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Malaysia

Ah Seng: Ohne Ausbildung und ohne Freunde

Ah Seng ist dreizehn Jahre alt und stammt aus einer Familie mit acht Kindern. Sein Vater ist Fischer, seine Mutter ist neben der Hausarbeit noch stundenweise für die Gemeinde tätig. Der Junge besuchte die Grundschule im Dorf, das allerdings über keine Realschule verfügt. Um weiter zur Schule zu gehen, hätte er ins neun Meilen entfernte Nachbardorf fahren müssen, doch dahin gibt es leider keine Busverbindung. Seine Eltern sind arm und konnten ihm keinen weiteren Schulbesuch ermöglichen.

Also blieb Ah Seng zu Hause und half in der Familie mit. Dann überredete sein Onkel, der in Kuala Lumpur lebt, seine Eltern, ihn in die Stadt zu schicken, statt dass er zu Hause seine Zeit vergeude. In Kuala Lumpur begann Ah Seng in einem Restaurant zu arbeiten, das Huhn und Reis anbietet. Doch in diesem Restaurant lernt er wenig und kann keine besonderen Fertigkeiten entwickeln. Er säubert und zerkleinert Huhn, wäscht Salat und Küchengeräte und hilft als Kellner aus. Ah Seng steht um halb sechs Uhr morgens auf und arbeitet durch bis halb drei Uhr nachmittags. Abends hilft er gewöhnlich, das Essen für den nächsten Tag vorzubereiten. An Wochenenden und Feiertagen ist das Restaurant durchgehend von morgens fünf bis nachts um elf geöffnet. Monatlich verdient Ah Seng umgerechnet 158 US Dollar. Davon schickt er jeden Monat hundert Dollar an seine Familie, was ihn mit Stolz erfüllt. Doch er vermisst die Familie und seine Freunde sehr und auch die freie Zeit, die er mit seinen Spielgefährten zu verbringen pflegte. Eigentlich möchte er am liebsten zurück und zur Schule. Aber die Armut lässt es nicht zu.

Quelle: Plüss, Christine: Ferienglück aus Kinderhänden - Kinderarbeit im Tourismus. - Zürich : Rotpunktverlag, 1999.

 

Letzte Aktualisierung: 09.09.2010