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Tauchparadiese geschlossen wegen weiträumiger Korallenbleiche im Pazifik
Das El Niño-Wetterphänomen sowie die globale Klimaerwärmung tragen massgeblich zur Zerstörung der Korallen bei - besonders in Kombination mit illegaler Fischerei mit Schlepp- oder Treibnetzen sowie Dynamit. In Südostasien sperrte man nun bedrohte Tauchparadiese.
Basel, 01.04.2011, akte/ Wegen steigender Meerestemperaturen (von 27° auf 29 °C) hat in Südostasien die schlimmste Korallenbleiche seit 1998 eingesetzt. Korallen sind lebende Organismen. Sie gehören zu den Nesseltieren und siedeln auf einer Kalkschicht, die von Jahr zu Jahr wächst. Werden die Korallen krank und sterben ab, verliert der Korallenstock seine Farbenpracht. Nur das weisse Kalkgehäuse, in dem sie einst lebten, bleibt zurück.
Stress für die Korallen reduzieren
In Malaysia beispielsweise sind 60 bis 90 Prozent der Korallen betroffen, und ohne Ruhepause werden sie mit Sicherheit sterben. Daher hat das malaysische Departement für Meeresparks letztes Jahr entschiedene Massnahmen ergriffen:
Um den Korallen Gelegenheit zur Erholung zu bieten, wurden zwölf der meistbesuchten und meistbedrohten Ferienorte rund um die Inseln Tioman, Redang und Perhentian für drei Monate geschlossen. Taucher sollen nicht einmal in die Nähe der Korallenriffe gelangen. So soll der Stress für die Korallen auf ein Minimum reduziert werden.
Zwar ist der Hauptgrund für die Korallenbleiche die Erwärmung des Meeres, doch auch die angereisten TaucherInnen tragen zum Absterben der Korallen bei: Sie berühren oft unabsichtlich die Korallen oder streichen über sie hinweg, wirbeln Sand auf und beschädigen auf die eine oder andere Weise die sensiblen Riffe. Das Departement für Meeresparks und verschiedene Umweltschützer haben erklärt, sie seien bereit, den unkontrollierten Tourismus in Malaysia zu bekämpfen und die Meereswelt so vehement wie nötig zu verteidigen.
Auch in Thailand sind die Behörden alarmiert, denn an verschiedenen Orten setzte die Bleiche innert nur drei Monaten bei bis zu 80 Prozent der Korallen ein. Im Januar entschied sich das thailändische Departement für Nationalparks, Tier- und Pflanzenschutz, 18 der am stärksten betroffenen Tauchplätze zu schliessen. Darunter Hin Klang vor Phi Phi, die Mae Yai Tai Halbinsel vor der Insel Nord-Surin, das Gebiet östlich der Insel Süd-Surin, die Chong Khad Bucht vor der Insel Nord-Surin, die Kangakao- und Pai-Inseln in Chon Buri, die Yak-Insel in Trat, die Chaloke Ban Kao-Bucht, die Tanod-Bucht und den Nuansai-Strand von Surat Thani. Wenn aller Verkehr von Tauchern, Schnorchlern und Fischern ausbleibt, so hoffen die Behörden, kann sich das natürliche Gleichgewicht wieder einstellen und die Korallen können gesunden. Doch das Ausmass der Schäden ist jetzt schon so gross, dass es Jahre dauern wird, bis die Korallen heilen.
Der Faktor Mensch
Korallenbleichen fanden schon 1991 und 1995 in der Andaman-See und 1998 im Golf von Thailand statt. Gemäss Sakanan Plathong, einem thailändischen Korallenriff-Forscher der Prince of Songkhla Universität brauchen gesunde wie kranke Korallenriffe gleichermassen konstante Pflege. Verschmutzung, Abwasser, zerstörerische Fischereipraktiken, oder durch Erosion von der Küste gelöste Landmassen hindern die Korallen an der Gesundung. Eine der Hauptgefahren sei die Landablagerung. Insbesondere bei der Erschliessung von Küsten, etwa mit dem Bau von Marinas oder Resorts, werden Landteile ins Meer gewaschen. Korallenriffe in Küstennähe, die als Brutstätte für Fische sowie als Touristenattraktionen dienen, wurden ernsthaft von Sedimenten beschädigt, die durch Grabungen an der Küste entstanden.
Das El Niño-Wetterphänomen, bei dem sich das Meer erwärmt, sowie die globale Klimaerwärmung tragen massgeblich zur Zerstörung der Korallen bei, besonders in Kombination mit illegaler Fischerei mit Schlepp- oder Treibnetzen sowie Dynamit.
