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		<title>fairunterwegs.org: Peacewatch Blog</title>
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			<title>Die Schulhefte eignen sich besonders gut zum Anzünden - 01 Mai 2009</title>
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			<description>Adla hockt auf ihrem Schemel und reisst langsam ein Blatt aus einem Schulbuch ab. Dann rollt sie...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Adla hockt auf ihrem Schemel und reisst langsam ein Blatt aus einem Schulbuch ab. Dann rollt sie das Blatt fein säuberlich und zündet es am einen Ende andächtig an. Fast so feierlich wie bei einer guten Zigarre geht das. Dann öffnet sie die kleine Luke und schiebt die Rolle hinein.
Das ist überall so. Bei Yasser ist grad ein Bild vom Tagh Mahal dran, bei Nasiha die Skizze zum Pythagorassatz. Und hier bei Adla ein ziemlich rotes Prüfungsblatt. Wenn auch nicht alle gleich gut sind in der Schule. Und auch nicht gleich gut aufpassen, das Papier eignet sich ausgezeichnet zum Anzünden. Jetzt in dieser kalten Zeit. Nachdem es im Januar viel zu warm war, war es im März eher zu kalt, alle mussten heizen. Und nur wir im internationalen Haus haben einen Elektroofen, doch auch der geht nicht immer. Jetzt ist die Elektrizität zum zweiten Mal in einer Woche ausgegangen. Es wird für die ganze Nacht aus sein, gar nichts geht mehr im Dorf. Diesmal auch nicht auf den nahen Hügel-Siedlungen. Etwas kindisch haben wir uns darüber gefreut, dass es diesmal auch die Siedler erwischt hat, die sonst durch bessere elektrische Installationen geschützt sind. Vielleicht haben die Siedler auch keine Holzofen mehr.
Umso schöner ist es dann bei Adla, unserer Nachbarin. Nach dem Papier kommt das Kleinholz. Nie vorbereitet, kommt jeweils ein ganzer Busch in Haus. Die Hauptperson ist der Feuermeister. Hier ist es Adla, die Urmutter, die Hälfte der BewohnerInnen in Yanoun stammen von ihr ab; sonst ist es oft der Vater. Und diese Hauptperson reisst nun die kleinsten Ästchen ab. Das ist manchmal schwierig, denn das Holz ist nicht immer trocken. Und manchmal ist auch die Öffnung im Ofen zu klein. Und manchmal kommen die Zweige zu spät und es braucht ein zweites Blatt aus dem Schulbuch. Und wenn es halt gar nicht geht, etwas Petrol, mitten im Wohnzimmer, und oft mit schlechtem Abgasrohr. Oder schlimmer: Die Feuermeisterin zündet irgendein Stück Plastik an. Das brennt dann gut und die brennenden Tropfen entzünden auch halbfeuchte Äste. Später, wenn das Feuer richtig brennt, wird es erst recht heimelig. Mit einer kleinen Schöpfkelle werden ständig getrocknete Mandelschalen und Oliventräsch nachgeschüttet. Das riecht unheimlich gut. Und dann überhocke ich jeweils etwas. Nicht zu lange, denn beim Morgengrauen haben alle Bergbauern wieder zu tun.
Fast habe ich die zweite Heizung vergessen. Besonders wenn es Fleisch zum Znacht gibt, wird draussen ein richtiges Feuer gemacht. Und später nach dem Braten, wärmt die Holzkohle das Zimmer fast noch besser als der Ofen sonst. Nur darf man nichts nachschütten. Und es schmeckt halt nicht so gut wie die Mandelschalen und der Oliventräsch.
Das werde ich in der Schweiz vermissen.
Peter]]></content:encoded>
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			<pubDate>Fri, 01 May 2009 06:50:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Die traumwandlerische Überlegenheit der ’Westler’ Oder:  60 Jahre UNWRA – kein Grund zum Feiern - 30 April 2009</title>
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			<description>Manchmal diese fragenden und hilfesuchenden Augen. Sie fragen, warum wir nicht mehr machen können....</description>
			<content:encoded><![CDATA[Manchmal diese fragenden und hilfesuchenden Augen. Sie fragen, warum wir nicht mehr machen können. Dann auch mit Worten: Ihr kommt immer wieder zu uns, doch die Siedlungen verschwinden nicht, im Gegenteil, in letzter Zeit und seit den Wahlen in Israel treten die Siedler noch offensiver auf. Oder am Checkpoint: Jetzt warten wir schon über 2 Stunden und Ihr seid hier, warum tut ihr nicht mehr? Oder die Personen in der Zelle: Könnt Ihr uns nicht herausholen? Und dann noch direkter: Wir brauchen Geld für einen neuen Bus oder eine neue Strasse.
