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05. November 2010

Was ist denn so neu an diesen Fair Trade-Reisen?

Die ersten Fair Trade-Reisen sind lanciert. Jennifer Seif, Direktorin von Fair Trade in Tourism South Africa, erklärt wie sich das Zertifizierungsverfahren zur Auszeichnung von Fairen Reisen von anderen Zertifizierungen im Tourismus abhebt.

Was ist wirklich neu an Fair Trade Travel?
Mit der Einführung von Fair Trade Travel-Angeboten am 28. Oktober 2010 in Zürich beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Fair Trade-Bewegung. Bislang ging es beim Fairen Handel hauptsächlich darum, die Stellung von Bauern und Plantagenarbeitern aus dem Agrarsektor im globalen Handel zu verbessern und ihr Einkommen zu erhöhen. Nun wird der Faire Handel zum ersten Mal auf einen Dienstleistungssektor ausgeweitet – in Form von Fair Trade-Reisearrangements, die ab heute auf dem Schweizer Markt angeboten werden.

Was ist neu im Vergleich zu FTTSA?
Seit bald als zehn Jahren ist Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA) ein Pionier in der Entwicklung neuer Konzepte und Modelle für nachhaltigen Tourismus. 2003 hat FTTSA ein Produkt-Gütesiegel für den Tourismus eingeführt und verleiht Anbietern touristischer Dienstleistungen in Südafrika diese FTTSA-Zertifizierung für ihre Angebote, wenn sie spezifische Standards und Kriterien einhalten. Das FTTSA-Label garantiert faire Löhne und Arbeitsbedingungen, eine faire Verteilung des Nutzens aus dem Tourismus, ein faires operatives Geschäft und Respekt für die Menschenrechte, die Kultur und die Umwelt. Trotz des Pioniercharakters der Fair Trade-Zertifizierung vermochte FTTSA als zielgebietsspezifische Initiative bislang nicht die Aspekte des internationalen Handels mit touristischen Dienstleistungen aufzugreifen, die zur Benachteiligung südafrikanischer Geschäftsinhaber, insbesondere kleiner Betriebe, führen. Mit die Einführung der Fair Trade Travel-Zertifizierung ist nun erstmals eine breitere Advocacy, eine breitere anwaltschaftliche Arbeit für Gleichheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette möglich. Letztendlich wird dies Südafrika helfen, zusätzlichen Nutzen aus dem Tourismuswachstum nach der Fussballweltmeisterschaft zu ziehen.

Was ist neu bzw. umfassender bei FTT im Vergleich zu anderen Zertifizierungssystemen und Siegeln für Produkte in den Zielgebieten? Für Unternehmen? Und für Reiseveranstalter?
Die grosse Mehrheit der etwa hundert Zertifizierungsprogramme für nachhaltigen Tourismus, die es derzeit gibt, sind hauptsächlich umweltbezogene Programme. Das ändert sich langsam, da die Programme zunehmend an die Globalen Kriterien für nachhaltigen Tourismus* angepasst werden. Jedoch beziehen sich selbst ausgewogene Labels für nachhaltigen Tourismus nur auf einen Teil der touristischen Wertschöpfungskette. Einerseits messen produktbezogene Programme (darunter auch FTTSA) die Auswirkungen vor Ort, andererseits geht es bei reiseveranstalterbezogenen Programmen hauptsächlich um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility – CSR). In keinem dieser Ansätze geht es um die Handelsbedingungen oder Handelsethik, die auch wesentliche Voraussetzungen für die Nachhaltigkeit sind. Fair Trade Travel kombiniert die Produkt- und Unternehmenszertifizierung mit einem Audit der Handelsbeziehungen. Daraus resultiert das wohl umfassendste Tourismus-Zertifizierungsprogramm, das es je gab.

