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Südafrika

12. Januar 2011

Mit Poesie gegen die Trostlosigkeit

Im südafrikanischen Central Karoo, einer kargen Gegend östlich von Kapstadt, haben Jugendliche einen oft trostlosen Alltag. Alkohol und Gewalt bestimmen ihr Leben. Umso wichtiger sind Jugendzentren, wie jenes in der Provinzstadt Beaufort West, wo die jungen Menschen Halt und Unterstützung finden. Im Jugendprogramm werden Gefühle und Erlebnisse auch mal in Form eines Gedichtes niedergeschrieben und verarbeitet.

Fotos: Markus Bütler

In einem kleinen liebevoll gestalteten Gedichtband hat der 14-jährige Masibulele Ngondo seine Gedanken poetisch und präzise niedergeschrieben. Damit ermöglicht er einen eindrücklichen Einblick in die Welt und Realität eines Jugendlichen, der sich in einem schwierigen Umfeld behaupten muss. Seine Gedanken über die Situation südafrikanischer Jugendlicher beginnen düster:

"Die Jugendlichen des ‹Südens›,
erleben schwere Zeiten,
(…)
ihre eigenen Möglichkeiten zerstört,
vergessen sie ihre Kultur, woher sie kommen.
Vergessen ihre einstigen Träume,
erfahren keine Linderung …"

Masibulele Ngondo lebt in Murraysburg, einer Kleinstadt im Central Karoo. Sie liegt fernab von grossen Zentren, befindet sich aber im verkehrsreichen Kapstadt-Johannesburg-Korridor, der den Süden mit dem Norden des Landes verbindet. Die Perspektiven der Jugendlichen dieser Region sind trist. Wenn nicht auf der Strasse, gibt es kaum Möglichkeiten, wo sich Jugendliche treffen und entfalten können. Der Alltag ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Alkohol und Gewalt. Viele junge Frauen prostituieren sich, weil aufgrund des Fremdenverkehrs ein grosser Freiermarkt herrscht. Viele Jugendliche verfallen zudem der Verlockung, ihr Glück in Kapstadt zu suchen, oftmals mit verheerenden Folgen: Sie geraten in die Abhängigkeit von Menschenhändlern oder werden als mittel- und rechtslose Individuen in der Grossstadt sexuell und als billige Arbeitskräfte gnadenlos ausgebeutet.

Das möchte die Partnerorganisation von terre des hommes schweiz "Anex" verhindern. Sie setzt sich seit geraumer Zeit gegen jegliche Form von Ausbeutung junger Menschen ein. In der Überzeugung, dass diese am besten unterstützt werden können, indem ihre eigenen Ressourcen und Stärken gefördert werden, hat Anex vor kurzem damit begonnen, in Kleinstädten wie Beaufort West Jugendzentren zu eröffnen. Diese Zentren werden von Jugendlichen selber betrieben. Das erste von Anex eröffnete Zentrum wird bereits rege genutzt.

Es finden Spielnachmittage, Workshops und Kurse statt, Hip-Hop-Bands finden ein Publikum. Den Respekt der Bevölkerung konnten sich die Jugendlichen durch Sensibilisierungskampagnen gegen häusliche Gewalt oder Reinigungsaktionen von verschmutzten Plätzen erarbeiten.

Ein weiteres Jugendzentrum soll demnächst in Murraysburg eröffnet werden. Anex hat deshalb eine Jugendversammlung einberufen, die gut besucht wurde. Die Jugendlichen äusserten enthusiastisch ihre Ideen. Sie möchten Fussball spielen, eine Theatergruppe lancieren und ein Netzwerk für Nachhilfeunterricht aufbauen. Die Jugendlichen drängten darauf, das Jugendzentrum baldmöglichst zu eröffnen. Die Finanzierung, so der Vorschlag der Jugendlichen, soll durch eigene Mittelbeschaffung gewährleistet werden, beispielsweise durch den Verkauf von selbst hergestellter Kunst. Diese südafrikanischen Jugendlichen strotzen vor Kreativität, ihr Tatendrang und ihre Aufbruchstimmung sind für jede und jeden spürbar. Genau das drücken auch die Gedichte von Masibulele Ngondo aus. Die Ohnmacht weicht dem Optimismus. Aus Abhängigkeit wird Partizipation. Neugewonnenes Selbstvertrauen ermöglicht den Glauben an die Zukunft.

"… Aber sie erheben sich, leben, regenerieren,
Es ist die neue Generation,
ihr Wissen, ihre Weisheit gestärkt,
Tag für Tag, Nacht für Nacht
Sie sind laut und stolz …
sie sind jung …
sie sind ruhelos …
SIE SIND DIE JUGENDLICHEN DES
SÜDENS!"

Markus Bütler ist stellvertretender Programmkoordinator Südafrika.
Der Artikel erschien in der terres des hommes schweiz-Zeitung, Dezember 2010. Publikation mit freundlicher Genehmigung.
www.terredeshommesschweiz.ch

AutorIn: Markus Bütler, terre des hommes schweiz

Kategorie: Brennpunkt Tourismus, Jung & Fair, Kinder, Kultur, Südafrika


 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012