Dann erklären wir, dass wir selbst nicht solche Hilfe einfädeln, sondern „nur“ weiterleiten können. Oder das sie selber anrufen können. Das sind sie sich manchmal nicht mehr gewohnt. 60 Jahre abhängig sein, nie genug Raum haben für eigene Entwicklungen. Man gewöhnt sich an die Abhängigkeit. Das ist an allen Ecken zu spüren. Und oft verstärken wir dieses Bild auch. Wir wissen so schnell, was zu tun ist. Wir sind so schnell in der Falle, schnell sind wir diejenigen, die wissen was zu tun ist. Dann sind auch wir Botschafter der Überlegenheit des westlichen Kapitalismus. Die erleben die Palästinenser schon oft genug durch die Israeli: Jene produzieren kostengünstiger, rationeller, machen den Boden maschinell für Massen–Agrar-Business parat. Orangen und Blumen aus dem heiligen Land. Und unser altes Bild vom Kibbutz, der aus nichts oder aus Wüste fruchtbares Land hervorzaubert, ist auch Teil dieses Bildes.
Und von diesem Bild lebt manches in Palästina: Was wird hier schon ohne EU- und UN-Hilfe gebaut. UNWRA (the United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) und OCHA (Office of the coordination of humanitarian affairs), die beiden grossen UNO-Hilfswerke hier in Palästina seit 60 Jahren. Am Schulhaus von Yanoun prangt&nbsp; das EU-Wappen. Und die Sterne auf blauem Grund leuchten beim lokalen EW. Und im Haus nebenan ein halbvoller Sack der UN-Hilfe. Oder in einem Supermarkt in Nablus sehen wir gar einen Sack Milchpulver der UN mit Vermerk 'darf nicht verkauft werden' – es ist wie in einem schlechten Film. Stereotype Vorurteile über fehlgeleitete Entwicklungshilfe. Nein, davon will ich nicht auch noch ein Photo machen. Es ist ja auch eine Ausnahme. Aber die Abhängigkeit ist keine Ausnahme, 60 lange Jahre abhängig sein macht dumpf. ‘Es gibt viele Arten zu töten’ sagt Dorothee Soelle einmal. Man kann auch töten durch Abhängig-Machen, durch Helfen sogar. Das tun umgekehrt auch die Dorfbewohner. Fast täglich bekommen wir das Essen geschenkt, schon warm in Schüsseln. Dann vergessen wir zu kochen, erwarten schon die tägliche Gabe. ‘They are killing us by feeding’, sagen wir dann scherzhaft.
Manchmal ist es noch ganz anders. Da mache ich mein Nickerchen auf einer kleinen Wiese, werde vom Nachbarn geweckt der mich zum Kaffee einlädt. Und plötzlich komm ein Nachbarsjunge mit ängstlichen Augen &quot;mein Vater ist krank, könnt ihr ihm helfen?&quot; Zuerst wittere ich Fragen nach Geld. Doch in der Wohnung merke ich sofort: der Mann ist zutiefst depressiv. Er zeigt mir alle Medikamente, die er im Spital Nablus bekommen hat. Auch den riesigen Streifen seines EEG's. Und dann soll ich ihm helfen. Wieder diese fragenden Augen, als ob ich es wüsste. Ich lese die englischen Beschreibungen (starke Psychopharmaka) und bestärke ihn, die Medikamente regelmässig zu nehmen. Mapsut il hamdilla. Insch allah – Wenn Gott will, wird er helfen. Ich werde auch für dich beten. Diese Hilflosigkeit kenne ich aus meiner Zeit als Spitalpfarrer in der&nbsp; Psychiatrie. Doch hier ist sie gepaart mit den übergrossen Erwartungen an den Internationalen, der mehr kann als die lokalen Ärzte in Nablus. Riesengrosse Heilserwartung, fast wie bei Jesus, denke ich.
Dabei sind wir so hilflos. Doch unsere Hilflosigkeit sitzt tiefer, ist oft kaschiert von Telefonanrufen und Flugblättern oder gar Aktionen. Es ist so schwer, nichts tun zu können und die schwierige Situation bloss mit den Bewohnern zu teilen. Und die Fragen auszuhalten, ohne Antworten zu geben, weder in Worten und schon gar nicht in Taten.
Doch dies ist das einzig Richtige. Nur sie, die Palästinenser können in dieser Sackgasse aushalten, ihren Weg sehen und gehen. Denn eigentlich sind 60 Jahre UNWRA genug. Immer wieder gilt es&nbsp; selber aufzustehen und gerade zu&nbsp; stehen für die Palästinenser. Und für uns, die Falle der&nbsp; schlafwandlerischen Überlegenheit des Westens zu erkennen und zu vermeiden.
Peter]]></content:encoded>
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			<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 07:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Die Trennungsanlage als unmittelbarer Nachbar - 29 April 2009</title>
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			<description>Nach zehn Orientierungstagen in Jerusalem reisen wir in den jeweiligen Teams zu unseren...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Nach zehn Orientierungstagen in Jerusalem reisen wir in den jeweiligen Teams zu unseren Einsatzorten, um uns mit den auf uns zukommenden Aufgaben vertraut zu machen und um die ersten Kontakte mit den Einheimischen zu knüpfen. Im Folgenden möchte ich einen kleinen Einblick in die Situation in und um Jayyous geben, wobei ich mich auf Informationen berufe, die ich in den ersten Gesprächen mit der lokalen Bevölkerung erhielt.