Welche Schritte waren nötig, um die FTT-Pauschalangebote zu erstellen?
Im Rahmen der Erarbeitung erster Pilot-Reiseangebote ging es unter anderem konkret um: - Standards bzw. Standard setting - Audits bzw. die Überprüfung von Unternehmen in der Wertschöpfungskette - Überzeugungsarbeit bei Reiseveranstaltern - Marktforschung - Netzwerkarbeit und Kompatibilität mit anderen Zertifizierungssystemen. Doch der Prozess bis zur erfolgreichen Einführung der ersten Fair Trade Travel-Pauschalangebote reicht zurück ins Jahr 2006, als Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) eine Studie in Auftrag gab, um zu evaluieren, ob die Entwicklung eines globalen Fairtrade-Siegels im Tourismus machbar ist. FTTSA, der arbeitskreis tourismus & entwicklung (akte) in der Schweiz und EED-Tourism Watch in Deutschland berieten FLO gemeinsam mit weiteren Tourismus- und Fair Trade-Stellen während des gesamten Prozesses, der 2008 seinen Höhepunkt fand. Anfang 2009 bot FTTSA an, die Führungsrolle in einem Pilotprojekt in Südafrika zu übernehmen, um Standards sowie Auditing- und Berichtsinstrumente und Verfahren zu entwickeln und zu testen. FTTSA konnte das wachsende Portfolio FTTSAzertifizierter Produkte in Südafrika sowie die bestehenden Beziehungen zur Schweizer Reisebranche und anderen Schweizer Partnern wirksam einsetzen, um das Pilotprojekt zu unterstützen. Dies führte zum Audit und nun zur Zertifizierung von zwei Pauschalreisen der Veranstalter Reise Service Imagine und Kuoni Reisen AG.

Und welche Zukunftsperspektiven hat das FTT-Projekt?
In Partnerschaft mit Reiseveranstaltern und Advocacy-Organisationen in den Quellmärkten wird FTTSA nun in der Lage sein, die Nachfrage der Reisenden nach Fair Trade Travel abzuschätzen. Man braucht Marktinformationen, insbesondere hinsichtlich der Bereitschaft der Reisenden, eine Prämie zu zahlen (und in welcher Höhe), um die Wirtschaftlichkeit zu testen. Wenn sich nachweisen lässt, dass die ersten Pauschalreisen wirtschaftlich machbar sind, wird dies den Weg für die Zertifizierung weiterer Urlaubsreisen nach Südafrika ebnen, und nach und nach auch für die Übertragung des Modells auf andere Entwicklungsländer. Diese wird auf einer sehr viel breiter angelegten Konsultation mit Experten und Organisationen im Bereich Tourismus und Fairer Handel basieren, um das Verfahren des von Südafrika geleiteten Pilotprojekts zu bestätigen und auch weitere Antworten auf Ungerechtigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit des Tourismus im globalen Süden zu finden.

Weitere Informationen finden auf unserer Plattform zur Medienkonferenz anlässlich der Lancierung der ersten Fairen Reisen
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*Die Globalen Kriterien für nachhaltigen Tourismus (GSTC) werden in vier zentrale Bereiche eingeteilt: Nachhaltigkeitsmanagement, sozioökonomische Entwicklung, kulturelle Auswirkungen und Umweltmanagement. Die zukünftige Anerkennung von Siegeln für nachhaltigen Tourismus durch den Globalen Rat für nachhaltigen Tourismus wird davon abhängen, inwieweit lokale Programme neben anderen Faktoren die GSTC einbeziehen. Nach einer Untersuchung, die im Auftrag des Rates erstellt wurde, erfüllt FTTSA bereits die meisten Anerkennungsstandards. Weitere Informationen auf: www.sustainabletourismcriteria.org;

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AutorIn: Christine Plüss, akte, Basel; Katharina Mancama, FTTSA, Pretoria

Kategorie: Arbeit, Armut & Milleniumsziele, Brennpunkt Tourismus, Entwicklungspolitik , Fairer Handel, Good practice – verschiedene Ansätze, Jung & Fair, Nachhaltige Projekte, Praxisbeispiele, Schweiz


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Letzte Aktualisierung: 22.03.2012
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