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11. Oktober 2011

"Hyatt ist die schlimmste Arbeitgeberin"

Basel, 11.10.2011, akte/ Am 8. September 2011 legten Mitarbeitende der Hotelkette Hyatt in den vier US-amerikanischen Städten Chicago, Los Angeles, San Francisco und Honolulu Mitarbeitende für eine Woche ihre Arbeit nieder. Damit wollten sie nicht nur ihren Forderungen nach anständigen Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen, sondern auch für ihr Recht auf Widerstand gegen den systematischen Abbau von Arbeitsstellen mit regulären Löhnen und Sozialversicherungen kämpfen. Bereits im Herbst 2009 kam Hyatt in die Schlagzeilen, weil die Hotelkette im Raum Boston 100 Hauswirtschafterinnen entlassen hatte. Damals gingen Tausende von AmerikanerInnen auf die Strasse, um ihre Wiedereinstellung zu fordern.

Laut der Gewerkschaft Unite Here, der 250'000 amerikanische Angestellte von Hotels und Gastbetrieben angeschlossen sind, ging es bei den aktuellen Streiks in erster Linie um das Recht, sich gegen einen Arbeitgeber zu wehren, der mutwillig gute Arbeitsplätze in amerikanischen Hotels zerstöre. "Hyatt hat sich zum schlimmsten Arbeitgeber der Hotelbranche gemacht. Hyatt hat erfahrene Hauswirtschafterinnen durch Temporärangestellte mit Minimallöhnen ersetzt und bürdet wenigen verbleibenden Angestellten gefährlich grosse Arbeitspensen auf. Im Juli richtete Hyatt in Chicago während einer extremen Hitzewelle Wärmelampen auf streikende Angestellte. In Boston entliess Hyatt in drei nicht gewerkschaftlich organisierten Hotels das gesamte Hauswirtschaftspersonal – darunter Frauen, die seit Jahrzehnten für Hyatt gearbeitet hatten – und ersetzte es durch temporäre Arbeitskräfte mit einem Minimallohn."

Unite Here wies auf die hohen Verletzungsraten von Hauswirtschafterinnen in den Hyatt Hotels hin. In einigen Hyatt Hotels müsse eine einzelne Hauswirtschaftsangestellte täglich 30 Zimmer reinigen, fast das Doppelte von dem, was die Gewerkschaften als Obergrenze definiert hätten. "Hyatt missbraucht Hauswirtschaftsangestellte in Los Angeles und im ganzen Land", sagte Cathy Youngblood, die im Hyatt Andaz in West Hollywood arbeitet. "Ich streike heute nicht nur für würdige Arbeitsbedingungen, sondern auch für unser Recht, uns zur Wehr zu setzen, wenn dieses Riesenunternehmen die Rechte seiner MitarbeiterInnen verletzt." "Die Angestellten von Hyatt führen einen wichtigen Kampf", erklärte Unite Here-Präsident John Wilhelm. "Angesichts der sich immer weiter öffnenden Lohnschere und der systematischen Zerstörung von Amerikas Mittelklasse setzen sie sich mutig für einander ein und nehmen den Kampf mit einem Riesen wie Hyatt auf."

Gemäss Unite Here organisierten die Hyatt-Angestellten im ganzen Land Protestkundgebungen und riefen zum Boykott auf. Hyatt soll dadurch bereits ein Verlust von 20 Millionen Dollar entstanden sein. Am 15. September nahmen die Mitarbeitenden von Hyatt ihre Arbeit wieder auf, doch riefen sie dazu auf, den Boykott von 16 Hyatt-Hotels fortzusetzen. Der Boykott wird von zahlreichen amerikanischen Organisationen mitgetragen.

Quellen: Hyatt is worst employer, hotel workers say, 08.09.2011, www.eturbonews.com; Hyatt workers end strike while Hyatt boycott intensifies, 15.09.2011, www.eturbonews.com

Lesen Sie auch: Gastgewerbe in der Krise: entlassen und flexibilisieren - oder eine alternative Entwicklung fördern?

AutorIn: Jacqueline Hefti, arbeitskreis tourismus & entwicklung, Basel

Kategorie: Arbeit, Brennpunkt Tourismus, Frauen, Jung & Fair, Menschenrechte, Unternehmen, Vereinigte Staaten von Amerika


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012