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27. Januar 2011

Rosmarie Bär verlässt Alliance Sud

Rosmarie Bär ist Ende Jahr in Pension gegangen. Mit ihr hat Alliance Sud eine engagierte und hartnäckige Kämpferin für eine nachhaltige Entwicklung verloren. Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, erinnert sich.

1996 übernahm Rosmarie unsere Stelle für internationale Umwelt- und Klimapolitik. 14 Jahre lang war sie unser Gedächtnis für die vielen internationalen Prozesse nachhaltiger Entwicklung, die der Uno-Erdgipfel von 1992 in Rio de Janeiro ausgelöst hat. In den offiziellen Schweizer Delegationen, in denen sie Alliance Sud energisch vertrat, fungierte sie in letzter Zeit mehr und mehr als die einzige Person, die die Delegation an frühere offizielle Positionierungen erinnern konnte. Das machte Rosmarie zugleich wertvoll und unbequem.

Rosmarie war zwischen 1987 und 1995 prominente Nationalrätin der grünen Partei gewesen. Sie gehörte zum starken Frauentriumvirat oder besser -maternat, das die grüne Fraktion in dieser Periode prägte. Dass sie danach ohne Starallüren, Sonderansprüche und zu gleichem Lohn im Team von Alliance Sud mitarbeitete, war nicht selbstverständlich – für sie aber schon.

Rosmarie hat sich in den letzten Jahren mit der Wasserknappheit, den Folgeprozessen der Rio-92-Konferenz und der Klimaerwärmung beschäftigt. In den Jahren 1999/2000 erreichte die Privatisierung öffentlicher Wasserversorgungen ihren Höhepunkt, und private Wasserkonzerne hofften, auch in der Schweiz Fuss fassen zu können. Dagegen wandte sich der Arbeitskreis Wasser, den sie für Alliance Sud aufgebaut hat. International pushte sie zusammen mit europäischen und nordamerikanischen NGOs die Idee einer Uno-Wasserkonvention, die aber nicht zum Tragen kam. Stattdessen verlagerten sich die Diskussionen darauf, in der Uno ein Menschenrecht auf Wasser zu verankern. Schliesslich verfolgte Rosmarie die Bemühungen um ein Klimaabkommen, das 2012 den Kioto-Vertrag ablösen sollte, und die laufende Revision desCO2-Gesetzes.

In all diesen Bereichen erfuhr Rosmarie, wie sich zentrale ökologische Indikatoren nicht etwa verbesserten, sondern verschlechterten. Rosmarie trug nicht leicht daran, dass die zwei Jahrzehnte „nachhaltiger Entwicklung“ krass nicht nachhaltige Resultate hervorgebracht haben.

Wir wünschen Rosmarie, sich künftig vermehrt der Pflege ihres umfangreichen Freundinnenkreises widmen und ihr Engagement in angemessener Weise fortführen zu können.

Lesen Sie auch: Lesereise: Fair unterwegs mit Rosmarie Bär, Entwicklungsfachfrau

AutorIn: Peter Niggli, Alliance Sud, Bern

Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Finanz- & Handelspolitik, Frauen, Internationale Organisationen & Abkommen, Klima – Verkehr, Menschenrechte, Politische Rahmenbedingungen, Rio-Prozess


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012