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Guinea-Bissau

Die langen Tage von Adama Camara
Gegen fünf Uhr morgens stehe ich auf. Fast jeden Morgen. Als erstes verrichte ich mein Morgengebet. Sobald es hell wird, räume ich auf und fege das Haus. Meine fünf Buben und drei Mädchen geben eine Mengezu tun, das jüngste Kind ist erst zweieinhalbjährig. Danach gehe ich zum Brunnen und hole Wasser für den ganzen Tag. Den Weg mit dem Wasserbecken zum Brunnen mache ich mindestens zweimal. Mit dem Wasser setze ich den Reis für die Mahlzeiten des Tages auf. Wir haben das Glück, dreimal am Tag Reis essen zu können. Das war nicht immer so. Geholfen hat uns unsere Bäuerinnenorganisation, die KAFO, mit der SWISSAID zusammenarbeitet. Im Jahr 2005 erhielt ich ein verlassenes und versalztes Stück Land, das ich mit meiner Familie wieder fruchtbar machen konnte. Mein Feld gibt Reis für vier Monate her. Damit kommen wir gut über die Runden. In der KAFO diskutierten wir darüber, wie die Arbeit zwischen Frauen und Männern besser aufgeteilt werden kann. Darum hat mir mein Mann beim Entsalzen des neuen Landstücks viel geholfen, was mich sehr freut. Während der Regenzeit gibt es in den Reisfeldern viel zu tun: hacken, jäten, Setzlinge umpflanzen. Mit meinen Kindern verbringe ich den ganzen Tag auf dem Feld, bis ungefähr um fünf Uhr abends. Ausserhalb der Regenzeit arbeite ich im Haus und im Familiengarten. Gegen neun Uhr abends habe ich alles erledigt, so gegen zehnUhr gehe ich schlafen. Meine Arbeit ist sehr anstrengend. Darum diskutieren wir in der Familie auch immer wieder darüber, wie wir die Arbeit verringern könnten. Was wir ernten, verkaufen wir zum Teil auf dem Markt in Kutia. Das bringt zwar ein bisschen Geld ein, aber Kutia ist fast fünf Kilometer entfernt. Wir gehen zu Fuss und tragen unsere Waren auf dem Kopf. Ich hoffe, wir finden bald einen Karren als Transportmittel. Ich bin schon 45 Jahre alt (Anmerkung der Redaktion: die durchschnittliche Lebenserwartung in Guinea-Bissau liegt bei 47 Jahren) und in Mandigara geboren. Ich bin Mansonca (Muslimin), aber in Mandingara gibt es auch viele Animisten. Die verschiedenen Völkergruppen im Dorf leben in Frieden zusammen. Aber im Unabhängigkeitskampf haben wir sehr gelitten. Als Kind ging ich zwei Jahre in die Primarschule. Aber wegen des Krieges konnte ich nicht mehr weiter zur Schule gehen. Denn mein Dorf liegt in einer Gegend, die von der Befreiungsbewegung kontrolliert wurde und von den portugiesischen Kolonialtruppen immer wieder angegriffen wurde. Elf Jahre lang dauerte der Krieg. Hunger hatten wir zwar nie, aber die Bomben und Kämpfe bewaffneter Gruppen machten uns das Leben schwer. Als der Krieg endlich zu Ende war und wir unabhängig wurden, habe ich gleich geheiratet, da war es für die Schule leider zu spät. Dafür habe ich über Reisanbau schon viel gelernt. Es ist aber ganz wichtig, dass wir Reisbäuerinnen noch mehr lernen, damit unser Land eine bessere Ernte hergibt.
Adama Camara lebt in Mandingara in der Region Oïo, im Norden von Guinea-Bissau.
von Alain Geiger. Aus dem SWISSAID SPIEGEL 2/07, mit freundlicher Genehmigung von Swissaid.
