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18. Oktober 2009

Tourismus oder Küstenschutz?

Nach Monaten hartnäckigen Widerstands können die Fischergemeinden an den indischen Küsten feiern: Die Regierung hat ihr Vorhaben aufgegeben, die Küstenregulierungsgesetze durch investorenfreundliche Küstenmanagementgesetze zu ersetzen, die für die lokalen Gemeinden Umsiedlung und Zerstörung ihrer traditionellen Lebensgrundlagen bedeutet hätten – oft zugunsten von Tourismusanlagen. Dabei ist zum Beispiel die Erosion als Folge der Abtragung von Dünen in Goa bereits sichtbar: Vor den Hotelanlagen mit Meersicht frisst sich das Meer ungeschützt ins Land hinein.

Kovalam Beach 2007

Dass die Regierung ihr Vorhaben aufgegeben hat, Indiens Küsten für gross angelegte Entwicklungen freizugeben, ist ein kleiner, aber gewichtigen Schritt für den Schutz der Küsten vor den Verwüstungen durch den Tourismus.
Die indische Regierung plante, die existierenden Küstenregulierungsgesetze (Coastal Regulation Zones CRZ), welche Entwicklungen in bezeichneten Gebieten verbietet, durch Küstenmanagementgesetze (Coastal Management Zones-CMZ) abzulösen. Indiens Tourismusdepartemente und die Tourismusbranche befürworteten die vorgeschlagene Änderung, denn sie hätte  den Weg freigemacht für die uneingeschränkte touristische Erschliessung.

Das Vorhaben traf auf den hartnäckigen Widerstand der Fischergemeinden in ganz Indien. Sie befürchteten, das fragile ökologische Gleichgewicht der Küsten könnte weiter beschädigt werden. Sajeer Abdul Rehman, Mitarbeiter des indischen Projektteams der englischen tourismuskritischen Organisation Tourism Concern meint dazu: „Indiens Tourismusdepartemente argumentierten, die gültigen Küstenregulierungsgesetze stünden der Tourismusbranche im Wege. Die neuen Gesetze würden die Anlagen legitimieren, welche die Tourismusunternehmen in Übertretung der heute gültigen Gesetze bauten, und ebenso die verbreitete Aneignung von Land, das der Lokalbevölkerung gehört.

Tourism Concern und die südindische Partnerorganisation Kabani verhalfen der Angelegenheit zu nationaler und internationaler Beachtung, mit Fernsehsendungen, welche über die schädlichen Auswirkungen des Tourismus berichteten. Das führte schliesslich zur Bildung eines ständigen parlamentarischen Ausschusses, der die möglichen Auswirkungen der neuen Küstenmanagementgesetze untersuchte. In seinem Bericht über die Küstenmanagementprogramme schreibt der Ausschuss: „Es ist weitgehend unbestritten, dass die Küstenmanagementgesetze den Zugang der Lokalbevölkerung zur Küste und zu den Meeresressourcen bedeutend beschneiden und den ökonomischen Interessen der Unternehmer und Grossinvestoren wie der Tourismusbranche, Raffinerien, Minenindustrie usw. dienen würden.“ Tourism Concern begrüsst diese Antwort und vertraut der Indischen Regierung, dass sie auch in Zukunft auf die Küstenbevölkerung hört, wenn sie touristische Projekte plant.

In Focus, Summer 2009, vierteljährliche Zeitschrift der englischen tourismuskritischen Organisation Tourism Concern www.tourismconcern.org.uk; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Nina Sahdeva.

AutorIn: tourism Concern, London

Kategorie: Brennpunkt Tourismus, Indien, Liberalisierungen – GATS, Menschenrechte, Politische Rahmenbedingungen, Umwelt & Lebensgrundlagen, Wasser, Widerstandsbewegungen


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Letzte Aktualisierung: 24.05.2012