Aktuelle Themen:
02. Februar 2012
Kenia: Deutscher Reiseverband verurteilt Vertreibung der Samburu
Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hat Kenias Regierung aufgefordert, eine Lösung zur Lage des...
02. Februar 2012
Warnung vor GMC: Ein unseriöser Ferienanbieter betrügt Reiselustige mit Behinderung
Ferien sind für Menschen in unseren Breitengraden die Zeit der Erholung vom Arbeitsstress und der...
01. Februar 2012
Bottled Life – Die Wahrheit über Nestlés Geschäfte mit dem Wasser
Urs Schnell (Regie) und Res Gehriger (Recherche), Schweiz 2011
Menschenrechte
Hinfahren oder nicht?
Reisen in Länder, wo elementarste Menschenrechte verletzt werden, werfen heikle Fragen auf. Hinfahren oder nicht? Gemäss den Berichten von Amnesty International machen sich fast alle Staaten der Welt Verletzungen der Menschenrechte ihrer BürgerInnen zu schulde. Wo kann man denn überhaupt noch mit gutem Gewissen hinfahren?
Darauf gibt es keine einfache "pfannenfertige" Antwort. Wir meinen, es gilt in jedem Fall differenzierter hinzuschauen und sorgfältig abzuklären: Was hat der Tourismus mit den Verletzungen der Menschenrechte im Reisezielland zu tun? Werden im "Interesse" des Tourismus Rechte der einheimischen Bevölkerung verletzt? Werden Einheimische vertrieben, um Luxusanlagen Paltz zu machen? Wird Bauernfamilien das Wasser abgegraben und Fischern der Zugang zum Strand verwehrt? Sind Kinder ungeschützt der Ausbeutung im Tourismus preisgegeben? Werden Menschen im Gastland daran gehindert, ihre Rechte auf ein würdiges Auskommen wahrzunehmen und ihre Mitbestimmung und Beteiligung am Tourismus einzufordern? Zum Beispiel auch für gerechte Arbeitsbedingungen einzustehen oder gegen Vorhaben des Tourismus zu protestieren?
Dabei stellt sich weniger die Frage, ob man in ein bestimmtes Land fahren soll oder nicht, sondern ob man sich mit einer Ferienreise - mehr oder weniger unwissentlich - zu Komplizen von Menschenrechtsverletzungen macht. Da sind Reisende genau so wie die Reiseveranstalter gefordert, gezielt Anbieter in den Destinationen zu wählen, die eine Menschenrechtspolicy verfolgen und aktiv dafür sorgen, dass die Rechte der Einheimischen und ihre faire Mitbeteiligung am Tourismus gewahrt werden. Es kann wie in Tibet auch sein, dass Einheimische dank der Präsenz von ausländischen Reisenden ihre Rechte besser wahrnehmen können.
"Tourismusboykott" ist als Schlagwort jeweils schnell zur Stelle. Doch ein Boykott - ein Land mit politischen und wirtschaftlichen Sanktionen zu belegen oder zu deklarieren, dass Reisen in dieses Land nicht getätigt werden sollen - ist eine gewichtige Maßnahme, die nicht leichtfertig, aus einer Aktionslaune heraus, ergriffen werden kann.
Für den arbeitskreis tourismus & entwicklung ist klar: Ein Tourismusboykott eines bestimmten Landes bzw. einer bestimmten Region macht nur Sinn, wenn
- Einheimische dazu aufrufen bzw. wir von demokratisch repräsentativen einheimischen Kräften klar wissen, dass ein Boykott-Aufruf an Reisende und die Reisebranche bei uns gewünscht wird
- ein Tourismusboykott eingebettet ist in einen weitergehenden Boykott-Aufruf im wirtschaftspolitischen Bereich
Die Kontroverse zu Burma
Anfang 1996, als die gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Zuge der Vorbereitungen auf das vom Militärregime ausgerufenen Tourismusjahr "Visit Myanmar Year 1996" ruchbar wurden, appellierten die demokratischen Kräfte des Landes – Nobelpreisträgerin und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die Nationale Liga für Demokratie (NLD) sowie zahlreiche demokratisch gewählte Abgeordnete im Exil – an westliche Investoren und Reisende, erst nach Burma zu kommen, wenn sich ein echter Prozess der Demokratisierung abzeichne und die Einheimischen in Freiheit leben könnten.