Ausgebleichte Korallen in von Schmutzwasser verunreinigten Gebieten sterben in aller Regel ab. Boote sind die Hauptquelle von Schmutzwasser, denn die meisten sind nicht mit Sammeltanks für Abwasser aus Küche und Bad ausgerüstet, Abwasser landet meist ungefiltert im Meer.
Moo Koh Surin - wohl der schönste der sieben Meeresparks Thailands und berühmt für seine atemberaubenden Oberflächenkorallen - schloss fünf Tauchorte, weil das Department die Korallenstruktur vor den unachtsamen Füssen der Schnorchler schützen wollte. "Menschenfüsse, die wahllos in die Korallen treten, sind fast so verheerend wie die globale Erwärmung", sagt Songtam Suksawang, der Direktor des Departements für Nationalparks, Tier- und Pflanzenschutz. "Zudem zerstören die Anker von den Longtailbooten der Touristen die Korallenstruktur."
Korallen: Grundlage für Artenvielfalt, Nahrung und Tourismus
Professor Thamasak Yeemin von der Forschungsgruppe für Marine Biodiversität der Universität Ramkhamhaeng in Bangkok unterstreicht die Bedeutung der Korallen für das Überleben der menschlichen Spezies. Korallenriffe sind buchstäblich Häuser für Fische. Ohne sie haben die Fische keinen Ort, um sich vor den Raubtieren zu schützen oder zu laichen. Wir würden unserer Nahrung beraubt, was auch wirtschaftlichen Problemen führt. Die Korallenbleiche schadet bereits dem Tourismus und dem Tauchgeschäft, aber langfristig zerstört das Absterben der Korallen die ganze Nahrungskette der Meeresökologie. Heute spüren wir noch nichts von diesem Problem. Aber in einigen Jahrzehnten wird es weniger Fische und weniger Fischarten geben.
Quellen: South Asia Tourism Monitor, Vol 2, No. 1, Januar-Februar 2011; Worst coral death strikes at SE Asia, Schlimmste Korallenbleiche seit 1998, www.bodeweb.de 25.10.2010; ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies www.coralcoe.org.au 19.10.2010
Kategorie: Artenvielfalt/Biodiversität, Brennpunkt Tourismus, Indonesien, Jung & Fair, Klima – Verkehr, Malaysia, Parks – Schutzgebiete, Philippinen, Sport, Thailand


Mit Interessse lese ich jeweils euren newsletter und zum Thema Korallensterben würde ich gerne anfügen, dass ich mich wundere, dass die Philippinen nicht erwähnt werden. Vielleicht ist das Korallensterben dort noch nicht so gross in Zusammenhang mit der Meereserwärmung, jedoch sehr gross wegen unzureichenden Kontrollen, örtlicher Korruption, etc. Ich verbrachte letztes Jahr einige Tage rund um El Nido auf Palawan. Die Inselwelt ist gross und fast durchgehend unter Schutz (Marine Reserve) Leider wird dort weiterhin illegal mit Dynamit gefischt und viele Korallen waren abgestorben und zerstört durch unsachgemässes Anlegen der Catamaran Boote, die dort die Besucher auf die Inseln bringen. Eine ansässige Ausländerin, die schon über 15 Jahre dort lebt, erzählte mir haarsträubendes über die Zustände. Leider ist es auch so, dass viele ausländische Grossfischerei Konzerne illegal in die Gegend kommen und mit ihren grossen Schleppnetzen alles kahl fischen. Dadurch ist die einheimische Bevölkerung unter Druck. Sie hat weniger eigenen Fischbestand zu verkaufen und bedient sich dadurch mit Dynamit und auch mit Gift (Name vergessen), damit sie möglichst schnell viele Fische fangen können, um der Konkurenz nachzukommen und überhaupt noch etwas für Eigenbedarf und zum Verkauf zu haben. Eigentlich sind einige NGO's auf den Philippinen stationiert, jedoch scheinen auch diese wenig gegen die örtlichen Behörden/Korruption unternehmen zu können. Auch eine traurige Geschichte. Vielleicht wäre es aber möglich die Hotels, Resorts, etc. vor Ort mit einem Flyer zu versorgen, der die Missstände erörtert und den Touristen als Info dient, damit sie sich vorsichtiger bewegen und sich des Problems bewusster werden. Oder die Tourenanbieter sollten ermahnt werden, vorsichtiger ihre Boote anzulegen...aber ich kenne die Philippinen schon lange und solche Versuche sind immer schwierig, da soviele Menschen vom Tourismus und der Fischerrei abhängen. Der ewige Teufelskreis. Eine lange Geschichte...
Mit freundlichen Grüssen,
Nathalie Bahala
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