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08. Februar 2012
Gerechtigkeit schmeckt!
Galadiner mit Tanja Grandits in der Offenen Kirche Elisabethen, Basel
Thema
Riesencrevetten versus Mangrovenschutzwälder
Das Umfeld, in dem sich die Entwicklungszusammenarbeit abspielt, ist oft schwierig. Naturkatastrophen, Konflikte, schwache Regierungen und Korruption behindern häufig die Aufgaben von HEKS und seinen Partnern. So auch in Bangladesh, wo HEKS gemeinsam mit seinem langjährigen Partner UBINIG Mangrovenwälder anpflanzt.
Bangladesh ist sehr verletzlich und anfällig für Naturkatastrophen. Die Küstenregionen und zwei Drittel des ganzen Landes liegen so tief, dass sie jährlich von Wirbelstürmen, während der Schneeschmelze im Himalaja von Überschwemmungen, von Monsunregen und von Erdrutschen heimgesucht werden. Die Naturereignisse sind in jüngster Zeit wegen der globalen Erwärmung und des veränderten Klimas häufiger und heftiger ge worden, die Verletzlichkeit des Landes hat weiter zugenommen. Der Durchmesser des Zyklons im April 1991 war grösser als das ganze Land, seine Ge schwindigkeit er reichte 225 Kilometer pro Stunde. Er löste eine Sturmflut mit bis zu sechs Me ter hohen Wellen aus. 150 000 Menschen und 70 000 Stück Vieh wur den getötet. In den Jahren darauf suchten kleinere Wirbelstürme, die immer wieder Opfer forderten, Bangladesh heim. Dann folgten sich die grossen Stürme Schlag auf Schlag: «Sidr» hinterliess im November 2007 eine enorme Spur der Ver wüstung, ihm folgte im Mai 2008 der Zyklon «Nar gis», Ende Oktober 2008 «Reshmi», im April 2009 «Bijlee» und im Mai 2009 der Wirbelsturm «Aila».
Mangroven: Natürlicher Schutz gegen Tsunamis
Einen natürlichen Schutz gewährt der Mangrovengürtel, der wie eine grüne Festung Menschen und Tiere vor den Fluten schützt. Die Mangrovenwälder brechen die Wellen vor der Küste schon seit Urzeiten, doch viele Wälder wurden abgeholzt und mussten der Garnelenzucht und Salzgewinnung weichen. Mangrovenwälder bieten aber nicht nur Schutz vor Naturereignis sen, sondern auch Lebens raum für viele Tierarten: Vö gel, Repti lien, Amphibien und Fische. Die Erhaltung und Ausdehnung des Mangroven waldes und die dadurch gewonnene grössere Bio-Diversität von Tier- und Pflanzenar ten verbessern auch die Lebensgrundlagen der Bewohnerinnen und Bewohner. Aus diesen Gründen pflanzt HEKS zusammen mit UBINIG, einem langjährigen Partner von HEKS, Mangroven an. Es sind vor allem Ersatzpflanzungen für Mangrovenwälder, die in den letzten Jahrzehnten kommerzieller Nutzung weichen mussten. Aufgrund der positiven Erfahrungen in der Vergangenheit werden die Sorten Keora und Bain gepflanzt, die besonders widerstandsfähig sind. Das Projektgebiet liegt im Flussdelta des Maheshakhalikanals im Südwesten des Landes. Doch der Widerstand gegen solche Projekte ist gross und die Hürden, die es zu überwinden gibt, sind hoch. Dies zeigt ein
Zwischenfall vom Februar dieses Jahres. UBINIG hat bereits in den 90er Jahren mit derselben Motivation, und der finanziellen Unterstützung durch an dere internationale Hilfswerke, Mangrovenwälder angelegt. Im Februar wurden im Ma tamuhari-Fluss-Delta im Dist rikt Cox’s Bazaar, 600 Mangrovenbäume, circa ein Zehntel der von UBINIG in den Jahren 1992, 1993 und 2001 gepflanzten Bäume, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion komplett abgeholzt. Die Mangroven mussten Platz machen für den Aufbau einer weiteren Garnelen-Farm: Auf dem gerodeten Gelände werden jetzt Dämme und Becken für die Aufzucht von Tiger-Prawns (Riesencrevetten) gebaut, die in den Tiefkühltruhen der Grossverteiler und schliesslich auf unseren Tellern landen.
Korrupte Machteliten versus arme Bevölkerung
Der Vorfall zeigt, dass diese Aufforstungsprojekte in einem politisch und wirtschaftlich schwierigen Umfeld durchgeführt werden. Die ausbeuterischen Interessen korrupter und wirtschaftlicher Machteliten setzen sich oft gegenüber den Bedürfnissen der armen Bevölkerung durch. Schmiergelder erlauben Gesetze zu umgehen und wirtschaftliche Interessen wahrzunehmen. UBINIG hat die lokalen Behörden über den Vorfall informiert, Klage eingereicht und bewirkt, dass auch die grossen Landeszeitungen Bangladeshs über die illegale
Rodung Bericht erstatteten. Passiert ist bis anhin noch nichts. Der Vorfall bedeutet für HEKS Warnung und Ermutigung zugleich. Die Notwendigkeit und der grosse Wert von Aufforstungen bleiben unbestritten.
Prävention von Übergriffen
Um sich gegen zukünftige Übergriffe zu wappnen, wird HEKS die lokale Bevölkerung noch stärker in die Projektumsetzung einbinden als bisher. Sammeln von Saatgut, Aufzucht der Setzlinge, versetzen der Jungpflanzen, Unterhalt, Einzäunung und Bewachung der Pflanzungen werden mit Dorf- und Jugendgruppen durchgeführt. Die Mangrovenpflanzungen sollen ihre Pflanzungen sein. Regelmässige Rundgänge und Kontrollen helfen, Übergriffe zu verhindern und verdächtige Ereignisse, wie zum Beispiel Landvermessungen, frühzeitig zu melden. HEKS und seine Partner setzen sich auch zukünftig mit grossem Engagement, voller Kraft und aus Überzeugung für diese Arbeit ein.
Der Beitrag erschien in "handeln", dem Magazin des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz, Nr. 308 vom April 2010. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Projektinformationen zu Bangladesh finden Sie hier
Lesen Sie auch den Bericht über den weltweiten Zustand der Magrovenwälder, von denen seit 1980 ein Fünftel verschwunden ist. Mehr dazu auf www.dw-world.de und auf www.unep.org
Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Bangladesch, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Finanz- & Handelspolitik, Jung & Fair, Klima – Verkehr, Liberalisierungen – GATS, Menschenrechte, Nachhaltige Projekte


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