Im Mai 2011 revidierte die NLD unter dem Eindruck der ersten zaghaften Schritte auf eine politische Öffnung im Lande ihre Haltung gegenüber dem Tourismus: In einem offiziellen Statement heisst sie BesucherInnen willkommen, "die auf das Wohl der breiten Bevölkerung und den Schutz der Umwelt Wert legen und Einblick in das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben des Landes erhalten möchten, während sie ihren Urlaub in Burma geniessen".
Lesen Sie den Aufruf der Demokratiebewegung Burmas für einen verantwortungsvollen Tourismus – NLD-Statement, Mai 2011 (pdf, 32 kb)
Der arbeitskreis tourismus & entwicklung unterstützt seit 1996 gemeinsam mit zahlreichen Menschenrechtsorganisationen die Appelle der legitimen demokratischen Kräfte Burmas und verfolgt die umstrittene Debatte zu Reisen nach Burma mit aktuellen Meldungen und Stellungnahmen.
Mehr dazu hier:
Demokratische Opposition Burmas heisst verantwortlichen Tourismus willkommen - Meldung vom 7. Juni 2011
sowie unter Burma/Brennpunkt Tourismus
News
20. September 2011 Es reicht nicht, die israelische Politik verbal zu kritisieren
Heute wird in der UNO-Vollversammlung über den Antrag der palästinensischen Autonomiebehörde beraten, Palästina als UNO-Mitgliedsstaat aufzunehmen. Dieser Schritt würde den internationalen Druck auf Israel erhöhen, die...
19. Juni 2011 Burmas Richtungswechsel nirgendwohin
Die demokratische Führerin und Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi feiert heute, am 19. Juni, ihren 66. Geburtstag. Nach 15 Jahren unter Hausarrest ist sie heute frei - auch auf Druck einer internationalen Kampagne, verbunden mit...
07. Juni 2011 Demokratische Opposition Burmas heisst verantwortlichen Tourismus willkommen
Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) – trotz ihrem Ausschluss von den äusserst undemokratischen Wahlen vom Herbst 2010 und ihrer vom Regime erzwungenen Auflösung noch immer die repräsentativste Kraft der demokratischen...
30. März 2011 Blatter und der burmesische Geschäftsmann
Joseph Blatter hat in Burma die Eröffnung zweier Entwicklungsprojekte des Weltfussballverbands gefeiert. Doch die Fifa steht im Verdacht, gegen Schweizer Sanktionsbestimmungen verstossen zu haben. Das Staatssekretariat für...
08. März 2011 "Tourismus ist keine menschenrechtsfreie Zone"
Zum Start der weltgrössten Tourismusmesse ITB in Berlin fordern der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Amnesty International und Survival International von Politik und Reiseunternehmen Impulse für mehr Menschenrechte im...
02. März 2011 Lesereise: Fair unterwegs mit Manon Schick, Kämpferin für die Menschenrechte
Für Manon Schick, seit diesem Jahr neu Geschäftsleiterin von Amnesty International Schweiz, sind Liebes- und Familiengeschichten oder Ferien nicht von ihrem menschenrechtlichen, politischen Hintergrund trennbar. Ein offener Blick...
24. Januar 2011 Der neue fairunterwegs-Newsletter zu Tourismus und Sicherheit
Basel, 24.01.2011, akte/ Wir sind erleichtert, dass in Tunesien das Ende des Ben Ali-Regimes bisher nicht zu noch schlimmeren Auseinandersetzungen geführt und die Bevölkerung Grund zur Hoffnung auf einen echten Wandel hat....
