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Kolumbien- Mittwoch 11 November 2009: Das Projekt "Escuela busca niños/as"

11. November 2009

Auch heute steht wieder ein Besuch bei einem Projekt der Corporacion Region an.
Um halb 11 fahren wir los zu einer Schule vom Projekt „Escuela busca niños –as“ (Schule sucht Kinder). Die neugebaute Schule, wie auch die Häusersiedlung oberhalb eines Jugendgefängnisses sind vom Staat und der Stadt Medellin gebaut und finanziert worden. Die dort lebenden Menschen wurden umgesiedelt: zuvor lebten sie in selbst gebauten Hütten die sie auf einem Müllberg errichtet hatten.
Die Schule wie auch die Häuser passen eher in eine Mittelstandssiedlung und uns wird erklärt, dass diese Häuser auch entsprechend gebaut wurden. Die Architektur wurde von Bilbao kopiert.
Damit entstehen auch schon die ersten Probleme; denn ein Mittelstandshaus mit fliessendem Wasser, Strom und Gas verursacht für die Bewohnerinnen und Bewohner viel mehr Kosten als eine selbst gebaute Hütte.

Wir betreten die Schule und uns fällt sofort auf, dass alles sehr offen ist. Es gibt breite Gänge mit Pingpong-Tischen, sowohl Lehrer als auch Schüler spielen. Seit acht Monaten gibt es diese Schule erst und schon ist man dabei, dieses offene Konzept neu zu überdenken.
Denn viele Schüler die in dieser Schule sind, haben nie gelernt sich für längere Zeit auf etwas einzulassen und konnten sich nie auf etwas verlassen. In der Anfangszeit sind viele Schüler einfach von der Schule weggelaufen, sind in den Wald gegangen, zu einem in der Nähe liegenden Wasserfall oder sind einfach die 100 Meter zu ihren Häusern heruntergelaufen. Aus diesem Grund agierten die Lehrer zu Beginn mehr als „Polizisten“ denn als Lehrer.
Mittlerweile hat sich das ein wenig gebessert und die rund 1000 Schülerinnen und Schüler zwischen 5-19 Jahren haben gelernt sich anzupassen.

Ein weiteres Problem in der Schule entsteht dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler aus sieben verschiedenen Quartieren der Stadt in diese Schule gehen. Wie uns am Tag zuvor beim Besuch in Bello Oriental erklärt wurde, bilden sich in den Quartieren wieder vermehrt illegale, bewaffnete Jugendbanden die den Drogenhandel kontrollieren und Schutzgeld von Läden fordern sowie Wegzölle erpressen.

Diese Jugendbanden unterstehen zwei verfeindeten Drogenbossen. Dass Konflikte entstehen wenn sich nun in einer Schule Personen dieser verfeindeten Gruppen gegenüberstehen, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund setzen die Lehrerinnen und Lehrer denn auch verstärkt auf eine Förderung der Sozialkompetenzen und erst in zweiter Linie auf die Schulbildung.
Generell ist uns aufgefallen, dass diese bei uns gängige Art von Schulphilosophie definitiv nicht funktioniert, wenn Kinder und Jugendliche kein Verständnis für Eigenverantwortung und Respekt für andere aufbringen können. Dass dies auch die Verantwortlichen in der Schule realisiert haben, finden wir gut. Schade jedoch, dass man sich erst angefangen hat darüber Gedanken zu machen, nachdem dieses teure Projekt bereits realisiert wurde.

 

Kategorie:
Blog, Kolumbien

Permalink: Kolumbien- Mittwoch 11 November 2009: Das Projekt "Escuela busca niños/as" | trackback

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Letzte Aktualisierung: 23.05.2012