Jayyous ist ein Dorf mit ca. 3'500 Einwohnern, wobei die meisten von ihnen Bauern sind. Die Trennungsanlage verläuft am Rande des Dorfes vorbei, wodurch das Land der Bauern und die sechs Wasserquellen zwischen der Trennungsanlage und der grünen Linie von 1949 liegen. Dadurch müssen die Bauern zur Bearbeitung ihres Landes Kontrollposten passieren. Ausweise sind dafür notwendig, die nach einem undurchschaubaren System von der israelischen Zivilverwaltung bewilligt und eingezogen oder erst gar nicht verteilt werden. Zudem sind die Bauern auf die teils sehr eingeschränkten Öffnungszeiten der Checkpoints angewiesen, wodurch die notwendige Pflege des Gemüses und der Früchte nicht gewährleistet werden kann, was sich auf die Ernte und somit auf das Einkommen der Bauern auswirkt.
Der Bau der Trennungsanlage fand während den Jahren 2002/03 statt. Im Juni 2008 reichte die ACRI (Association for Civil Rights in Israel) im Auftrag der Gemeinde Jayyous eine Petition beim Gericht ein, wobei eine Verlegung des Zaunes auf die Grenzen von 1949 gefordert wird. Das Gericht beschliesst die Notwendigkeit einer Neuverlegung der Route. Daraufhin präsentiert die israelische Armee einen Vorschlag, der jedoch nicht den Forderungen der Petition nachkommt. Nur ca. 2'500 von den 8'600 dunums (1 dunum = 1'000m2) würden auf die palästinensische Seite des Zaunes zu liegen kommen, zudem würden vier Wasserquellen und die Mehrheit der Gewächshäuser weiterhin auf israelischem Gebiet liegen. Des Weiteren ist zu erwähnen, dass durch das Errichten eines neuen Zaunes auf palästinensischem Gebiet wiederum Landwirtschaftsland der Betroffenen zerstört werden würde.
Da die Dorfbewohner mit diesem Entscheid nicht zufrieden sind, werden nun seit November 2008 jeweils am Freitag Demonstration im Dorf durchgeführt. Mitbeteiligt sind Einheimische, Israelis und internationale Friedensaktivisten. Die ursprünglich gewaltfreien Demonstrationen haben jedoch in den letzten Wochen regelmässig zu Eskalationen geführt. Nach dem offiziellen, noch ruhig verlaufenden Teil greifen junge Demonstrationsteilnehmer zu Steinen und bewerfen damit die israelischen Soldaten. Diese reagieren mit Knallschüssen, Tränengas - was auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere hat - Gummigeschossen oder verkünden Ausgangssperren. Da einige Dorfbewohner diese Kollektivstrafen der israelischen Armee satt haben, wird immer mehr Kritik gegen die Organisatoren der Demonstrationen laut. Dorfbewohner, der Bürgermeister, sowie die Palästinensische Autonomiebehörde machen die Organisatoren der Demonstrationen für die aggressiven Ausschreitungen verantwortlich und fordern gewaltfreie Proteste. Die Organisatoren selbst betonen, dass sie einheimische wie anreisende Demonstranten zu gewaltfreien Protesten auffordern, wobei diese Anweisungen nicht befolgt werden. Die Organisatoren sind im Moment unschlüssig, wie sie die Forderung nach einer gewaltfreien Demonstration gewährleisten können. Aus diesem Grunde werden zur Zeit keine offiziellen Demonstrationen organisiert. Das Zustandekommen von nicht offiziell geplanten Protesten, bei denen vor allem junge Menschen teilnehmen, die Soldaten mit Steinen bewerfen, worauf dann das Militär wieder mit ihren Mitteln reagiert, konnte bis anhin nicht verhindert werden.
Jael]]></content:encoded>
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			<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 08:45:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Die ersten Tage in Hebron - 28 April 2009</title>
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			<description>Von Donnerstag bis Samstag fand unser Handover in Hebron statt. Das Bedeutet, dass uns das aktuelle...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Von Donnerstag bis Samstag fand unser Handover in Hebron statt. Das Bedeutet, dass uns das aktuelle Team die Gegend zeigt, uns mit unseren zukünftigen Aufgaben vertraut macht und uns den lokalen Kontakten vorstellt.
