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11. Januar 2012

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Brasilien

Lilian, Kassierin in der "Lagoa de Pitanguy"

Rund eine Autostunde nördlich der Stadt Natal errichtete der Jungunternehmer Leonardo Heydmann eine kleines, umweltfreundliches Feriendorf an einer Süsswasserlagune. Das Personal für das Restaurant und die Badeanlage rekrutierte der Brasilianer vornehmlich aus dem benachbarten Fischerdorf Pitanguy. Zahlreiche Jugendliche bewarben sich bei ihm um eine Stelle, denn die "Lagoa" war weit und breit die einzige Möglichkeit für die Fischerfamilien, ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Mit 16 Jahren trat Lilian, Tochter eines Fischers und bereits Mutter eines 2-jährigen Sohns, einen Job als Serviceangestellte in der "Lagoa" an. Lilian ist das einzige Kind der Familie, das eine Arbeitsstelle hat. Da sie nebenbei noch die reguläre Schule besucht, arbeitete sie zu Beginn nur an Wochenenden und während den Ferien. Heute hat sie schon die Verantwortung für die Restaurantkasse inne, arbeitet zu 50 Prozent und kommt auf einen monatlichen Verdienst von rund 200 Real (180 US Dollar). Das Geld reicht, um die Kosten für ihr Kind zu bestreiten. Wenn Lilian arbeitet, bleibt das Kind in der Obhut ihrer Eltern. Die Arbeit von 7.30 Uhr morgens bis 18 Uhr abends an den Wochenenden und die teilzeitliche Arbeit unter der Woche fordern Lilian neben der Schule einiges ab. Sie klagt über Müdigkeit während des Unterrichts. Der Lohn für die Arbeit scheint ihr knapp. Aber ihre Hoffnungen ruhen auf der Zukunft. Durch ihre Tätigkeit an der Kasse hat sie sich Fertigkeiten und Verantwortungsgefühl erworben, die ihr auf einer weiteren Laufbahn im Tourismusbereich sehr zustatten kommen werden.

von Beat Grüninger. Beat Grüninger ist Mitarbeiter des Büros "Business & Social Development" in São Paulo und weilte während einer Reise im März 1998 im Nordosten Brasiliens.
aus: Christine Plüss: Ferienglück aus Kinderhänden, Zürich 1999

 

Letzte Aktualisierung: 08.02.2012