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01. Februar 2012

Claudia Lux: Sieben Sonnenblumen

Basel, 01.02.2012, akte/ Eigentlich ist die Blütezeit der Erbauungsliteratur schon längst vorüber. Einfache Geschichten, die zu einem tugendhaften Leben anregen sollen, passen nicht so recht in die abgeklärte Postmoderne. Das macht Claudia Lux' sieben Geschichten über Menschen, die gerne an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, und von solchen, die sich über Vorurteile hinwegsetzen, weil sie das Herz am rechten Fleck haben, zu einem berührenden Exotikum. 

Die erste Blüte im Strauss der sieben Sonneblumen findet die Autorin in Südstadt, dem Stadtteil Nürnbergs, den die von nördlich der Bahnlinie wegen des hohen Ausländeranteils meiden. Claudia Lux, neu im Quartier, wird von einer eingewanderten Marokkanerin spontan zum Tee eingeladen. "Diese Frau ist nicht nur integriert −in diesem Land, in ihrer Stadt, bei den Arbeitskollegen und Nachbarn − sie hat auch mich, ,die Neue' sofort integriert". Die Blüten sind Frauen: Die mutige Luciana, die im Tirol gegen Fremdenhass antritt, die Prostituierte Carmen, die einem bürgerlichen Schulmädchen im falschen Stadtteil Geleitschutz bietet, die Russin Ludmila, die als Dreiundzwanzigjährige nach Deutschland flieht und sich ein Leben lang für Flüchtlinge einsetzt, die Frauen im kleinen Laden um die Ecke, die den vermeintlichen Penner mit Würde behandeln, Manuela, die sich trotz Blindheit ihre Eigenständigkeit nicht nehmen lässt, und Ursula, alleinerziehende Mutter von Marcel El-Mansouri, Kind eines ägyptischen Vaters, der trotz den Diskriminierungen der Schulzeit zum Rechtsanwalt wurde, auch dank ihrem unerschütterlichen Glauben an ihn. 

Die Geschichten, die so schlicht daherkommen wie ein Gespräch zum Nachmittagstee, entwerfen eine Art Ethik von unten, die sich von der Brecht'schen Moral, die bekanntlich erst nach dem Essen kommt, abgrenzt. Ihre Parabeln zeigen, dass es für Solidarität, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht erst das Essen braucht, sondern lediglich Offenheit und manchmal den Mut, über den eigenen Schatten zu springen. 

Claudia Lux: Sieben Sonnenblumen. Wieden Verlag, Crivitz 2011, 116 Seiten, EUR 12.50; ISBN 987-3-942946-08-7. 
Erhältlich direkt beim Wieden Verlag www.wieden-verlag.de;oder bei Ihrer Buchhandlung

AutorIn: Nina Sahdeva, arbeitskreis tourismus & entwicklung, Basel

Kategorie: Begegnung zwischen Kulturen & Religionen, Deutschland, Ethik, Frauen, Geschichte, Jung & Fair, Kultur, Literatur, Menschenrechte


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012