Als ich in Hebron angekommen bin, habe ich gleich Unterschiede zu Jerusalem bemerkt: hier gibt es nur wenige Touristen und nur wenige Israelis sind in den Strassen anzutreffen. Offensichtlich „mischen“ sie sich hier nicht mit der palästinensischen Bevölkerung, sie bleiben in der Nähe ihrer Siedlungen. Die grössten dieser Siedlungen sind etwas ausserhalb der Altstadt gelegen, die kleineren Befinden sich hingegen im Herzen der palästinensischen Stadt (so z. B. Tel Rumeida). Dies ist der Grund für viele Probleme hier, die Siedler bewerfen PalästinenserInnen mit Steinen und Müll. Davon habe ich vorher schon gehört und es ist wirklich schmerzlich anzusehen. Traurig ist auch, dass sich gleich neben der Ibrahimi Mosche und der Cordobaschule je ein Checkpoint befindet. Betroffen bin ich auch von der „Geisterstrasse“, wo früher ein lebendiger Markt war, sind die Läden von der israelischen Armee geschlossen worden. Geht man heute dieser Strasse entlang, sieht man nur grüne und violette Ladentüren. Leider helfen auch die Farben nicht und die Strasse ist kein schöner Anblick.
Dies sind meine ersten Eindrücke von Hebron. Aber bevor ihr denkt diese Stadt ist deprimierend, lasst mich auch noch von den wundervollen Menschen dort erzählen. So gibt es etwa den Ladenbesitzer im alten Souk, welcher uns immer Tee anbietet, wenn wir vorbei gehen, viele gastfreundliche Familien mit ihren vielen Kindern, welche alle schon attackiert und von SiedlerInnen beschimpft wurden und Mädchen der Cordobaschule, die perfekt Englisch sprechen und sich gern mit uns unterhalten, verschiedene Organisationen und ganz besonders auch unser zuvorkommender Vermieter.
Alle diese Personen treffen wir regelmässig und sie helfen, uns in Hebron wohl zu fühlen. Als Gegenleistung hoffe ich, sie durch meine Anwesenheit etwas unterstützen zu können, ihnen zuzuhören und etwas Zeit mit ihnen zu verbringen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Beziehungen etwas Farbe nach Hebron bringen.
Joelle]]></content:encoded>
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			<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 08:39:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Der FC Aqraba ist nicht fair - 27 April 2009</title>
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			<description>Ghassan ist unser Fahrer. Er gehört fast als fünftes Wagenrad zu unserem Team. Er fährt uns, wohin...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ghassan ist unser Fahrer. Er gehört fast als fünftes Wagenrad zu unserem Team. Er fährt uns, wohin wir wollen. Er kennt jede Familie, auch in Dörfern weit weg. Er wartet stundenlang auf uns. Er hilft uns beim Einkaufen schwieriger Dinge. Er übersetzt, wenn es nötig ist. 
Erst seit einigen Tagen weiss ich, dass Ghassan auch der Coach beim hiesigen FC ist, den er gegründet hat und in dem er auch lange Jahre gespielt hat. Darum kennt er doch alle Jungen. Besonders den etwas ausgefransten sagt er besonders aufmunternd Grüezi, hält mit dem Auto sogar kurz an und lässt die Scheibe runter. Wir reden von Integration auf dem Fussballfeld: Auch Palästinenser sind nicht gleich Palästinenser: die verschiedenen Herrscher und Besatzungsmächte haben hier ihre Spuren hinterlassen. Wer eine besonders dunkle Hautfarbe hat, wird gerne ausgegrenzt. Mit einem Seitenblick auf Ghassan denke ich, dass Ghassan weiss, wovon er spricht.
Und ich werde wieder wütend auf den Stadtpräsidenten von Aqraba: Dieser ehemalige Lehrer sitzt auf dem hohen Ross und geniesst es, bedeutend zu sein. Uns fragt er zuerst nach dem Uni-Abschluss: ob wir einen haben. Theologie zum Beispiel zählt natürlich nicht, das kennt er schon gar nicht. Und für die Imame hat er glaube ich auch nicht viel übrig. Doch die Höhe war das kürzliche Gespräch: &quot;Ist denn euer Ghassan-Taxifahrer fair (in seinen Preisen)?&quot; &quot;Ja er ist und wie.&quot; Doch der Präsident fährt fort: &quot;Nein, er ist nicht fair. - Er ist dunkel.&quot; Die Doppelbedeutung von fair im Englischen.
Und der Präsident grinst. Ja, Ghassan weiss, wovon er spricht. Er hat in den letzten Jahren auch ein Jugendhaus gründen helfen. So ist es auch in Sirnach manchmal. Menschen, die selbst wissen, wie schwer Integration ist, leiten andere zur Integration an. Und das geschieht halt manchmal mehr in Jugendhäusern und fast immer mehr auf dem Fussballplatz als in der Kirche. Als Pfarrer habe ich das lernen müssen. Fussball richtet auf, gibt Identität. Das sieht man auch auf den Plakaten, jetzt noch manchmal überlebensgross: Yassir Arafat und Sepp Blatter. Und beide geniessen dies. Ein Zeichen für den Fussball und für Palästina. Und für die beiden alten, manchmal auch etwas gerissenen Männern damals. Und bis heute.
