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Südafrika

10. Juni 2010

Michael Stanley: Kubu und der Tote in der Wüste

Basel, 10.06.2010, akte/ Die Geier kreisen, die Hyäne lässt kaum von ihrer Beute ab – einer männlichen Leiche, nurmehr ein Geripp, von hungrigen Tieren übel zugerichtet, an einem Wasserloch inmitten der Kalahari. Ein schwarzer Wilddieb? Die Annahme liegt ganz offensichtlich auf der Hand. Doch beim grauslichen Fund handelt es sich eindeutig um die Überreste eines weissen Mannes. Ein auf übermütiger Spritzfahrt verunglückter Tourist? Das wäre ganz schlecht für das Tourismusimage des Landes. Doch wurde kein Tourist als vermisst gemeldet, und von einem Touristenfahrzeug fehlt jede Spur. Hingegen führt eine Reifenspur in die Nähe des Fundortes und wieder davon weg, alle weiteren Spuren wurden sorgsam verwischt. Ein Mord also, an einem Weissen, im Wildreservat – das ist eine äusserst heikle Angelegenheit. In der fernen Hauptstadt wuchtet deshalb Assistant Superintendent "Kubu" Bengu von der Kripo Botswana seine stattliche Gestalt auf den Fahrersitz des Polizei-Landrovers und macht sich auf die lange, staubige Fahrt in die Touristenlodge am Rande des Zentralen Kalahari-Wildreservates. Von da aus will er den Leichenfund inspizieren und Fährte aufnehmen. Kubu macht seinem Spitznamen – Flusspferd – alle Ehre: Scheinbar gutmütig, in Tat und Wahrheit äusserst gefährlich. Solid und bedächtig rollt er diesen verzwickten Fall auf, der ihn direkt in die Chefetagen eines internationalen Diamantenkonzerns führt. Beharrlich schlägt er sich durch Machtkämpfe, Politfilz und Familienintrigen, um den skrupellosen Händlern von Blutdiamanten aus Kriegsgebieten anderer afrikanischer Länder habhaft zu werden. Bei all den atemraubenden Verwicklungen des Falles steckt er Missschläge mit viel Sinn für Humor ein und pflegt bei Speis und Trank Familienleben und Freundeskreis. An Kubus Seite lässt sich Botswana entdecken! Er weckt Sympathie für das Land, zeigt aber unverholen aktuelle Probleme auf wie die Machenschaften der Politiker und Diamantenhändler oder die Entrechtung und Vertreibung der Buschleute Barsawa (San) im Sog des Diamantenabbaus und der Entwicklung des Tourismus. Hinter dem Schöpfer von Kubu, Michael Stanley, verbirgt sich das Autorenpaar Michael Sears und Stanley Trollip. Man glaubt den beiden südafrikanischen Professoren im Ruhestand – Trollip ist Lernpsychologe und Sears Mathematiker, hat aber auch für eine Diamantenmine gearbeitet –, dass sie gemeinsam schon zahlreiche Buschabenteuer erlebt haben. Auf jeden Fall verstehen sie es, ihre Liebe zu Afrika, seinen Völkern, seiner Natur und seinen Kulturen weiterzuvermitteln. Und bescheren uns damit neue interessante Einsichten und dazu über 500 Seiten spannende, gute Unterhaltung.

Michael Stanley: Kubu und der Tote in der Wüste; Eichborn AG, Frankfurt a.M. 2010, 540 Seiten, SFr. 34.90, Euro 21.95, ISBN 978-3-8218-6109-8

AutorIn: Christine Plüss, arbeitskreis tourismus & entwicklung, Basel

Kategorie: Botswana, Indigene Völker, Jung & Fair, Literatur, Menschenrechte, Südafrika, Umwelt & Lebensgrundlagen, Unternehmen, Wasser, „Ökotourismus“


 

Letzte Aktualisierung: 08.02.2012