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Dominikanische Republik

20. Januar 2005

Dominikanische Republik: "Aids-freie Zonen" in Industrie und Tourismus

Im Zusammenhang mit HIV und Aids werden Frauen in der Dominikanischen Republik gleich mehrfach massiv diskriminiert: Bewerben sich Frauen um eine Stelle im Tourismus oder in ausländischen Firmen der Freihandelszone, werden sie routinemässig und meist unfreiwillig auf HIV getestet, hält die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ in einem im Juli 2004 publizierten Bericht fest. Fällt das Ergebnis positiv aus, werden sie nicht eingestellt. Kommt in einem Hotel schon nur das Gerücht auf, so berichten Betroffene, eine Angestellte sei HIV-positiv, werde Blut abgenommen und der Test gemacht, auch wenn die Frau nicht eingewilligt habe. Zwar ist es offiziell verboten, für eine Anstellung einen HIV-Nachweis zu verlangen oder unfreiwillige Tests durchzuführen. Doch die Praxis ist gerade im Tourismus besonders verbreitet, weil ein Teil der „Marketingstrategie“ darin besteht, den TouristInnen zu versichern, dass die Hotels „Aids-frei“ seien. Grobe Missstände gibt es „Human Rights Watch“ zufolge auch im öffentlichen Gesundheitswesen, wo Frauen im Rahmen der Geburtenvorsorge ohne umfassende Aufklärung zu HIV-Tests genötigt werden und die ärztliche Schweigepflicht nicht konsequent eingehalten wird. Zudem werden HIV-positive Frauen während der Geburt ihrer Kinder vom ärztlichen Personal vernachlässigt. Wie in der ganzen Karibik ist auch in der Dominikanischen Republik die HIV-Rate alarmierend angestiegen; HIV/Aids ist bei Frauen im reproduktiven Alter (zwischen 15 und 49 Jahren) gar zur Todesursache Nr. 1 geworden (siehe akte-Kurznachrichten 4/2004). Die diskriminierende Praxis im Zusammenhang mit HIV drängt Frauen noch mehr ins soziale Abseits; oft bleiben ihnen nur noch prekäre Jobs oder die Prostitution, um ihre Existenz zu sichern und ihre Kinder zu ernähren. Deshalb fordert „Human Rights Watch“ dringlich den Ausbau der Aids-Prävention und -Gesundheitsversorgung unter klarer Beachtung der Menschenrechte – der Wahrung der persönlichen Integrität mit ärztlicher Schweigepflicht und Freiwilligkeit der Tests sowie der Nicht-Diskriminierung am Arbeitsplatz. Insbesondere ruft sie auch den Staat auf, Gesetzesverletzungen durch Firmen, Tourismusunternehmen oder medizinisches Personal entschieden zu sanktionieren. /plus

Quellen: Human Rights Watch: Una prueba de desigualdad: discriminación contra mujeres viviendo con VIH en la República Dominicana, Julio de 2004, Vol.16, No.4(B), www.hrw.org; frauensolidarität 90, 4/04

Kategorie: Arbeit, Brennpunkt Tourismus, Dominikanische Republik, Frauen


 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012