Peter]]></content:encoded>
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			<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 06:16:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>&quot;Das Meiste habe ich von meinen Kindern gelernt&quot; - 24 April 2009</title>
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			<description>- hat Dimitri gesagt, der Clown von Ascona. Und so ist es auch.
Umm Jakob wird Birgitta genannt,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[- hat Dimitri gesagt, der Clown von Ascona. Und so ist es auch.
Umm Jakob wird Birgitta genannt, meine Kollegin in Yanoun. Vor einem Jahr ist ihr Sohn Jakob hier gewesen. Und dann hat er so lebendig erzählt, dass auch die Mutter Feuer gefangen hat. Und hier in Yanoun hat er so hoffnungsfroh und voller Ausstrahlung gelebt, dass sich noch alle gut an ihn erinnern können. Und darum hat Birgitta einen grossen Vorschusskredit, wenn wir Leute besuchen. Umm Jakob, das bezeichnet eine tiefe Würde. Nicht zum ersten Mal ist das so, auch im letzten Team war ein Vater eines ehemaligen EAPPI-Mitglieds in Yanoun. Abu EAPPI, das ist vielleicht noch mehr. Der Vater halt. Yanoun steckt an. Wohl weil alle, die hier sind, sich bald zuhause fühlen und ein Stück ihrer Seele hier lassen. Das werde ich wohl auch.
Auch wenn ich das Umgekehrte immer wieder erlebe: Zwar sage ich ernstaft, ich bin Abu Martina. Doch das sagt man wirklich nicht. Wenn man nur Mädchen hat, schweigt man besser – ich schweige nicht.
Sondern ich erzähle dann, was ich von meinen Töchtern gelernt habe: Das Teetrinken vor dem Morgenkaffee etwa. Oder der partnerschaftlich klare Umgang mit Schulkindern. Der Ausdruck des Lebens im Tanz oder das kindliche Spiel.
So wie ich es bei Dimitri gelernt habe in einem zweiwöchigen Kurs zur theatralischen Improvisation. Und weil mir dies so viel gebracht hat, haben wir unseren Kindern allen zum 20ten Geburtstag einen Gutschein für einen Dimitrikurs geschenkt – sie sind alle in verschiedene Kurse gegangen, und was sie dabei gelernt haben, haben sie wieder uns Eltern gelehrt. Wie Nina auch. Ich treffe sie in Aqraba. Wir warten auf eine Demonstration gegen die Landenteignung und Hauszerstörung im Weiler Tawayel. Auch Nina ist eine Internationale, sie ist in Palästina für ISM unterwegs, International Solidarity Movement. ISM tritt stärker auf als wir, junge Aktivisten halt, mit einem Hang zur theatralischen Selbstdarstellung. Das kann manchmal gut sein, wenn Internationale Dinge beim Namen nennen was die Palästinenser nicht immer tun können. Manchmal ist es auch einfach jugendlicher Übermut. Und wenn es schlimm kommt, ist es eine neue Art von Kolonialismus: dann bewundern die Palästinenser mit staunenden Augen, wie mutig die Internationalen doch sind. Und manchmal müssen sie dann auch trauern, weil die ISM zu fest provoziert hat und die Siedler, die Soldaten oder die Polizei entsprechend zurückschiessen. 
Umgekehrt, das muss ich hier anfügen sind wir EAPPI`s manchmal auch etwas flügellahm: Sehen, gesehen werden und berichten. Das ist zwar ein gutes Programm. Doch manchmal bräuchte es doch etwas mehr. Und dann sind uns die Hände gebunden. Nina kommt aus Norwegen, ich komme aus der Schweiz. Ihre Schwester studiert gerade in der Schweiz, im italienischen Teil. Eine breite Schauspielerausbildung bei einem Clown. Und dann müssen wir lachen: wie klein ist doch die Welt. Jetzt ist also die Schwester von Nina bei Dimitri in der Ausbildung. 
Später bei der Demo sind die ISM- Leute ziemlich mit sich beschäftigt, Nina sieht mich gar nicht mehr, wenn ich vorbeigehe. Denn sie stehen im Kreis und beratschlagen. Jugendliche Selbstvergessenheit, die sich im eigenen Kreis dreht. Doch dann beginnt vorne eine wirkliche Theateraufführung. Jugendliche aus Aqraba spielen das Leben auf dem Land, wie die Siedler sie vertreiben wollen. Und wie die Dörfler sich wehren. Sie spielen gut und ausdrucksstark, die jungen Aqraba-Leute. Jetzt staunen auch die ISMler, vergessen ihren möglichen Auftritt und lernen von diesen Jungen. 
