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25. Februar 2011

"Ökotourismus" auf Kosten der Indigenen: Der Kampf um die Wasserfälle von Agua Azul in Chiapas

Aguas Azules, Bild: tootshibbard/Wikimedia Commons

Die Wasserfälle Agua Azul zählen zu den berühmtesten Naturschönheiten im Bergland von Chiapas. Der Zugang wird heute von den indigenen Gemeinden der Umgebung, die der zapatistischen Bewegung La Otra Campaña angehören, verwaltet. Dieses Recht wird ihen streitig gemacht von der regierungstreuen Organisation OPDDIC.

Am 3. Februar wurden 117 Angehörige der Otra Campaña aus der Gemeinde San Sabastián Bachajón willkürlich verhaftet. Man warf ihnen einen Mord und einen Mordversuch an ihren Gegnern vor. 107 der Verhafteten wurden nach zwei Tagen wieder frei gelassen. Nach ihren Aussagen wurden sie während der Haft von der Polizei (policías estatales) misshandelt und von der Staatsanwaltschaft bedroht. Zehn der am 3. Februar Verhafteten sind nach wie vor im Gefängnis, davon ein Minderjähriger und ein Behinderter. Am 6. Februar verkündete die Regierung von Chiapas den Beginn von Gesprächen (mesa de diálogo) über die Hintergründe des Konflikts. Die Gespräche kamen aber nicht zustande. Die Mitglieder der Otra Campaña wiesen die Einladung zurück und warfen den Gegnern vor, die Kasse des von ihnen verwalteten Tourismusprojekts gestohlen zu haben. Der Polizei warfen sie vor, das ihnen seit Generationen gehörende Territorium rund um das Naturwunder Agua Azul besetzt zu halten. 

Regierung plant die Privatisierung von verschiedenen Mayastätten
Brisant ist die Interpretation des Konflikts, welche die Umweltorganisation Maderas del Pueblo macht. Sie wirft der Regierung von Juan Sabines vor, das von den Indígenas der Otra Campaña verwaltete Tourismusprojekt zu Fall zu bringen und Agua Azul transnationalen Tourismusfirmen auszuliefern. Sie benutze zu diesem Zweck den Konflikt zwischen den beiden Parteien. Dasselbe soll mit andern Territorien geschehen, die reich an Biodiversität, Wasser, Wäldern, Mineralien sind. Die Projekte im Tourismussektor sollen unter der Bezeichnung "Oekotourismus" vermarktet werden - haben aber gar nichts mit "Ökotourismus" zu tun, wie die lokalen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen festhalten. Die von der Regierung promovierten Grossprojekte haben die indigenen Gemeinden von Chiapas im höchsten Masse alarmiert. Die Regierung plant in den nächsten Jahren ein integrales Tourismusprojekt für den Norden von Chiapas, das den Ausbau und die Privatisierung folgender Maya-Stätten beinhalten soll: Palenque, Agua Azul, Misol-ha Toniná, Yaxchilán, Bonampak und Playas de Catazajá.

Lokale Umweltorganisationen verlangen von der chiapanekischen Regierung den "totalen Respekt der Menschenrechte der verhafteten Personen, vor allem das Recht auf Unschuldsvermutung und auf einen legalen Prozess". Ebenso sollen sofort alle offiziellen Unterstützungsaktionen für die paramilitärische Gruppe OPDDIC und die Privatisierung der Naturschönheiten und der Mayastätten gestoppt werden.

Amnesty International/Schweizer Sektion: Nachrichten aus Zentralamerika und Mexiko. Bulletin Nr. 82 / 20. Januar bis 20. Februar 2011. Quelle: Maderas del Pueblo, Communiqué 12.2.2011. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

Lesen Sie auch:
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Subcomandante Marcos, Paco Ignacio Taibo II: Unbequeme Tote

 

AutorIn: Alma Noser, Amnesty International Schweiz, Bern

Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Indigene Völker, Jung & Fair, Krisen – Krieg & Katastrophen, Kulturgüter & Kulturerbe, Liberalisierungen – GATS, Menschenrechte, Mexiko


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012