TO DO! 2013 geht an Projekte in Kambodscha, Mexiko und Iran

AutorIn: Studienkreis Tourismus und Entwicklung e.V.

Auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin ITB wurden gestern die Preisträger des TO DO! 2013 ausgezeichnet. Die Gewinner des jährlichen internationalen Wettbewerbs für sozialverträglichen Tourismus sind das kambodschanische Chambok Community Based Ecotourism Project, das mexikanische Regionalentwicklungsprojekt der Grupo Ecológico Sierra Gorda und die Boomkolbeh - Turkmen Ecolodge in Iran.

Gestern wurden auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin ITB die Gewinner des internationalen Wettbewerbs für sozialverträglichen Tourismus des Studienkreis Tourismus und Entwicklung e.V. prämiert: Der TO Do! 2013 ging an das Chambok Community Based Ecotourism Project in Kambodscha am Kirirom-Nationalpark, das Regionalentwicklungsprojekt der Grupo Ecológico Sierra Gorda im Biosphärenreservat in Querétaro in Mexiko und die Boomkolbeh - Turkmen Ecolodge am Rande des Golestan-Nationalparks in Iran.

Partizipation und Nachhaltigkeit

Die mit dem TO DO! 2013 ausgezeichneten Tourismus-Projekte verfolgen das gleiche Ziel: die Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung durch behutsame und planvolle Entwicklung von touristischen Angeboten in ökologisch wertvollen Gebieten. Wichtigstes Kriterium für die Preisvergabe ist die Partizipation der einheimischen Bevölkerung bei Planung und Umsetzung touristischer Projekte. Auf diese Weise entsteht eine besondere Verbindung von Partizipation, Sozialverantwortlichkeit und Nachhaltigkeit.

Alle drei Projekte liegen jeweils am Rande von oder direkt in Naturschutzgebieten. Aufgrund fehlender Einkommensmöglichkeiten kam es in der Vergangenheit beispielsweise zu illegalen Waldrodungen und Wilderei. Durch die verschiedenen Initiativen zur touristischen Inwertsetzung der landschaftlich attraktiven Regionen entstand eine neue Art der Naturnutzung in Verbindung mit alternativen Einkommensmöglichkeiten - insbesondere für Frauen. Zudem profitiert die in den jeweiligen Regionen lebende Bevölkerung vom schonenderen Umgang mit der Natur und den Aufforstungen. Unterstützt werden diese Konzepte jeweils durch Weiterbildungsangebote und Schulungen, teilweise auch für Urlauber oder Mitarbeiter von Unternehmen.

Kambodscha

Das Chambok Community Based Ecotourism Project liegt etwa 120 km westlich von Phnom Penh in einem landschaftlich reizvollen Waldgebiet mit artenreicher Flora und Fauna. Es besteht seit 2003 und wurde in Kooperation mit der regionalen NGO Mlup Baitong entwickelt, inzwischen wird es aber von einem demokratisch gewählten Komitee selbstverwaltet. Diesem gehören laut Satzung mindestens drei Frauen an. Bereits bei Projektbeginn waren alle neun Dörfer der Gemeinde mit den dort lebenden 750 Familien an allen Prozessen zur Entscheidungsfindung beteiligt.
Dies ist deshalb besonders bemerkenswert, da in Chambok nur wenige Menschen über einen Schulabschluss und Englischkenntnisse verfügen. Durch die Arbeit des Projekts wurde u.a. erreicht, dass über 70 Holzkohlenmeiler stillgelegt und die Jagd auf Wildtiere unter Kontrolle gebracht werden konnten. Die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen wurde gestoppt, touristische Infrastruktur entstand. Zum touristischen Angebot von Chambok gehören Homestay-Unterkünfte und kleine Restaurants sowie eine Vielzahl naturbezogener Aktivitäten wie Wanderungen, Ausfahrten mit dem Ochsenkarren oder Baden am Wasserfall. Die Zahl der Tages- und Übernachtungsgäste hat inzwischen 10.000 pro Jahr erreicht, die Zahl ausländischer Gäste steigt.