Peter]]></content:encoded>
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			<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 07:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>An heiligen Wassern - 23 April 2009</title>
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			<description>Wir sitzen an der Elisa Quelle in Jericho, geniessen das kühlende Nass, baden unsere Füsse in...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wir sitzen an der Elisa Quelle in Jericho, geniessen das kühlende Nass, baden unsere Füsse in fliessendem Wasser und lesen auf dem Mosaik: Friede seit 10000 dank frischem Wasser. Wir denken zurück: Vor einer Stunde haben wir hoch oben am Berg unseren Espresso genossen, serviert von einem überaus freundlichen Kellner und erst noch mit einem Becher Wasser dazu: frisch abgefülltes Mineralwasser aus Jericho haben wir getrunken: Ein Wunder, dass es das noch gibt, lokales Mineralwasser von und für Palästinenser. Fast wie das Wunder von Elisa, der – gemäss der Bibel - die vergiftete Quelle von Jericho geheilt hat, damit Jericho weiter leben kann, die Menschen und Tiere in dieser Stadt. Auch heute brauchen wir solche Entgiftung des Wassers: Darum hebe ich die Beschriftung dieses Mineralwassers&nbsp; vorsichtig auf, auch wenn ich sie nicht verstehe, weil sie in Arabisch geschrieben ist.
Doch vorher haben wir den Berg der Versuchung erstiegen. Der Taxifahrer mit einem Blick zu meiner Seite hin: Sind sie sicher, dass sie diese Strapaze überleben werden, zweimal hat er gefragt und dann erst noch nach meinem Alter: ”64 Jahre – ich bin erst 35 und würde das nicht mehr schaffen, sind sie ganz sicher?” Nein, er will nicht einfach mehr verdienen und uns nicht einfach zurückfahren: er ist ernstlich besorgt um mich. Doch wir haben genug Wasser mitgenommen. Es ist an diesem Tag schon sommerlich warm. Und die Versuchung Jesu hat bekanntlich in der Wüste stattgefunden. Oben erwartet uns ein überwältigender Überblick über Jericho und das tote Meer: Ja Jericho ist wirklich eine Oase. Ohne gutes Süsswasser wäre hier nur eine Wüste zu sehen. Eigentlich ist heute das Kloster geschlossen, doch der alte Mönch öffnet uns bereitwillig Kloster und Kirche, hoch oben an die Felswand geklebt. Die Versuchung Steine in Brot zu verwandeln. Die Versuchung die Welt zu Beherrschen. Die Versuchung herunter zu springen. Alle diese biblischen Versuchungen liegen hier nahe und werden gebündelt in der Einen: Die Versuchung das Wassermonopol zu bekommen.
Vor zwei Jahren in der Türkei: Mineralwasser von Nestle, der Multi streckt sich nach dem neuen Gold aus. Vergiftetes weil beherrschendes Wasser. Oder die Erinnerung: Schon vor 15 Jahren ein Artikel, der den nächsten Krieg als Krieg ums Wasser ortet. Dieser geschieht heute schon: Der Kampf um den riesigen Stausee in der Türkei. Oder das Wasser des See Genezareth, das die riesigen Plantagen in der Jordanebene bewässert. Und schon jetzt zu Wassermangel führt, grassierend grösserem Wassermangel jedes Jahr. Manchmal ist das Wasser, 300 m unter Meeresspiegel, schon so versalzen, dass nichts mehr wächst, wie am toten Meer. Vergiftetes Wasser.
Damit die Hallen- und Freiluftbäder in den Kibbuzim noch in tiefem Blau leuchten. Doch die wenigen palästinensischen Felder verdorren, weil sich Palästinenser das Wasser nicht leisten können (es ist für sie um ein mehrfaches teurer als für die Israeli). Zugegeben, auch unser palästinensisches Hotel hat einen Swimmingpool, ist auch sündhaft teuer. Und doch geniessen wir es, einmal auszuspannen nach all unserer Arbeit: drei Oasentage inJericho. In einem palästinensischen ****Hotel. Damit unser Geld zu den Palästinensern geht und nicht auch wieder an die Israeli. Diese verdienen schon genug an den Wasserrechten. Die Mauer, die Israel und Palästina trennt, macht jeweils einen grossen Bogen ins palästinensische Stammland, wenn dort gute Quellen vorhanden sind. Dann gehört die Quelle neu zu Israel und&nbsp; so müssen die Palästinenser das eigene Wasser zu horrenden Preisen zurückkaufen, wie auch das Mineralwasser: Fast alles Mineralwasser kommt aus Israel (neben diesem kleinen Nischenprodukt aus Jericho). Doch jüngstens nicht mehr: Jetzt ist ganz nahe bei unserem Dorf Yanoun, zwischen Aqraba und Beita eine eigene Mineralwasserfabrik entstanden, durch US-Hilfe sogar, die das palästinensische ‘Yannabia’ produziert. Jetzt können die Leute in Palästina also Yannabia kaufen, ein kleines Stück freier Zugang zum Wasser&nbsp; und Unabhängigkeit von Israelis und Multis.
