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Malediven ein Jahr nach dem Tsunami: Zwischen Wellness-Luxus und Menschenrechtsverletzungen
Auf einmalige «Wohlfühl-Oasen» – so schwärmt man in der Tourismuspresse – hätten sich die Malediven-Resorts nach dem Tsunami getrimmt. Für die Luxus-Renovationen der Tourismusinseln scheinen die Investitionen nach dem Tsunami geflossen zu sein. Derweil fehlen in der Staatskasse – so berichtet Voice of America kurz vor dem Jahrestag des Tsunami – rund 150 Millionen US Dollar an internationaler Hilfe, um die auf gut 500 Millionen US Dollar geschätzten Schäden der Flutwelle vom 26.12.2004 zu reparieren.
Rund 100 Todesopfer hatten die Malediven in der Folge des Tsunami zu beklagen. Das waren sicher wenig im Vergleich zu anderen betroffenen Ländern im Indischen Ozean. Doch wurden auf den 200 bewohnten Inseln der Malediven insgesamt über 8'000 Häuser beschädigt. Und noch leben ein Jahr nach dem Tsunami gemäss dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) an die 11'000 Menschen in Notunterkünften. Ihre Rehabilitierung sei eine riesige Herausforderung für einen Inselstaat, wo jedes Gramm Sand teuer importiert werden müsse, weil die Entnahme von Baumaterialien aus den lokalen Korallenriffen ja nachweislich zu längerfristigen Schäden des sensiblen Ökosystems führe. Nicht zu reden vom Wiederaufbau einer nachhaltigen Fischerei, wo nicht nur das Geld für neue Fischerboote fehlt, sondern auch für die Reparatur der Hafenanlagen für grössere Schiffe.
Offensichtlich hat die Flutwellen-Katastrophe auf den Malediven auch nicht zu einem demokratischen Dialog und der Verbesserung der Menschenrechtslage geführt (siehe akte-Kurznachrichten 4/2004). Demokratische Kräfte werden unter dem Regime des seit 28 Jahren herrschenden Staatspräsidenten Maumoom Abdul Gayoom nach wie vor systematisch unterdrückt, willkürlich verhaftet und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, berichtet zum Menschenrechtstag 10.12.2005 die vom Exil in Grossbritannien aus tätige Menschenrechtsgruppe Friends of Maldives (FOM). Sie appelliert deshalb an Reisende, gezielt die rund 20 Touristeninseln der Malediven zu meiden, deren Betreiber nachweislich mit dem Regime von Gayoom einen engen Kontakt pflegen: Bandos Island Resort, Cocoa Island, Tulaagiri Island, Dhonveli Beach, Hakuraa Club, Alidhoo Resort, Dhonakulhi Resort, Paradise Island, Olhuveli Beach, Vilu Reef Beach, Kandooma Resort, Sun Island, Fun Island, Holiday Island, Royal Island, Vakarufalhi Island, Dhonimigili Resort, Biyadhoo Island, Kalhufahalafushi, Maavelaaravu, Funamadua, Coco Palm Resort, Makunudu Island und Meeru Island. /plus
Quellen: tim team clearinghouse 26.12.2005; www.voanews.com/english/2005-12-22-voa20.cfm; eTurboNews 27.12.2005, www.travelwirenews.com; www.friendsofmaldives.org
Kategorie: Boykott, Brennpunkt Tourismus, Internationale Organisationen & Abkommen, Malediven, Menschenrechte, Tsunami
