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Die Schulhefte eignen sich besonders gut zum Anzünden - 01 Mai 2009
Adla hockt auf ihrem Schemel und reisst langsam ein Blatt aus einem Schulbuch ab. Dann rollt sie das Blatt fein säuberlich und zündet es am einen Ende andächtig an. Fast so feierlich wie bei einer guten Zigarre geht das. Dann öffnet sie die kleine Luke und schiebt die Rolle hinein.
Das ist überall so. Bei Yasser ist grad ein Bild vom Tagh Mahal dran, bei Nasiha die Skizze zum Pythagorassatz. Und hier bei Adla ein ziemlich rotes Prüfungsblatt. Wenn auch nicht alle gleich gut sind in der Schule. Und auch nicht gleich gut aufpassen, das Papier eignet sich ausgezeichnet zum Anzünden. Jetzt in dieser kalten Zeit. Nachdem es im Januar viel zu warm war, war es im März eher zu kalt, alle mussten heizen. Und nur wir im internationalen Haus haben einen Elektroofen, doch auch der geht nicht immer. Jetzt ist die Elektrizität zum zweiten Mal in einer Woche ausgegangen. Es wird für die ganze Nacht aus sein, gar nichts geht mehr im Dorf. Diesmal auch nicht auf den nahen Hügel-Siedlungen. Etwas kindisch haben wir uns darüber gefreut, dass es diesmal auch die Siedler erwischt hat, die sonst durch bessere elektrische Installationen geschützt sind. Vielleicht haben die Siedler auch keine Holzofen mehr.
Umso schöner ist es dann bei Adla, unserer Nachbarin. Nach dem Papier kommt das Kleinholz. Nie vorbereitet, kommt jeweils ein ganzer Busch in Haus. Die Hauptperson ist der Feuermeister. Hier ist es Adla, die Urmutter, die Hälfte der BewohnerInnen in Yanoun stammen von ihr ab; sonst ist es oft der Vater. Und diese Hauptperson reisst nun die kleinsten Ästchen ab. Das ist manchmal schwierig, denn das Holz ist nicht immer trocken. Und manchmal ist auch die Öffnung im Ofen zu klein. Und manchmal kommen die Zweige zu spät und es braucht ein zweites Blatt aus dem Schulbuch. Und wenn es halt gar nicht geht, etwas Petrol, mitten im Wohnzimmer, und oft mit schlechtem Abgasrohr. Oder schlimmer: Die Feuermeisterin zündet irgendein Stück Plastik an. Das brennt dann gut und die brennenden Tropfen entzünden auch halbfeuchte Äste. Später, wenn das Feuer richtig brennt, wird es erst recht heimelig. Mit einer kleinen Schöpfkelle werden ständig getrocknete Mandelschalen und Oliventräsch nachgeschüttet. Das riecht unheimlich gut. Und dann überhocke ich jeweils etwas. Nicht zu lange, denn beim Morgengrauen haben alle Bergbauern wieder zu tun.
Fast habe ich die zweite Heizung vergessen. Besonders wenn es Fleisch zum Znacht gibt, wird draussen ein richtiges Feuer gemacht. Und später nach dem Braten, wärmt die Holzkohle das Zimmer fast noch besser als der Ofen sonst. Nur darf man nichts nachschütten. Und es schmeckt halt nicht so gut wie die Mandelschalen und der Oliventräsch.
Das werde ich in der Schweiz vermissen.
Peter
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