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13. Juli 2010

Das Jordantal - Vertreibung und Schikanierung der palästinensischen Bevölkerung

Im Jordantal eignet sich Israel systematisch Land, Wasser und landwirtschaftliche Ressourcen an. Die palästinensische Bevölkerung ist in ihrer Existenz zunehmend bedroht.

Ein Lastwagentransport für die Firma CARMEL zwischen Siedlungen im Jordantal. CARMEL AGREXCO ist der grösste Exporteur nach Europa von Agrarprodukten,  die auf besetztem Land der Palästinenser kultiviert wurden. Bild: Jordanvalleysolidarity.org

Ein Youtube-Video mit dem Namen „The Jordan Valley“ zeigt die fruchtbare, wunderschöne Landschaft des Jordantals. Sie sei von Anfang an von der Schönheit der unberührten Landschaft überwältigt gewesen, erzählt eine israelische Siedlerin. Für sie sei sofort klar gewesen, dass dies der Ort sei, an dem ihre Kinder aufwachsen sollten.

Das Jordantal ist wegen der Wasserressourcen des Jordans und seinem Reichtum an natürlichen Rohstoffen ein äusserst attraktiver Landstrich. Er bildet gleichzeitig die Grenze zwischen den besetzten Gebieten und Jordanien. Immer mehr jüdische SiedlerInnen lassen sich hier nieder.

Das Tal erstreckt sich über 2’400 Quadratmeter - wovon die Hälfte von israelischen SiedlerInnen kontrolliert wird. Weitere 46 Prozent des Landes hat Israel zu militärischem Sperrgebiet erklärt. Lediglich vier Prozent des Jordantals stehen heute der palästinensischen Bevölkerung zur Verfügung, 70 Prozent der rund 52'000 palästinensischen BewohnerInnen leben in Jericho.

Die meisten der im Jordantal lebenden PalästinenserInnen sind Bauern, viele von ihnen Beduinen, die durch die israelische Besatzungsmacht und die SiedlerInnen in ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit behindert werden. Mit einer gezielten Vertreibungspolitik bedroht Israel ihre Existenz - allein zwischen Januar und März 2006 wurden rund 3'000 PalästinenserInnen vertrieben. Die israelischen Besatzer verhindern mit der Verweigerung von Baubewilligungen und mit dem Zerstören von „illegal“ gebauten Häusern und Zelten, dass die palästinensische Beövlkerung über genügend Wohnraum und öffentliche Gebäude verfügt.

Wasser
Israel beansprucht einen Grossteil der Wasserreserven des Jordans für sich, Bohrungen und Instandhaltungen von Brunnen werden von der staatlichen israelischen Wassergesellschaft Mekarot monopolisiert, PalästinenserInnen ist es verboten, selbst Brunnen zu bohren oder bestehende instand zu halten. Israel errichtet neue Brunnen, die nur Israelis vorbehalten sind. Diese befinden sich oft in unmittelbarer Nähe zu palästinensischen Brunnen, die durch die tieferen Bohrungen austrocknen. Durch das Überschreiten der Maximaltiefe gefährdet Israel das Ökosystem des Jordans und des Toten Meeres. Zudem deklariert die Besatzungsmacht Gebiete mit strategischen Wasserressourcen als militärisches Sperrgebiet. Die Wasserpolitik Israels hat zur Folge, dass die palästinensischen BewohnerInnen in ständiger Wasserknappheit leben und es sowohl an Trinkwasser als auch an Wasser für die Bewirtschaftung der Felder fehlt.

Bewegungsfreiheit
Das Jordantal ist von fünf festen Checkpoints umgeben. PalästinenserInnen ist das Passieren nur erlaubt, wenn sie ihren Wohnsitz im Jordantal haben und älter als 30 Jahre sind. Die Checkpoints sind jeweils von 6.00 bis 21.00 Uhr geöffnet. Viele PalästinenserInnen können nicht nachweisen, dass sie BewohnerInnen des Jordantals sind, weil sie keine entsprechenden Papiere besitzen. Die vielen Bedingungen, die zum Passieren der Checkpoints erfüllt sein müssen, bedeuten, dass viele faktisch in ihren Dörfern gefangen sind. Überdies kommt es an den Ckeckpoints immer wieder zu willkürlichen Festnahmen oder zum Entzug von Ausweispapieren.

Wirtschaft
Die palästinensischen Bauern werden schikaniert und als landwirtschaftliche Arbeitskräfte massiv ausgebeutet. Die palästinensischen Produkte werden durch subventionierte Siedlerprodukte konkurriert, die zu Dumpingprisen auf palästinensischen Märkten verkauft werden. Israel blockiert die Einfuhr passender Düngemittel und Pestizide, Saatgut wird während längerer Zeit an den Checkpoints zurückgehalten. Palästinensische Bauern werden gezwungen, jüdische Siedler für das Packen und Abfertigen der Landwirtschaftsprodukte zu bezahlen, damit sie die Checkpoints passieren können.

Israel exportiert die Produkte aus dem Jordantal nach Europa und deklariert sie zum Teil als Made in Israel.

Systematische Vertreibung
Das Vorgehen der Besatzungsmacht im Jordantal zeigt beispielhaft die systematische Vertreibungspolitik Isaraels auf, die hier schon weit fortgeschritten ist. Gegenüber dem Elend der palästinensischen BewohnerInnen des Jordantals werden die Kinder der israelischen Siedlerin im Youtube-Video in einer atemberaubend schönen Landschaft aufwachsen und von den Privilegien profitieren, die es mit sich bringt, unter dem Schutz des israelischen St aates zu stehen.

Der Beitrag erschien in Palästina-Info vom Frühling 2010. Palästina-Info ist eine Publikation der Palästina-Solidarität Region Basel; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung

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Weitere Informationen finden Sie auf unserer Palästina Plattform

AutorIn: Palästinasolidarität Basel

Kategorie: Begegnung zwischen Kulturen & Religionen, Boykott, Brennpunkt Tourismus, Israel, Jung & Fair, Krisen – Krieg & Katastrophen, Menschenrechte, Palästina, Umwelt & Lebensgrundlagen, Unternehmen


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Letzte Aktualisierung: 08.09.2010