So ergänzt sich das Wunder von Jericho seit 10'000 Jahren: die älteste Stadt der Welt, weil hier in der Wüste frisches Wasser quillt. Mit dem Wunder von 2'700 Jahren: als Elisa das vergiftete und wohl auch versalzene Wasser geheilt hat. Und dem Wunder vor 2'000 Jahren als Jesus widerstanden hat, die Welt zu beherrschen. Und mit dem Wunder heute: wenn in Jericho das Wasser sorgfältig gefasst&nbsp; und sogar abgefüllt wird, dann bleibt das Wasserrecht in Palästina. Ein palästinensischer Polizist hat uns geführt, zur alten Wasserquelle von damals und zur Wasserfassung, modern und sauber. Es war eine erfrischende Begegnung voll Lebendigkeit – die Polizei &quot;dein Freund und Helfer&quot;.<br />Und die Hoffnung, dass dies auch weiter so sein darf: gegen die Welt beherrschenden Multis, gegen den Krieg ums Wasser – damit jede und jeder das Wunder von fliessendem Wasser erleben darf und alle, alle Menschen und Tiere auf unserem Planeten in Frieden leben können.
Peter]]></content:encoded>
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			<category><a href="laender/israel/in-kuerze.html" title="Israel">Israel</a></category>
			<category><a href="laender/palaestina/in-kuerze.html" title="Palästina">Palästina</a></category>
			
			
			<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 06:52:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Puzzlespiel in Jerusalem - 22 April 2009</title>
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			<description>Um uns auf den kommenden Einsatz in den verschiedenen Placements vorzubereiten, finden während gut...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Um uns auf den kommenden Einsatz in den verschiedenen Placements vorzubereiten, finden während gut einer Woche in Jerusalem die Orientierungstage statt. Auf dem Programm stehen Vorträge von lokalen und internationalen Organisationen, die Auseinandersetzung mit historischen, kulturellen und religiösen Aspekten Jerusalems und des ganzen Landes, aber auch programmbezogenene Inputs zu Teamarbeit, Sicherheit und Umgang mit Stress. Die verschiedenen Vorträge und Präsentationen erscheinen mir wie einzelne Puzzleteile, die die Komplexität der Situation und die Verschiedenheit der Menschen und ihrer Einstellungen hier in Israel und Palästina verdeutlichen.
Besonders das Engagement, der Mut und die Ausdauer von Einheimischen, die sich für einen gerechten Frieden in diesem Land einsetzen, beeindrucken mich immer wieder. Einer unter ihnen ist ein dreissigjähriger Israeli, aktives Mitglied der Organisation Breaking the Silence.
Dies ist eine Organisation von ehemaligen israelischen Sodaten, die Aussagen sammeln von Leuten, die während der zweiten Intifada in den besetzten palästinensischen Gebieten Militärdienst leisteten. Sie sind Zeugen und Mitbeteiligte von fragwürdigen militärischen Aktionen wie Plünderungen und Zerstörungen von Eigentum. Während diese Realität bei israelischen Soldaten und Befehlshabern bekannt ist und als militärische Notwendigkeit oder als extreme und einmalige Fälle entschuldigt werden, verleugnet die israelische Gesellschaft was in ihrem Namen geschieht. Entlassene Soldaten, welche ins zivile Leben zurückkehren, entdecken die grosse Lücke zwischen der Realität, welche sie während dem Militärdienst erlebten, und dem Schweigen, welchem sie zu Hause begegnen. Um wieder ein Zivilist zu werden, werden die Soldaten gezwungen, ihre vergangenen Erfahrungen zu ignorieren. 
Bis heute interviewte Breaking the Silence hunderte von Soldaten. Mit diesen Zeugenaussagen möchte die Organisation in der israelischen Gesellschaft ein Bewusstsein schaffen für die Realität. Diese Aussagen wurden veröffentlicht, unter anderem auf der Webseite der Organisation, in Büchern, durch Lesungen und geführte Touren durch Hebron. Diese und weitere Informationen, sowie Zeugenaussagen und Bilder sind auf der Homepage der Organisation zu finden: www.shovrimshtika.org. 
Jael]]></content:encoded>
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			<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 05:58:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Tropfen im Ozean - 21 April 2009</title>
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			<content:encoded><![CDATA[Vor einer Woche bin ich mitten in der Nacht in Tel Aviv angekommen, mein erster Besuch in Palästina und Israel. Ich werde keine Touristin sein, sondern als ökumenische Begleiterin zuerst in Hebron und dann in Yanoun arbeiten.
 Meine erste Woche hier habe ich in Jerusalem verbracht und den alten Stadtteil mit seinen verschiedenen Quartieren (Jüdisch, Christlich und Muslimisch) erkundet. Ich habe mir auch Zeit genommen und den Menschen um mich herum zugehört - auch wenn ich kein Wort verstanden habe - einfach um die Atmosphäre und die Kultur kennen zu lernen.
Daneben ist die erste Woche voll von Unterrichtsstunden, Konferenzen und Vorträgen über die Situation der besetzten Gebiete und unsere zukünftigen Aufgaben. 
