Soldaten bewacht wird. Wir werden ermahnt, nicht in der Bushaltestelle zu warten, da sie nur für Israelis, vorab israelische SiedlerInnen, bestimmt sei. Wir müssen uns also neben die Bushaltestelle begeben. Ein junger Palästinenser wartet neben uns, da kommt der Soldat aus der Bushaltestelle heraus und befiehlt dem Palästinenser, sich noch weiter von der Bushaltestelle wegzubewegen. Da stehen wir nun also im strömenden Regen, der junge Palästinenser, eine weitere palästinensische Familie mit vier Kindern, und mit ihnen wir selbst, di


Morgenstund, Metall im Mund - 23 Januar 2012

23. Januar 2012

Wie in einem 360-Grad Kino zieht es an mir vorbei, eine dunkle Welt aus Metallgittern, darin eingepfercht PalästinenserInnen, zu hören ist die bellende Stimme einer israelischen Soldatin durch das Mikrofon. Es ist 4.30 morgens, ich befinde mich zum ersten Mal am Checkpoint Qalandya – nach UN OCHA einem der grössten der 519 Checkpoints und sogenannten ‘physischen Hindernissen’ in der Westbank. Er befindet sich zwischen Ostjerusalem, welches 1967 von Israel illegal annektiert bzw. angeeignet wurde und Ramallah, dem Hauptsitz der palästinensischen Autorität in der Westbank. Was geht vor in diesem Checkpoint, an dem gestern ein Palästinenser niedergeschossen wurde, nachdem er sich mit einer Axt auf die schwerbewaffneten Soldaten gestürzt hatte?

Von Jerusalem her durchquere ich den Checkpoint Richtung Ramallah. Das Passieren zweier Drehkreuze dauert nicht mal eine Minute; noch ahne ich nicht, dass mich der Rückweg Richtung Jerusalem, durch das La


Die Hölle inmitten des Heiligen Landes - 05 Januar 2012

05. Januar 2012

"In Hebron, das ist kein Leben. Es ist die Hölle. Es ist wirklich die Hölle". So beschrieb mir vor kurzem eine israelische Friedensaktivistin, eine ältere Frau namens Hanna Barag, die biblische Stadt Hebron, mit 175’000 Einwohnern eine der grössten Städte des Westjordanlandes. Das Westjordanland ist Teil des palästinensischen Gebietes, welches seit 1967 von Israel besetzt wird. Mit Hanna’s Worten im Hinterkopf mache ich mich auf den Weg an diesen Ort.

Kurz vor Anbruch des nächsten Tages. Ich befinde mich am Checkpoint 56, einem der offiziell 122 ‘physischen Hindernissen’ in Hebron. Dieser Checkpoint ist einer der wenigen Orte, an denen die Hauptfiguren des ganzes Israel-Palästina Konflikts täglich  aufeinandertreffen: israelische SoldatenInnen, PalästinenserInnen, und israelische SiedlerInnen. Die zwei jungen Soldaten am Checkpoint– merklich gelangweilt von ihrer monotonen Arbeit – kontrollieren Identitätskarten un


Die Schulhefte eignen sich besonders gut zum Anzünden - 01 Mai 2009

01. Mai 2009

Adla hockt auf ihrem Schemel und reisst langsam ein Blatt aus einem Schulbuch ab. Dann rollt sie das Blatt fein säuberlich und zündet es am einen Ende andächtig an. Fast so feierlich wie bei einer guten Zigarre geht das. Dann öffnet sie die kleine Luke und schiebt die Rolle hinein.

Das ist überall so. Bei Yasser ist grad ein Bild vom Tagh Mahal dran, bei Nasiha die Skizze zum Pythagorassatz. Und hier bei Adla ein ziemlich rotes Prüfungsblatt. Wenn auch nicht alle gleich gut sind in der Schule. Und auch nicht gleich gut aufpassen, das Papier eignet sich ausgezeichnet zum Anzünden. Jetzt in dieser kalten Zeit. Nachdem es im Januar viel zu warm war, war es im März eher zu kalt, alle mussten heizen. Und nur wir im internationalen Haus haben einen Elektroofen, doch auch der geht nicht immer. Jetzt ist die Elektrizität zum zweiten Mal in einer Woche ausgegangen. Es wird für die ganze Nacht aus sein, gar nichts geht mehr im Dorf. Diesmal auch nicht


Die traumwandlerische Überlegenheit der ’Westler’ Oder: 60 Jahre UNWRA – kein Grund zum Feiern - 30 April 2009

30. April 2009

Manchmal diese fragenden und hilfesuchenden Augen. Sie fragen, warum wir nicht mehr machen können. Dann auch mit Worten: Ihr kommt immer wieder zu uns, doch die Siedlungen verschwinden nicht, im Gegenteil, in letzter Zeit und seit den Wahlen in Israel treten die Siedler noch offensiver auf. Oder am Checkpoint: Jetzt warten wir schon über 2 Stunden und Ihr seid hier, warum tut ihr nicht mehr? Oder die Personen in der Zelle: Könnt Ihr uns nicht herausholen? Und dann noch direkter: Wir brauchen Geld für einen neuen Bus oder eine neue Strasse.

Dann erklären wir, dass wir selbst nicht solche Hilfe einfädeln, sondern „nur“ weiterleiten können. Oder das sie selber anrufen können. Das sind sie sich manchmal nicht mehr gewohnt. 60 Jahre abhängig sein, nie genug Raum haben für eigene Entwicklungen. Man gewöhnt sich an die Abhängigkeit. Das ist an allen Ecken zu spüren. Und oft verstärken wir dieses Bild auch. Wir wissen so schnell, was zu tun ist. Wir


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Letzte Aktualisierung: 08.02.2012