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08. März 2011

"Tourismus ist keine menschenrechtsfreie Zone"

Zum Start der weltgrössten Tourismusmesse ITB in Berlin fordern der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Amnesty International und Survival International von Politik und Reiseunternehmen Impulse für mehr Menschenrechte im Tourismus. Die neue Broschüre des EED „Alles was recht ist – Menschenrechte und Tourismus“ bietet dazu Leitlinien und Informationen.

Die aktuellen Entwicklungen in Tunesien, Ägypten oder dem Jemen zeigen: Menschenrechte und Tourismus liegen nah beieinander. Oft überschneiden sie sich auch. "Veranstalter und Reisende müssen genauer hinschauen, wie sie Urlaubsangebote oder ihren Urlaub gestalten. Leider stützen Tourismusgelder oft korrupte Eliten und Militärdiktaturen. Daher müssen im Tourismus Menschenrechte gestärkt werden. Internationale Unternehmen dürfen durch ihr Handeln keinen Schaden anrichten", sagt Heinz Fuchs von der EED-Arbeitstelle "Tourism Watch". Auf der ab morgen geöffneten weltgrössten Tourismusmesse ITB kommen die wichtigsten Vertreter der Branche zusammen. Hier biete sich die Gelegenheit genauer hinzuschauen, wo und wie der Tourismus einen Beitrag zum Schutz der Rechte von Menschen leisten könne, so Fuchs.
Linda Poppe, Leiterin des Berlin Büros von Survival International, erläutert während der Vorstellung der EED-Broschüre am Dienstag in Berlin, am Beispiel der Buschleute in Botswana, wie deren Grundrechte auf Wasser und Land auch durch touristischen Erschliessungen bedroht sind. Auch Amnesty International fordert ein stärkeres Engagement der Tourismuswirtschaft beim Thema Menschenrechte. "Amnesty International hat in den vergangenen Jahren immer wieder dokumentiert, dass Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben werden, damit Platz für Hotels und andere touristische Anlagen geschaffen werden. Ein Beispiel ist Kambodscha, wo im Jahr 2009 mehr als hundert Familien ihre Häuser verlassen mussten, weil ein touristisches Ressort gebaut wurde", sagt Katharina Spiess, Referentin Menschenrechte und Wirtschaft von Amnesty in Deutschland. Eindrücklich plädiert Dorothy Ogutu von der "African Alliance of Sexworkers" in Kenia gegen die Kriminalisierung der Sexarbeit und für mehr staatlichen Schutz. Insbesondere Regierungen und Unternehmen müssten ihr Engagement zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus verstärken.
Die vorgestellte EED-Broschüre "Alles was Recht ist – Menschenrechte und Tourismus", zeigt, dass Tourismus auf vielfältige Weise die Menschenrechte verletzt. "Mit den Erkenntnissen aus der Studie fordern wir Politik und Wirtschaft auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Massnahmen für eine menschenrechtlich orientierte Tourismusentwicklung sind überfällig", sagt Heinz Fuchs. Die Zukunft des Tourismus werde davon abhängen, inwiefern Tourismus zum Vorteil der Menschen und im Einklang mit Natur und Umwelt gestaltet werde. "Hierfür braucht es auch verbindliche Spielregeln, die sich aus den Staatenpflichten zur Verwirklichung der Menschenrechte ergeben", fasst Heinz Fuchs die Forderungen zusammen.

Terminhinweis:
Im Rahmen der ITB veranstalten EED-Tourism Watch und Survival International am Freitag, den 11. März, eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr in Messehalle 4.1.

AutorIn: Evangelischer Entwicklungsdienst, eed, Bonn: Medienmitteilung

Kategorie: Armut & Milleniumsziele, Boykott, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Frauen, Indigene Völker, Internationale Organisationen & Abkommen, Jung & Fair, Kinder, Krisen – Krieg & Katastrophen


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012