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Maharashta/Indien: Tigerschutz vor Menschenrechten
Dass Indien verstärkt den Naturschutz berücksichtigt, ist zwar erfreulich. Doch nach wie vor werden Menschenrechte wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.
Basel, 16.12.2010, akte/ Das "Protected Area Update" mit Nachrichten und Informationen aus geschützten Gebieten in Indien und Südasien berichtet über Entwicklungen in Reservaten und Schutzgebieten. Drei aktuelle Beispiele aus dem Bundesstaat Maharashtra zeigen die ungute Prioritätenliste des indischen Staates: Zuoberst kommen Minen, dann Tourismus, Naturschutz - und ganz zum Schluss die Menschenrechte. Die meisten Proteste der BewohnerInnen gegen dieses Gebahren verhallen ungehört.
Das Hohe Gericht von Bombay wies die Regierung an, alle Dörfer, die in der zentralen Zone des Tadoba Andhari Tiger Reservats liegen, innerhalb eines Jahres umzusiedeln. Gleichzeitig tadelte das Gericht das Walddepartement, da es seit 1987, als Tadoba ein Tiger-Schutzgebiet geworden war, versäumt hatte, die Dörfer umzusiedeln. Nun soll der Umsiedlungsprozess verstärkt vorangetrieben werden, unter anderem sollen NGOs wie die Satpuda Foundation und Eco-pro dabei helfen, die Dorfbewohner zum Umzug zu bewegen. Angemerkt wurde auch, dass Bäume gefällt wurden und die Bambusbestände sich verringern. Anwohner aus der Umgegend seien in diesen illegalen Bambusgewinn involviert - sie flechten mit dem Material unter anderem Körbe, die in den unzähligen Kohleminen verwendet werden, die sich rund um das Reservat stark verbreitet haben. Über den geplanten neuen Wohnort der Menschen ist aus der Nachricht nichts zu erfahren.
Während die AnwohnerInnen für den "Naturschutz" weichen müssen, dürfen die TouristInnen bleiben: Im Koyna Wildlife Sanctuary wurden bis zu 550 Bäume gefällt, 215 Windräder aufgestellt und zehn Resorts gebaut - alles ohne die dafür notwendige Erlaubnis. Zwar stoppte das Hohe Gericht von Bombay die Bauarbeiten inzwischen, legalisierte aber gleichzeitig die illegal gebauten Ferienresorts. Über das Schicksal der Anwohnerinnen und Anwohner im Schutzgebiet verrät die Meldung nichts.
Ein weiteres Gerichtsurteil genehmigte 49 Bauxit- und Eisenerz-Minen im Sindhudurg-Distrikt, der 1997 zum ersten Öko-Tourismus-Bezirk wurde. 32 der 49 erlaubten Minen liegen im Korridor, der das Koyna Wildlife Sanctuary, das Radhanagari Wildlife Sanctuary und das Anshi-Dandeli Tiger Reserve in Karnataka miteinander verbindet. Bisons, Leopard und Rehe leben hier, zudem wurden in den vergangenen zwei Jahren mindestens vier Tiger beobachtet.
Vier der Minen sind bereits in Betrieb. Die Dorfbewohner von Kalane wehrten sich mit einer Resolution gegen Minen, da diese Flora und Fauna ebenso wie Ackerland zerstören würden.
Quelle: Protected Area Update, http://www.indianjungles.com/pa88.htm
Kategorie: Brennpunkt Tourismus, Indien, Indigene Völker, Menschenrechte, Parks – Schutzgebiete, Umwelt & Lebensgrundlagen


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