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Kambodscha

Teap aus Kandal: Als Kellnerin in Siem Riep

Die 30-jährige Teap arbeitet als Kellnerin. Sie lebt allein in einem gemieteten Zimmer im städtischen Siem Riep. Vor einem Jahr ist sie aus der Provinz Kandal hierher gezogen. "Ich arbeite von fünf Uhr nachmittags bis Mitternacht, manchmal, wenn viel los ist, bis ein Uhr nachts", erzählt Teap. "Ich suche einen anderen Job, den ich tagsüber machen kann. Bis jetzt aber vergeblich. Diese Arbeit hier gefällt mir nicht, denn ich arbeite unter Menschen, die getrunken haben, und manchmal verachten die Gäste mich und zeigen keinen Respekt."

Den Job als Kellnerin hat Teap nur angenommen, weil sie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war, nachdem ihr Mann sich entschieden hatte, eine andere Frau zu heiraten. Sie hat einen 14-jährigen Sohn, der jetzt bei ihrer Mutter lebt. Die schlechte Behandlung, wie Teap sie erfährt, teilt sie mit vielen kambodschanischen Frauen.

Steine schleppen auf dem Bau: Leakthina aus Kampong Thom
Leakthina ist 43, verheiratet und hat fünf Kinder. Sie lebt und arbeitet auf einer der vielen Hotel-Baustellen von Siem Riep. Bevor sie hierher kam, war sie Bäuerin in der Provinz Kampong Thom. Während ihrer Abwesenheit von zu Hause hat die älteste Tochter die Hausarbeit übernommen. Obwohl ihr Mann nicht einverstanden war und die Meinung vertritt, Frauen sollten zu Hause bleiben und die Hausarbeit verrichten, sah sie sich gezwungen, alleine nach Siem Riep zu kommen. Sie wollte ihre Familie finanziell unterstützen und auch den Angkor Wat sehen, so sagt sie. Ihrem Mann gelang es immer seltener, selbst angebautes Gemüse mit Gewinn zu verkaufen, und die Familie wurde ärmer und ärmer. "Mein Mann hat keine kreativen Ideen, wie er Geld für die Familie verdienen kann“, meint Leakthina. „Obwohl er nicht einverstanden war, bin ich trotzdem hierher gekommen. Er hatte nicht genug männliche Charakterstärke."

Leakthina findet sich mit ihrem neuen Job ab. Wie auch die meisten anderen Frauen auf dem Bau sieht sie nicht das Problem, dass sie hier eigentlich traditionelle Männerarbeit verrichten würden. Sie würden ja immer nur zwei Ziegelsteine auf einmal schleppen und Zement mischen, sagt sie. Schwere körperliche Arbeit, die männliche Kraft erfordert, würden sie ja gar nicht ausüben.

Die Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben unterliegt zahlreichen Beschränkungen, insbesondere in den ländlichen Gegenden von Siem Riep, wo die von Frauen erwartete Tugendhaftigkeit mit verschiedenen Beschäftigungsformen nicht vereinbar ist. Es entsteht eine Hierarchie, nach der die Arbeit von Frauen in und um das Haus als tugendhaft gilt, die Arbeit außerhalb des Hauses jedoch deutlich weniger Ansehen genießt. Jobs, bei denen die Arbeiterinnen der Sonne ausgesetzt sind, wie zum Beispiel auf dem Bau, sind in dieser Hierarchie ganz unten angesiedelt. Denn sie führen dazu, dass die Haut dunkler wird, was mit einem niedrigeren gesellschaftlichen Status in Verbindung gebracht wird. Auch die Arbeitszeiten spielen eine Rolle. So gilt die Arbeit in Restaurants und Bars nach Sonnenuntergang als unmoralisch und wird als Schande gesehen, selbst von denjenigen, die selbst in der Gastronomie beschäftigt sind.

So sind Teap und Leakthina einem doppelten Druck ausgesetzt. Zum einen haben sie sich den gesellschaftlichen Normen der Khmer entsprechend zu verhalten. Zum anderen müssen sie helfen, die Armut ihrer Familien zu lindern, indem sie nach Siem Riep gehen und dort arbeiten. Immer mehr Frauen im Kambodscha von heute versuchen einen solchen Spagat zwischen tief verwurzelten gesellschaftlichen Denkmustern und der wirtschaftlichen Realität.

von Katherine Brickell, Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp. Katherine Brickell studiert Geographie an der London School of Economics und hat 2004/2005 mehrere Monate lang in Kambodscha geforscht.
aus: TourismWatch. Informationsdienst Dritte Welt-Tourismus, Nr. 44 (September 2006).

 

Letzte Aktualisierung: 22.03.2012
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