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17. März 2012 bis 02. September 2012 | Ort: Baden-Baden
AFRIKA mit eigenen Augen. Vom Erforschen und Erträumen eines Kontinents
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Simbabwe

Dominic Mutanga: Touristen haben kein Interesse an den Einheimischen

Zur Person: Dominic Mutanga gehört der Volksgruppe der Tonga an und stammt aus Simbabwe. Er engagiert sich in verschiedenen NGOs zur Verbreitung afrikanischer Kultur und verbringt derzeit einen Studienaufenthalt in den USA.

Ich lebe in Victoria Falls und habe früher als Reiseführer gearbeitet. Es gibt viele TouristInnen in Victoria Falls. Es gibt auch in Binga TouristInnen. Viele Südafrikaner fahren dorthin, um zu fischen, weil die Stadt am Sambesi Fluss liegt. Die Stadt ist auch sehr ruhig und schön, und deswegen kommen die Leute, um die Ruhe zu genießen und sich zu entspannen.

Die Leute hier arbeiten zwar in der Tourismusbranche, sodass Geld reinkommt. Sie haben jedoch nicht das Kapital, um ihre eigenen Unternehmen zu gründen und somit direkt vom Tourismus zu profitieren. Es ist ein ökonomisches Problem. Die meisten Menschen, die Zugang zu Kapital haben, sind nicht von hier. Das bedeutet, dass die Leute hier nur insofern vom Tourismus profitieren, indem so ihr Einkommen in Form ihres Lohnes gesichert ist. Es gibt selbstverständlich einige Einheimische in Simbabwe, die über die notwendigen Finanzmittel in Form von Eigenkapital bzw. Krediten verfügen und sie profitabel in den Tourismus investieren. Aber die lokale Bevölkerung hängt größtenteils von ihren Löhnen bzw. Gehältern ab.

Der Tourismus hat positive wie negative Effekte. Beispielsweise kann das bloße Sehen der Touristen für die lokale Bevölkerung manchmal sein Gutes haben, denn so kriegen sie ein Gefühl dafür, ein Teil der weiten Welt zu sein, indem fremde Menschen dorthin kommen, wo sie leben.

Gleichzeitig gibt es auch negative Aspekte. Die Touristen geben viel Geld aus und wirken auch sehr reich. Die TouristInnen verändern die Gesellschaftsstruktur, doch der Punkt ist: Was verändern sie? Fast alle Menschen, welche mit Touristen Kontakt haben, sind diejenigen, die auch in der Tourismusbranche arbeiten. So findet man zum Beispiel in Binga nur sehr wenige ältere Menschen, die mit Touristen in Kontakt kommen. Teilweise deswegen, weil viele kein Englisch können, da sie nie eine Schule besucht haben.

In Victoria Falls, wo ich als Reiseführer gearbeitet habe, sind die meisten Menschen, welche mit Touristen wirklich in Kontakt kommen, junge Leute, die Englisch sprechen, und diejenigen, die in den Hotels arbeiten. Manche haben keine Chance, Touristen zu Gesicht zu bekommen. Diese kommen und zahlen viel, um in einem Hotel zu wohnen. Die Touristen haben kein Interesse an den Einheimischen.

Manche Touristen, die Rucksacktouristen zum Beispiel, schlafen in Zelten. Es gibt nicht viel Kontakt. Wie in meiner Heimatstadt, da gibt es ein "township", wo viele Leute leben, und es gibt das Stadtzentrum. Dort findet man die Touristen. Es gibt nicht viele Touristen, die das "township" besuchen, weil es dort nichts Interessantes gibt. Vor allem die Gegend um die Fälle bildet den Hauptanziehungspunkt.

Ich würde gerne ein Kulturzentrum gründen, wo ich so etwas wie ein Volkskundemuseum aufbauen könnte. Wenn TouristInnen kämen, könnte ich sie lehren, wie die örtliche Kultur aussieht, was die Leute machen, wie sie die Welt sehen. Es gibt viele Sachen, welche die Touristen nicht unbedingt verstehen, wenn sie nur im Hotel bleiben.

Die Hotels sind alle gleich, egal, wo du hingehst. Es gibt keine Unterschiede. Die Leute bleiben hier für zwei Tage. Am ersten Tag gehen sie zu den Fällen. Am zweiten Tag gehen sie vielleicht zum Rafting oder machen Bungee Jumping. Sie gehen im Zentrum spazieren und kaufen Geschenke. Sie schauen sich Tiere an und dann fahren sie nach Hause. Sie sprechen, abgesehen von Hotelangestellten oder Postbeamten, nicht mit Einheimischen. Das ist der Grund, weshalb ich ein Kulturzentrum will. Einen Ort, an dem Touristen etwas über die örtliche Kultur lernen können. Ich glaube, dass das Kulturzentrum eine sehr gute Einrichtung wäre. Nicht nur für TouristInnen. Es wäre auch für die hiesige Bevölkerung wichtig, weil ich glaube, dass unsere lokalen Traditionen dabei sind, sich zu zersetzen. Dies ist das Resultat vieler Faktoren, nicht nur des Tourismus.

Beispielsweise haben wir in der Schule keinen Unterricht über unsere Kultur. Unser afrikanisches Kulturwissen wurde immer mündlich überliefert, jedoch in den Klassenzimmern wird aus Büchern gelernt.

Ein Kulturzentrum kann für eine Gemeinde sehr gut sein. Mein Volk verfügt zum Beispiel über viele bemerkenswerte Fertigkeiten, die nun in Vergessenheit geraten, weil sie jetzt niemand mehr lernt. Wir lernen diese Fertigkeiten von den älteren Menschen, um sie jungen Leuten in Workshops beizubringen.

Dominic Mutanga, in: Dagmar Lassmann, Birgit Mbwisi-Henökl (Hrsg.): Stimmen aus dem Süden, edition pro mente, Linz, 2003, ISBN 3-901409-51-3. Mit freundlicher Genehmigung von edition pro mente.

Im gleichen Verlag ist auch das Methodenbuch zu Stimmen aus dem Süden erschienen: Birgit Mbwisi-Henökl: Stimmen aus dem Süden - Impulse und Methoden für Jugend- und Erwachsenenbildung, edition pro mente, Linz, 2003.

 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012