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23. Mai 2012

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Thema

22. Mai 2008

Der fairunterwegs-Koffer ist unzufrieden:

Die Reiseveranstalter machen im Olympia-Jahr mit China das grosse Geschäft, zieren sich aber bei Hinweisen auf die Menschenrechtssituation.

Basel, 22.05.2008, akte/ Das gewaltige Erdbeben in China hat die Welt erschüttert – der engagierte Einsatz der Regierung und vieler Zivilpersonen zur Rettung der Überlebenden und Bergung der Opfer hat auch den fairunterwegs-Koffer beeindruckt. Ein schöner Kontrast zur burmesischen Militärjunta, welche allzu lange ausländische Hilfe blockiert hat! Über den Bildern des weinenden Premierministers Wen Jiabao  hat der fairunterwegs-Koffer beinahe vergessen, dass er und seine Regierung verantwortlich sind für die Repression der Minderheiten in China, für die Inhaftierung und Folterung von MenschenrechtsaktivistInnen und auch von harmlosen KritikerInnen, für den Vollzug der Todesstrafe für eine grosse Anzahl von Delikten bei oft unfairen Prozessen, für die so genannten  „Umerziehungslager“, in die Personen ohne Prozess bis zu drei Jahre eingewiesen werden können, und für eine strenge Internetzensur. Aber glücklicherweise hat der fairunterwegs-Koffer noch den Flyer von Amnesty International bei sich: Der weist auf ebendiese Menschenrechtsverletzungen hin und lädt dazu ein, den Premierminister mit einem Schreiben zur Abschaffung der Menschenrechtsverletzungen aufzufordern. Immerhin habe das Pekinger Bewerbungskomitee versprochen, die Olympischen Spiele 2008 würden zur Entwicklung der Menschenrechte in China beitragen.

Viele Sportbegeisterte möchten natürlich zur Olympiade nach China reisen. Sie haben spätestens mit den Zwischenfällen  beim Fackellauf mitbekommen, dass es mit der Menschenrechtslage in China nicht zum Besten steht, und fragen sich: Wie sollen sie sich verhalten? Reisen? Boykottieren? Der fairunterwegs-Koffer fände es angebracht, dass die Reiseveranstalter ihrer Kundschaft zu den nötigen Tipps verhelfen. Vielleicht nicht gerade mit dem etwas politischen Aktionsfaltblatt: „Peking 2008. Menschenrechte aufs Podest.“ Aber der Möglichkeiten gäbe es viele: Ein etwas neutraleres Faltblatt mit Links zu weiterführenden Informationen zu den Reiseunterlagen; ein Hinweis zur Menschenrechtslage in den Reisekatalogen – ähnlich wie es einzelne Reiseveranstalter zu Burma gemacht haben; ein Link auf die Homepage von Amnesty International, wo die Menschenrechtsorganisation eine Seite eigens für Reisende aufgeschaltet hat. Oder ein Link zu den Tipps auf dieser Homepage „Wegweiser für Reisende nach China“

Mit diesen und weiteren Vorschlägen gelangte die Schweizer Sektion von Amnesty International an die hiesigen Veranstalter von Chinareisen. „Bei den kleineren Veranstaltern hatten wir mehr Erfolg als bei den Grossen“, resümiert Nicole Gantenbein von Amnesty das Resultat ihrer Bemühungen. Immerhin haben bei 11 Anbietern von Chinareisen 5 kleinere und ein Grosser etwas gemacht. Einer der Kleineren – Geriberz – hat zum Beispiel  Unterlagen für seine Reisebegleiter angefordert und will Begleiter von Gruppenreisen vorbereiten. Wettstein hat den Link auf Amnesty.ch geschaltet, Flyer verteilt und aufgelegt und Informationen zur Menschenrechtslage in ihre Reisedokumentationen aufgenommen. „Bei kleineren Veranstaltern oder Reisebüros wurden wir meist gleich an den Chef verwiesen“, sagt Gantenbein. „Dort kam es dann einfach auf dessen persönliches Engagement an.“ Anders bei den Grossen. Dort merkte die Vertreterin der Menschenrechtsorganisation, dass die Reisebranche anders tickt, nämlich kompliziert. „Es war schon nur schwierig zu verstehen, wer da mit wem wie zusammenarbeitet. Wir wurden meist an eine Person der Nachhaltigkeitsabteilung oder der Marketingabteilung verwiesen, die nur beschränkte Entscheidungsbefugnis hatte.“ Die Anfragen waren umständlich, das Resultat ist ernüchternd. Die anderen Grossen haben es abgelehnt, ihrer Kundschaft spezifische Hintergrundinformationen zu China zu geben. Gewisse Reiseveranstalter haben Angst, ihr Engagement für die Menschenrechte bezahlen zu müssen, in dem sie keine Visa mehr für ihre Kunden erhalten würden. Andere Gründe für Absagen waren, dass es
schon einen Hinweis auf fairunterwegs.org gebe. Oder: Ihre Reisekundschaft sei bereits genügend informiert. Oder: Sie machen keine Politik, wollen die Kundschaft nicht bedrängen.

Ärgerlich, findet der fairunterwegs-Koffer: Für alle, welche die Olympiade als Zugpferd benutzen, um mit Chinareisen das grosse Geschäft zu machen, wäre es nur billig gewesen, auf das Angebot von Amnesty einzugehen und ihre Kundschaft auch in Sachen Umgang mit der Menschenrechtssituation in China zu sensibilisieren.   

Quellen: Schweizer Sektion von Amnesty International www.amnesty.ch; Boykott oder Reisen? Auf:  www.amnesty.ch/de/laender/tourismus; eigene Recherchen.

AutorIn: Nina Sahdeva, arbeitskreis tourismus & entwicklung, Basel

Kategorie: Brennpunkt Tourismus, China,Volksrepublik, Menschenrechte, Sport, Unternehmen


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012