Mexiko

Die Grupo Ecológico Sierra Gorda (GESG) wurde ins Leben gerufen, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Sierra Gorda zu verbessern. GESG ist eine Kooperation der Zivilgesellschaft mit heute 75 Initiativen und Kleinstunternehmen. Die knapp 3.900 km2 umfassende Bergregion im Norden Mexikos im Bundesstaat Querétaro wurde 1997 zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt. Die Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an touristischen Entwicklungsprojekten ist fester Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Mit dem UNESCO-Programm "Man and the Biosphere" soll die Naturnutzung durch den Menschen in Einklang mit dem Erhalt der Ökosysteme gebracht werden - was im Gebiet der Sierra Gorda gelang. Zur Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten unterstützte die GESG die Entwicklung von passenden touristischen Angeboten in der Region, von Unterkünften und kleinen Restaurants über Kunsthandwerk bis hin zu kleinen Museen oder historisch interessanten Orten. So verringerte sich auch die finanzielle Abhängigkeit von Geldüberweisungen abgewanderter Familienmitglieder.

Die GESG ist heute nur noch beratend tätig - das operative Geschäft liegt in den Händen der lokalen Bevölkerung. Unterstützung leistet die GESG vor allem durch Marketing, Weiterbildungsangebote oder die Vergabe von Kleinkrediten.

Iran

Die Aktivitäten rund um die Boomkolbeh - Turkmen Ecolodge am Rande des Golestan-Nationalparks im Norden des Iran haben die Jury des TO DO! ebenfalls überzeugt, weil Partizipation von Beginn an essentieller Teil des Konzeptes war. Entscheidungen, die eine Dorfgemeinschaft betreffen, lassen sich hier ohnehin nicht über die Köpfe der Einheimischen hinweg umsetzen. In Tootly Tamak bildet eine Gemeinschaft von sechs Großfamilien einen "Ältestenrat" - auch die Lodge wurde nach Beratungen dieses Rates und den Einwohnern eingerichtet. Sie befindet sich im Besitz einer einheimischen Familie und wurde von den Betreibern gepachtet. Das etwa 120 m2 große Lehmhaus verfügt über 20 Schlafplätze. Im Gemeinschaftsraum sind traditionelle Alltags-Gegenstände, Bekleidung oder Kunsthandwerk ausgestellt - gelegentlich finden Konzerte statt. Regelmäßig werden naturnahe Ausflüge und Exkursionen in den Nationalpark angeboten. Spaziergänge in den Ort selbst sind nur mit Begleitung erwünscht, um ein angemessenes und respektvolles Verhalten der Bevölkerung gegenüber zu gewährleisten.

Auch bei diesem Projekt ergaben sich so für die einheimischen Bewohner alternative Einkommensmöglichkeiten und eine Stärkung des zivilgesellschaftlichen Gemeinwesens. Ein wichtiges Anliegen der Lodge-Betreiber ist zudem die Umweltbildung für die einheimische Bevölkerung.

Alle drei TO DO!-Preisträger sind gelungene Beispiele für den nachhaltigen Erfolg sozialverantwortlicher Konzepte, insbesondere durch die intensive Beteiligung der einheimischen Bevölkerung bei der Tourismusentwicklung. Damit können sie Best-Practice-Beispiele für andere Tourismusregionen darstellen. Die drei Preisträger erhalten jeweils eine TO DO!-Trophäe. Die Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus unterstützt die ausgezeichneten Projekte zusätzlich mit je 5.000 Schweizer Franken, die die Weiterentwicklung der Vorhaben befördern sollen.


Der TO DO! Wettbewerb Sozialverantwortlicher Tourismus wird gefördert von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sowie von: Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung/Tourism Watch, forum anders reisen, ITB Berlin, Schweizerische Stiftung für Solidarität im Tourismus (SST) sowie Studiosus Reisen München GmbH.


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