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23. Juni 2010

Palmöl-Schwindel: Migros reagiert auf Vorwürfe

Kahlschlag statt Regenwald: Rodung für IOI-Ölpalmplantage auf Land der Kayan-Ureinwohner auf Borneo (Tinjar, Sarawak, Malaysia, Bild: BMF)

Vier Wochen nach Bekanntwerden der vom Bruno Manser Fonds publik gemachten Missstände beim malaysischen Palmöl-Konzern IOI, dem Hauptlieferanten der Migros, reagiert die grösste Schweizer Supermarktkette. Migros wird gegen IOI ein Beschwerdeverfahren gemäss den Richtlinien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) einleiten.

"Die Angelegenheit muss untersucht werden", schreibt die Migros in einer dem Bruno Manser Fonds unterbreiteten Stellungnahme. "Wenn sich die Vorwürfe erhärten, muss nach Meinung der Migros das fehlbare Unternehmen mit Sanktionen bestraft werden." Migros wird sich auch mit IOI in Verbindung setzen und "eine komplette Aufklärung" verlangen: "Wenn diese nicht zufriedenstellend ausfällt, wird die Migros die notwendigen Massnahmen treffen und entsprechende Konsequenzen ziehen."

Der Schritt der Migros erfolgt, nachdem Recherchen des Bruno Manser Fonds gezeigt hatten, dass IOI im malaysischen Bundesstaat Sarawak systematisch den Regenwald zerstört und die Landrechte der Kayan-Ureinwohner verletzt hat. Der Bruno Manser Fonds verlangte in der Folge von MIGROS eine Auflösung sämtlicher Verträge mit IOI und eine starke Reduktion des Palmöl-Verbrauchs.

Der Bruno Manser Fonds (BMF) begrüsst die von der Migros angekündigten Massanhmen als Schritt in die richtige Richtung und hält an seinen Forderungen fest. "IOI hat jahrelang ein Doppelspiel betrieben und die Schweizer Konsumenten getäuscht", sagte BMF-Geschäftsleiter Lukas Straumann. Während IOI das aus alten Plantagen stammende, als "nachhaltig" zertifizierte Palmöl an die MIGROS und andere Kunden in Europa verkauft hatte, zerstörte der Konzern in Borneo für seine neuen Plantagen den Regenwald auf Land der Ureinwohner.

Die Neuanlage von Ölpalm-Plantagen ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung der tropischen Regenwälder in Südostasien. Palmöl wird zur Verarbeitung von zahlreichen verarbeiteten Nahrungsmitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln und Tierfutter verwendet. 2008 importierte die Schweiz rund 60'000 Tonnen Palmöl. Zur Produktion dieser Menge Palmöl wird eine Fläche von rund 21'000 Hektar (210 km2) Regenwald benötigt.

Stellungnahme_der_Migros_zum_IOI_Palmoel_Schwindel.pdf (935KB)

Frühere Meldung: Missstände beim malaysischen Palmöl-Konzern IOI,

Weitere Informationen: www.bmf.ch;

AutorIn: Bruno Manser Fonds, Basel, Medienmitteilung

Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Artenvielfalt/Biodiversität, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Förderung & Megaprojekte, Indigene Völker, Jung & Fair, Klima – Verkehr, Malaysia, Menschenrechte


Katja, 24-06-10 14:21:
Besten Dank für den Hinweis! Wir haben den Text angepasst und den Autor informiert.
Klaus, 24-06-10 10:57:
Die Seriosität einer wirklich wichtigen Nachricht sollte nicht wegen falscher Zahlen angezweifelt werden können.

Die von Ihnen angegebene, für die Produktion von 60.000 Tonnen Palmöl benötigte Hektar-Fläche ist um eine Zehnerpotenz zu hoch. Die km2-Zahl ist richtig gerechnet.

Realistisch werden in diesen Gegenden ca. 4 Tonnen Öl pro Hektar produziert, also werden für 60.000 Tonnen ca. 15.000 ha (150 km2) benötigt werden.

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Letzte Aktualisierung: 08.02.2012