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Beschämend: Die Lohngleichheit kommt nicht vom Fleck
380'000 Franken: Um so viel werden die Frauen in der Schweiz wegen ungleicher Löhne in einem Arbeitsleben betrogen. Dazu leisten sie noch zweimal mehr unbezahlte Arbeit als die Männer. Christine Michel vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund fordert deshalb: "Hört die Lohndiskriminierung nicht auf, so braucht es Behörden mit Untersuchungs- und Durchsetzungskompetenzen sowie einer Ombudsfunktion." Deshalb braucht es den Druck von der Strasse am 14. Juni, dem 20. Jubiläum des Frauenstreiks von 1991.
Der Medianlohn der Männer liegt bei 6'179 Franken, derjenige der Frauen bei 4'954 Franken. Die Differenz beträgt somit 1‘225 Franken. Die Lohndifferenz gemessen am Medianlohn beläuft sich auf 19.8 %. Die Lohndiskriminierung beträgt 9,4 %. Im Jahr 2006 betrug sie noch 9,1 %. Sie ist somit gestiegen. [Nimmt man dagegen die nicht standardisierten, öffentlich ausbezahlten Nettolöhne, dann verdient ein Mann im Durchschnitt 6427 und eine Frau 3745 Franken.]
Umfassende Benachteiligung
Frauen sind oft in Tieflohnbranchen und prekär beschäftigt. Von den mehr als 400‘000 Arbeitnehmenden mit Tiefstlöhnen sind zwei Drittel Frauen. Frauen sind aus familiären Gründen viel häufiger als Männer teilzeiterwerbstätig. Mehr als drei Viertel der Beschäftigten mit einem Pensum von weniger als 90 Prozent sind Frauen. Frauen leisten fast das Doppelte an unbezahlter Betreuungs- und Familienarbeit. Frauen besetzen rund 77 Prozent der Stellen mit einem Lohn unter dem Koordinationsabzug der zweiten Säule. Fazit: Frauen haben ein deutlich niedrigeres Einkommen zur Verfügung als die Männer. Besonders spürbar ist das bei einer Trennung oder Scheidung. Beträchtliche Auswirkungen hat das niedrige Einkommen aber auch bei den Sozialversicherungen: tiefere Renten bei der AHV, allenfalls gar keine Rente aus der Zweiten Säule, tiefes Arbeitslosentaggeld.
Die Lohngleichheit, d.h. gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit, ist zentral auch im Hinblick auf eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit. Lohndifferenz und Lohndiskriminierung stärken die traditionelle Rollenteilung zwischen Mann und Frau und stehen einer besseren Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit insbesondere für Frauen im Weg.
Lohndiskriminierung bleibt hoch
Seit 30 Jahren haben wir die Gleichstellung in der Bundesverfassung verankert, seit 15 Jahren ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Lohndiskriminierung ist gesetzeswidrig. Alle wissen das – und trotzdem geht sie kaum zurück. Die oben stehenden Grafiken zeigen für die Jahre 2006/08: 
- Diskriminierungsabau bei der chemischen Industrie (- 0,3 %) und beim Detailhandel (- 0,9 %), wo die Diskriminierung jedoch für eine so grosse Branche mit einem Frauenanteil von 68.3 Prozent beschämend hoch liegt!
- Diskriminierungszunahme beim Maschinenbau (+ 0,3 %), beim Kreditwesen (+0,9%) und bei der Reinigung (+ 0,6 %). In der Reinigung beträgt die Lohndiskriminierung mittlerweile über 10 %, im Maschinenbau über 14 % (!).
- Stagnation auf hohem Niveau im Verlags- und Druckgewerbe (11,9 %). Es ist beschämend: Bei der Beseitigung der Lohndiskriminierung ist im Überblick nicht nur eine Stagnation festzustellen. Im Vergleich 2006 zu 2008 ist insgesamt sogar eine Zunahme festzustellen.
Die Dachverbände der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden sowie der Bund haben den Lohngleichheitsdialog ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Löhne zu überprüfen. Falls Diskriminierung festgestellt wird, muss sie beseitigt werden. Zehn Unternehmen und zwei Verwaltungen haben sich bis heute dem Lohngleichheitsdialog angeschlossen. Der Lohngleichheitsdialog wäre ein guter Weg, wenn ihn genug Unternehmen nutzen würden. Das ist aber bis heute nicht der Fall!
Deshalb werden wir am 14. Juni, dem nationalen Aktions- und Streiktag, auch für Druck von unten sorgen. Ziel: es muss bei der Lohngleichheit endlich einen kräftigen Schub vorwärts gehen.
Mehr zum Frauenstreik www.14juni2011.ch; siehe auch den Veranstaltungshinweis Push-up-Aktion zum Frauenstreik
Kategorie: Brennpunkt Tourismus, Frauen, Jung & Fair, Menschenrechte, Schweiz, Unternehmen


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