rss
tip a friend
print
spenden

fairunterwegs.org - das Plus für Ihre Reisevorbereitung

News zu Ihrem Reiseziel
und zum weltweiten
Tourismusgeschehen


Augen auf beim Ferienkauf!
Worauf achten beim Buchen


Tipps für unterwegs und zur
Einstimmung auf Ihr Reiseziel


Antworten auf knifflige
Fragen zum Thema sozial-
und umweltverträglich Reisen

Veranstaltungskalender

26. Februar 2012 bis 03. Juni 2012 | Ort: Zürich
Helden - Ein neuer Blick auf die Kunst Afrikas
[weiterlesen...]
17. März 2012 bis 02. September 2012 | Ort: Baden-Baden
AFRIKA mit eigenen Augen. Vom Erforschen und Erträumen eines Kontinents
[weiterlesen...]
23. Mai 2012 bis 28. Mai 2012 | Ort: Winterthur
Afro-Pfingsten Festival – der bunteste interkontinentale Event der Schweiz
[weiterlesen...]

Eritrea

Worku Tesfamichael: "Wir brauchen Devisen"

"Wir brauchen Devisen, und wir brauchen Arbeitsplätze - von beidem möglichst viel und möglichst schnell", sagt Worku Tesfamichael. Grosse Hoffnungen konzentrieren sich auf die 38jährige Ministerin für Tourismus im jungen ostafrikanischen Staat Eritrea. Ein schwieriges Klima mit wenig Regen, vor allem aber die lange Ausbeutung durch Äthiopien und der dreissigjährige Guerillakrieg gegen die Unterdrücker haben das kleine Land am Horn von Afrika zu einem der ärmsten der Welt gemacht. Seine möglichen Bodenschätze sind noch weit von einer Nutzung entfernt, und die einst von den italienischen Kolonialherren aufgebaute Industrie liegt am Boden; da bleibt der Tourismus als naheliegendste Einnahmequelle. Langfristig stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Die Landschaft ist vielfältig und spektakulär, von den terrassierten Tafelbergen des zentralen Hochlandes bis zu den unberührten Koralleninseln im Roten Meer. Und die Menschen begegnen Fremden mit würdevoller Gastfreundschaft. Doch noch genügt die vorhandene Infrastruktur bei weitem nicht. Es fehlt an guten Hotels und Restaurants wie an qualifiziertem Personal.

"Wir sind auf Kapital aus dem Ausland angewiesen", sagt Ministerin Tesfamichael. "Doch wir werden uns nie zu Handlangern eines Massentourismus machen, der unsere Kultur zerstört." Und sie erklärt, Investitionen seien nur gefragt in Form von Minderheitsbeteiligungen an einheimischen Unternehmen, welche den Schutz der Umwelt und die Beschäftigung einheimischer Arbeitskräfte garantieren. Schöne Worte, hehre Ziele. Zugleich aber konzentriert sich die Ministerin voll auf das mit Kapital aus den USA projektierte Grosshotel mit Spielkasino auf einer bislang unberührten Insel des Dhalak-Archipels im Roten Meer, das vor allem Gäste aus Saudi-Arabien anziehen soll. Eine vorgesehene Steuer von vierzig Prozent auf dem Kasinogewinn verspricht zusammen mit den Baurechtszinsen beträchtliche Einnahmen. Die voraussehbaren Folgen solcher Grossprojekte wie beispielsweise eine Zunahme der Prostitution verharmlost die Ministerin mit einem einheimischen Sprichwort: "Man kann nicht auf den Schlaf verzichten aus Angst vor schlechten Träumen."

Ein Albtraum ist auch ihr Plan eines Golfplatzes in der häufig von Trinkwassermangel geplagten Hauptstadt Asmara. Überdies möcht sie internationale Unternehmen wie Hilton, Sheraton oder den ClubMed zum Bauen animieren. Zur Ausbildung des notwendigen Personals soll in einem neu zu erstellenden Gebäude eine Hotelfachschule mit ExpertInnen aus der Schweiz und Kenia entstehen. Ein Wunschtraum weit über den Möglichkeiten des neuen Staates, dessen Gesamteinkommen nicht über demjenigen eines mittleren Schweizer Privatunternehmens liegt. Doch mit der Überzeugung, "wer eine hungrige Familie ernähren muss, darf sich nicht mit Erdnüsschen abgeben", blockiert die ehrgeizige Ministerin bescheidenere und damit realistischere Projekte zur Tourismusentwicklung.

Dabei sind es gerade die vielerorts im Lande aus Privatinitiative entstandenen Kleinunternehmen im Tourismussektor, die erste Erfolge zeigen. Dass sie meist von Frauen getragen werden, ist kein Zufall. Wie in vielen Ländern Afrikas übernehmen sie auch hier die Hauptverantwortung für das Überleben der oft sehr grossen Familien.

von Marie-Louise Zimmermann
aus: Karin Grütter und Christine Plüss (Hrsg.): Herrliche Aussichten! Frauen im Tourismus, Zürich 1996.

 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012