Wir hatten die Möglichkeit verschiedenen Repräsentanten von Friedensorganisationen zuzuhören, darunter auch zwei Israelische Menschenrechtsorganisationen: Machsom Watch und Breaking the Silence. Die erste ist eine Gruppe von israelischen Frauen, welche gegen die Besatzung der palästinensischen Gebiete sind und hauptsächlich die Checkpoints beobachten. Die zweite Organisation ist ein Zusammenschluss von ehemaligen IDF (israeli defence Force), Soldaten, welche ihr Schweigen über ihre Erlebnisse in der Armee brechen. Die meisten haben während der zweiten Intifada gedient und machen ihre Aussagen öffentlich. Dadurch möchten sie an das Gewissen der israelischen Gesellschaft appellieren und sprechen sich somit gegen ihre Vorgesetzten aus. 
Ich persönlich war sehr von dem Mut der Mitglieder beider Organisationen beeindruckt. Gegen die eigene Gesellschaft und den eigenen Staat zu sprechen, ist nicht einfach. Zudem habe ich mich gefragt, ob solche Organisationen wirklich einen Unterschied machen? Tatsächlich ist ihr politischer Einfluss sehr begrenzt. Auch ihre Aktionen lösen den Konflikt nicht. Sie sind wie Tropfen im Ozean: sie sind unwichtig, aber alle zusammen machen sie einen Unterschied, bringen sie den Menschen doch Hoffnung. 
Joelle]]></content:encoded>
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			<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 06:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Was bleibt denn von Palästina - 20 April 2009</title>
			<link>http://www.fairunterwegs.org/no_cache/jung-fair/einsatz-fuer-menschenrechte/blog-palaestinaisrael/blog-detail/article/was-bleibt-denn-von-palaestina-20-april-2009.html</link>
			<description>Vom Jordan aus wird alles sonnenklar. Zwar sieht man nicht oft klar über den Jordan, wegen dem...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Vom Jordan aus wird alles sonnenklar. Zwar sieht man nicht oft klar über den Jordan, wegen dem Dunst und der Distanz. Doch wenn man im Jordantal ist und zurückblickt, wie wir jetzt heute früh unterwegs nach Jericho, dann scheint alles so grässlich klar im strahlenden Morgenlicht: Tana, Tawayel, Yanoun, alles zum Greifen nahe, alles dasselbe. Zwar müssen wir stundenlang wandern oder mindestens eine Stunde Auto fahren, um nach Tana zu kommen. So abgelegen ist dieses Bergtal. Und jetzt dies: alle diese Dörfer liegen am Abhang dem Jordan zu. Ganz unten die Gemüseplastikproduktion. Nur noch ganz wenige Palästinenser haben hier unten nicht vertrieben werden können. Und die Landwirtschaftssiedlungen zieht es auch die Hügel hinauf gegen die Samaria Berge. An jedem flachen Landstück glänzen die Planen. Und hinter diesen Planen unsere Dörfer. Nur sieht man das von oben meistens nicht. Von Aqraba aus wäre man in einer viertel Stunde im Jordantal, wenn man dort durchgehen dürfte und die Strasse nicht blockiert wäre. Jetzt geht dasselbe eine Stunde. Unsere Dörfer gehören zum Jordantal. Und das Jordantal gehört... fast hätte ich geschrieben:&nbsp; dem israelischen Staat, den real ist es so. Und davon, dass das fruchtbare Jordantal&nbsp;eigentlich zur Westbank gehört, davon redet gar niemand mehr, so real ist das. Doch das Jordantal gehört den Palästinensern.
Auf einer etwas älteren Karte ist auch östlich der Samaria Berge der geplante Verlauf einer Mauer eingezeichnet. Wenn das wahr würde, was bleibt denn von Palästina? Westlich die Mauer zu Israel hin. Östlich die Mauer zum Jordantal hin. Und dazwischen eingeklemmt ein manchmal nur wenige Kilometer breiter Streifen: Palästina. Ein Palästina, das zudem mindestens an zwei Orten in Jerusalem und in Bet-El (nahe bei uns) keinen Raum mehr lässt, sondern von links und rechts gänzlich aufgefressen ist.&nbsp; 
So blicken wir also von diesem wunderbaren Jordantal hinauf auf die wunderbaren, leicht wüstenartigen Berge von Samaria. Wir sind einerseits überwältigt von diesem Anblick und zugleich entsetzt: schonungslos erkennt man von hier aus die Absicht, mehr Land einzunehmen und man wird verstimmt.<br />Nein, das darf nicht wahr werden. Und darum sind wir in diesem Weiler Yanoun. Und auch wenn es meistens so überaus ruhig ist und friedlich in unserem Dorf und mit seinen Bewohnern. Das hier ist die Realität: Der Blick vom Jordantal zurück zeigt uns, warum wir hier sind.
Peter Schuele]]></content:encoded>
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			<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 08:36:00 +0200</pubDate>
			
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