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Thailand

Blickwechsel

Wechseln Sie die Perspektive. Wir stellen Ihnen Personen vor, die Ihnen auf Ihrer Reise begegnen könnten. Menschen, die Sie im fremden Land herumführen, Ihnen das Essen servieren, Ihnen Souvenirs verkaufen, Sie im Taxi fahren oder das Hotel besitzen, in dem Sie übernachten – und vom Verdienst aus dem Tourismus leben. Erfahren Sie, wie diese Menschen die Begegnungen mit den Reisenden erleben, was sie sich vom Tourismus erhoffen und welche Träume und Pläne sie haben.

Von der Bäuerin zum Caddie

"Ich wollte mein Land nicht verkaufen. Unsere Felder waren klein, aber wir hatten in jedem Jahr eine gute Ernte. Dann entdeckten wir, dass alle benachbarten Felder aufgekauft wurden, um den Golfplatz zu bauen. Unsere Situation verschlechterte sich immer mehr. Unsere Wasserzufuhr aus dem Kanal wurde blockiert und ein anderes Mal unsere Farm überflutet. Schliesslich wurde es ein vergebliches Unternehmen, etwas anzubauen. Nach zwei Jahren verlor ich die Geduld und verkaufte meine vier Rai (1 Rai = 0,16 ha) für 200'000 Baht (4'000 US Dollar). Das Geld wurde unter den Familienmitgliedern aufgeteilt, und nun ist nichts mehr davon übrig. Es blieb mir kaum eine andere Wahl, als einen Job in dem Golf Club anzunehmen an der gleichen Stelle, wo ich früher Reis und Mais angebaut habe."

Caddie Thip (Narne geändert), Santiburi Golf Club in Chiang Rai, zusammengestellt von Anita Pleumarom

 

Prekäre Arbeitsbedingungen

"Wenn ich eine schwere Tasche trage, wird mein Arm ganz taub. Manche Golfer bringen so viel Gepäck mit: Schuhe, Taschen, Golfbälle! Ich kann es oft nicht glauben. Ich hatte sogar eine Fehlgeburt wegen einer schweren Tasche. Da war ich gerade verheiratet und im zweiten Monat schwanger. Der Kunde war Thai, ein sehr freundlicher und guter Mann. Er liess drei Schläger zurück, um mir die Last zu erleichtern. Aber es war immer noch zu schwer, und so kam es zur Fehlgeburt. Ich bückte mich, um die Tasche zu heben, und fühlte einen scharfen Schmerz. Aber ich dachte, ich würde es schon durchstehen. Wenn ich einen anderen Caddie gebeten hätte, mit mir zu tauschen, hätten sie vielleicht gedacht, ich sei egoistisch und würde einer anderen die schwere Tasche überlassen. So hielt ich zwei Runden lang durch. Als ich nach Hause kam, fing ich an zu bluten. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war überall Blut."

Caddie Nija Schwangsiripol, Laem Chabang Golf and Country Club (aus dem Dokumentarfilm »Green Menace - The Untold Story of Golf« von Ing K. und Brian Bennett)

 

Aktivitäten am »19. Loch«

"Ich bin nicht hübsch und kann mich nicht so gut mit Leuten unterhalten. Deshalb bekomme ich nur wenig Trinkgeld. Hübsche Frauen, die gut reden können und ihren Kunden gefallen, können eine Menge Geld einstreichen. Einige Caddies werden von japanischen oder >farang< (westlichen) Golfspielern ausgeführt, um mit ihnen zu schlafen."

Caddie Malee (Name geändert), Golfplatz nahe des Khao Yai National Parks, Thailand

Quelle: Grütter Karin, Plüss Christine (Hrsg.): Herrliche Aussichten! - Frauen im Tourismus. - Zürich : Rotpunktverlag, 1996.

 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012